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Brensbacher Nachrichten
Ausgabe 12/2026
Kirchliche Nachrichten
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Gedanken zum Wochenende

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

die Gedanken zum Wochenende stammen diesmal von Cyrille Tchamda von der Freien Christengemeinde. Wir vier Kirchengemeinden in Brensbach wünschen Ihnen ein schönes Wochenende.

Anja Encarnacao, Katholische Kirchengemeinde
Miriam von Nordheim-Diehl, Evangelische Kirchengemeinde Wersau
Cyrille Tchamda, Freie Christengemeinde
Matthias Kraft, Evangelische Kirchengemeinde Brensbach

Leid – und doch Hoffnung

Manchmal erreichen uns Nachrichten, die uns den Boden unter den Füßen wegziehen. Ein plötzlicher Krieg in Nahost mit schrecklichen Folgen, hohe Preise, eine schwere Krankheit, der Verlust eines geliebten Menschen – solche „Hiobsbotschaften“ erschüttern unser Leben. Der Ausdruck kommt aus der Bibel, aus dem Buch Hiob. Dort wird von einem Mann erzählt, der innerhalb kürzester Zeit fast alles verliert: seinen Besitz, seine Sicherheit und sogar seine Kinder.

Hiob war kein schlechter Mensch. Im Gegenteil: Die Bibel beschreibt ihn als einen Mann, der Gott fürchtete und das Böse mied. Trotzdem trifft ihn großes Leid. Viele Menschen stellen in solchen Momenten dieselbe Frage: Warum? Warum lässt Gott Leid zu? Warum trifft es gerade mich oder Menschen, die ich liebe?

Das Buch Hiob gibt keine einfache Antwort auf diese Frage. Aber es zeigt eine wichtige Wahrheit: Leid bedeutet nicht automatisch, dass Gott uns verlassen hat. Hiob weiß nicht, warum er leidet. Doch mitten in seiner Trauer spricht er einen bemerkenswerten Satz:

„Der Herr hat gegeben, der Herr hat genommen; der Name des Herrn sei gelobt“ (Hiob 1,21).

Das ist kein Ausdruck von Gleichgültigkeit. Hiob trauert, er zerreißt sein Gewand und fällt zu Boden. Die Bibel verschweigt seine Schmerzen nicht. Doch trotz allem hält er an Gott fest. Er vertraut darauf, dass Gott größer ist als das, was er gerade versteht.

Auch im Neuen Testament wird diese Hoffnung aufgegriffen. Jesus sagt: „In der Welt habt ihr Angst; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden“ (Johannes 16,33). Christlicher Glaube bedeutet nicht, dass Leid aus unserem Leben verschwindet. Aber er bedeutet, dass Leid nicht das letzte Wort hat.

Am Kreuz zeigt Gott, wie ernst er das Leid der Menschen nimmt. Jesus selbst ging durch Schmerz und Verlassenheit. Gerade deshalb dürfen Christen glauben: Gott kennt unsere Not und lässt uns darin nicht allein.

Vielleicht tragen auch Sie gerade eine schwere Last. Vielleicht gibt es Fragen, auf die es keine schnellen Antworten gibt. Die Geschichte Hiobs erinnert uns daran: Wir müssen nicht alles verstehen, um vertrauen zu können.

Die Hoffnung des Glaubens ist, dass Gott selbst einmal alle Tränen abwischen wird. Bis dahin dürfen wir mit unseren Fragen, unserem Schmerz – und auch mit unserer Hoffnung – zu ihm kommen.

Cyrille Tchamda