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Hahnenkamm Echo Mitteilungsblatt der Gemeinden Heidenheim Westheim Gnotzheim
Ausgabe 1/2026
Heidenheim
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Andreas Kritsch gibt die Historie des Jubiläumschores zum Besten.

Hohentrüdingen - Neben dem musikalischen Genuss erfuhren die zahlreichen Besucher, die das Jubiläumskonzert zum 65-jährigen Bestehen des Hohentrüdinger Posaunenchores in der Johanniskirche besuchten, viel Wissenswertes über den Werdegang des Blechbläserensembles.

In einem ausführlichen Vortrag ließ Chorleiter Andreas Kritsch die Historie des Jubiläumschores Revue passieren: „1960 ist J. F. Kennedy zum amerikanischen Präsidenten gewählt worden, haben die Beatles ihr erstes Konzert in Deutschland, nämlich in Hamburg, gegeben und es wurde die erste Satellitennavigation gestartet. Und in Hohentrüdingen wurde der Posaunenchor gegründet - bedeutsam für die Welt – eher nicht. Aber jedenfalls bedeutsam für das Dorf. Es fehlte etwas in dem überschaubaren Ort auf dem Bergrücken. Während in vielen Orten schon seit Jahrzehnten Posaunenchöre existierten, musste man in Hohentrüdingen bei Beerdigungen auf die tröstende musikalische Begleitung verzichten. Lediglich die Mitglieder des Kriegervereins wurden auf ihrem letzten Weg von der Feuerwehrkapelle und später vom Posaunenchor Westheim begleitet. Vom damaligen Ortspfarrer Herwart Reiser ermutigt, taten sich zwölf Männer zusammen und gründeten im Dezember vor 65 Jahren den Posaunenchor.“ Mit Manfred Dollhopf und Christian Rühl durfte Andreas Kritsch noch zwei Zeitzeugen und Gründerväter beim Jubiläumskonzert begrüßen.

In den folgenden Monaten nach der Gründung standen die Ausstattung mit geeigneten Musikinstrumenten und die Ausbildung im Vordergrund, wie den Annalen weiter zu entnehmen ist. Friedrich Zäh aus Rohrach, damals Bezirkschorleiter, und der Westheimer Chorleiter Christian Oberhauser trugen maßgeblich dazu bei, den Interessierten das Spielen mit zunächst geliehenen Blechblasinstrumenten beizubringen. Geprobt wurde überwiegend in Privaträumen. Schon im Frühjahr konnten für die stolze Summe von 3704 DM alle Bläser mit neuen Instrumenten ausgestattet werden. Ein wesentlicher Teil der Summe konnte über Spenden finanziert werden – was zeigt, wie wichtig den Gemeindegliedern der Posaunenchor war. Mit Rücklagen der Kirchengemeinde und mit einem Zuschuss der Landeskirche wurde dann der Restbetrag aufgebracht. Erstmals traten die Posaunenbläser dann an Ostern 1961 im Gottesdienst an die Öffentlichkeit. Für Chorleiter Fritz Eisen stellte es sich nicht immer leicht dar, den Chor zusammenzuhalten und weitere Choräle und Spielstücke einzuüben. Mit dem Engagement von Fritz Ebert ist es aber gelungen, in geduldiger, aber hartnäckiger Weise vielen jungen Menschen das Spielen mit Trompete oder Posaune beizubringen. Zum 25-jährigen Jubiläum zählte der Chor 13 Aktive, darunter mit Fritz Eisen, Manfred Dollhopf, Christian Rühl und August Schmidt noch vier Gründungsmitglieder, die dann mit dem Goldenen Bläserabzeichen geehrt wurden. Gerne erinnern sich die Chormitglieder an die Teilnahmen am Kirchentag in Nürnberg, Landesposaunentage und natürlich an Feste im Ort.

Als einen Tiefpunkt dürfte das Jahr 1990 in die Historie eingegangen sein, denn mit nur noch sechs Bläsern musste damals ein Auftritt würdevoll bestanden werden. Die Auflösung lag in der Luft, doch Chorleiter Fritz Eisen ließ sich nicht entmutigen und hielt mit einem harten Kern den Chor am Leben. Intensives Werben in den Folgejahren erhöhte die Zahl der Bläser auf 25, nicht zuletzt Dank der Jungbläserausbildung durch Thomas Beck und später auch Erika Neumeyer, Helmut Kritsch und Herbert Rühl. Nach 34 Jahren Chorleitertätigkeit reichte Fritz Eisen dann den Dirigentenstab an Thomas Beck weiter und das Amt des Obmanns übernahm Helmut Kritsch, in dessen Wirkungszeit auch das 40-jährige Gründungsjubiläum in Verbindung mit dem Bezirksposaunentag fiel.

Seit 2008 wird der Chor, derzeit bestehend aus 14 weiblichen und ebenfalls 14 männlichen Musikern, von Andreas Kritsch geleitet und Kathrin Habermeyer als zusätzliche „Obfrau“ eingesetzt. Man kann feststellen, dass es im Dorf kaum eine Familie gibt, aus der nicht schon eine oder mehrere Leute im Chor aktiv sind oder waren.

Text und Foto: Frieder Laubensdörfer