Ein Projekt des Blühpakt Bayern wurde nun im Rahmen einer Bauhofschulung im Kurpark Gößweinstein vollendet und damit neuer Lebensraum für zahlreiche heimische Insekten geschaffen.
Im Vorfeld hatte die Blühpakt-Beraterin Dr. Jana Ernst (Regierung von Oberfranken) ein Konzept für die naturnahe, insektenfreundliche Neugestaltung sowie Pflege der Fläche in prominenter Lage im Kurpark in Abstimmung mit dem Kreisfachberater Hans Schilling (Landratsamt Forchheim) und Christopher Lang vom Bauhof der Marktgemeinde Gößweinstein erarbeitet.Neben der praxisnahen Gestaltung unterstützte der Kreisfachberater den überaus engagierten Bauhof Gößweinstein auch bei der Auswahl von gebietsheimischen Wildobst sowie Wildrosenarten und stellte auch zertifiziertes, artenreiches Wiesendruschsaatgut der Region zur Verfügung. Für das zunächst noch recht kahl und karg aussehende Sandarium wurden heimische Wildpflanzen gewählt sowie Totholzelemente integriert. Durch die vielfältigen Strukturelemente birgt die Fläche nach der Bepflanzung und Ansaat mit vorrangig gebietsheimischen Pflanz- und Saatgut künftig ein großartiges Potenzial für die biologische Vielfalt (Biodiversität).
Doch wie wird aus der Stein- und Sandlandschaft zwischen Natursteinen und Totholz ein blühender Lebensraum für unsere heimischen Insekten? Das Geheimnis liegt in der Nährstoff- und Wasserknappheit des durchlässigen und mineralischen Bodens. In sonnenexponierter Lage haben hier konkurrenzstarke Arten wie Fettgräser, Brennnesseln oder der große Sauerampfer keine Chance. Von solch magereren Standorten profitiert unsere heimische Artenvielfalt. Heimische Wildpflanzen wie Blutwurz, Echtes Labkraut, Sonnenröschen oder Oregano (Dost) sind nicht nur eine Pracht für unser Auge, sondern stellen von Mai bis November relevante Nahrungsquellen für zahlreiche Schmetterlinge, Käfer, Wildbienen & Co. dar. Aber reicht ein reichhaltiges, buntes Buffet für unsere Insekten aus?Vor allem Wildbienen benötigen zudem unsere Unterstützung durch das Anlegen von Nisthilfen. Leider können nämlich nur rund 30 Arten der 561 heimischen Wildbienenarten als typische Holzröhrenbrüter die sogenannten Insektenhotels nutzen. Rund drei Viertel unserer Wildbienen sind im Boden nistende Arten, weshalb ein "Sandarium" aus ungewaschenem und klebrigen Sand einen wertvollen Lebensraum für solche Sandbewohner anbieten kann. Der strukturstabile Sand hat eine Schichtdicke von mindestens 50 cm und kann nun künftig für die Eiablage genutzt werden. Somit kann über die bewusste Auswahl von heimischen Wildpflanzen und die Anlage eines geeigneten Lebensraums viel für die heimische Biodiversität auf kommunalen Flächen getan werden. Weitere Strukturelemente auf der Fläche wie verschiedene Totholzstrukturen, Natur- und Lesesteine sowie Wasserstellen werden jedoch nicht nur von Insekten genutzt, sondern bieten auch Nahrungs-, Versteck- und Überwinterungsmöglichkeiten z.B. für Reptilien wie der selten gewordenen Zauneidechse an. Ein Wildobststreifen neben dem Sandarium und der artenreichen Wiese wird künftig durch einen kleinen Weg den Besuchern des Kurparks erlebbar gemacht, soll aber hauptsächlich Nahrung für Insekten und Vögel anbieten. Die neu gepflanzten Wildrosen aus Hunds- und Apfelrosen werden durch ihre ungefüllten Blüten und ihrem herrlichen Rosenduft wohl künftig nicht nur eine Vielzahl von Insekten begeistern. Die neu gestaltete Fläche ist durch ihren Strukturreichtum ideal um die Entwicklung der heimischen Tier- und Pflanzenwelt inmitten der Marktgemeinde im Kurpark zu entdecken und zu erforschen. Und letztlich schützt man nur, was man kennt. Der Markt Gößweinstein hatte sich im Frühjahr 2023 für das Projekt „Starterkit 2 – blühende Kommunen“ beim Blühpakt Bayern um eine Finanzhilfe von 5.000 Euro sowie eine fachliche Beratung durch die Blühpakt-Beraterin erfolgreich beworben. Der Blühpakt Bayern ist eine Initiative des Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz, die sich für den Schutz unserer heimischen Insektenvielfalt einsetzt. Das Projekt zielt dabei speziell auf öffentliche, kommunale Grünflächen ab, da diese einen wichtigen Baustein darstellen, wenn es um Insektenschutz und biologische Vielfalt geht. Insekten spielen für uns Menschen durch ihre zahlreichen ökologischen Funktionen eine große Rolle. Sie sichern durch ihre Bestäubung unsere Ernährung, sie beeinflussen die Energie- und Nährstoffkreisläufe aller Ökosysteme und sorgen für gesunde Böden als Verwerter abgestorbener Biomasse. Desweiteren sind sehr viele Insekten gleichzeitig Nützlinge, die andere Schadinsekten in Schach halten.