Liebe Leserinnen, liebe Leser,
die Gedanken zum Wochenende stammen diesmal von Miriam von Nordheim-Diehl von der Evangelischen Kirchengemeinde Wersau. Wir vier Kirchengemeinden in Brensbach wünschen Ihnen ein schönes Wochenende.
Liebe Leserinnen und Leser,
die Fastenzeit geht langsam ihrem Ende zu – am 29. März feiern wir bereits Palmsonntag und darauf folgt die Karwoche mit den anschließenden Ostertagen.
Palmsonntag erinnert an den Einzug Jesu in Jerusalem. Als Jesus auf einem Esel angeritten kam, standen die Menschen am Weg, legten ihre Kleider auf die Straße, schwenkten Palmzweige, jubelten ihm zu und riefen: „Hosianna!“ In diesem Moment war die Stimmung eindeutig: Jesus wurde gefeiert wie ein König. Hoffnung lag in der Luft. Vielleicht glaubten viele, nun beginne endlich eine neue Zeit. Doch wir wissen, wie schnell sich diese Stimmung veränderte. Nur wenige Tage später wurde aus Jubel Ablehnung, aus den fröhlichen Rufen wurde „Kreuzige ihn!“. Viele wandten sich ab. Selbst die Jünger, die Jesus so nahe waren, blieben nicht standhaft. Angst, Enttäuschung und der Druck der Menge waren stärker.
Palmsonntag hält uns deshalb einen Spiegel vor. Wie würden wir Jesus heute empfangen? Wären wir begeistert, solange alles im Leben gut läuft und sich richtig anfühlt? Wären wir begeistert, solange der Glaube uns Hoffnung, Trost oder Orientierung gibt? Aber was geschieht, wenn es schwieriger wird – wenn Zweifel kommen, wenn unser Umfeld anders denkt, wenn der Glaube unbequem wird, wenn wir uns vielleicht dafür schämen, zu beten? Die Menschen damals waren nicht „schlechter“ als wir. Ihre Begeisterung war vermutlich ehrlich. Doch sie war auch zerbrechlich. Vielleicht erkennen wir darin etwas von uns selbst. Auch unser Glaube kann schwanken. Auch wir lassen uns manchmal von der Stimmung unserer Zeit treiben. Vielleicht geht es deshalb gar nicht zuerst darum, treuer zu sein als die Jünger. Vielleicht beginnt Glaube vielmehr damit, ehrlich hinzuschauen: Wo stehe ich? Wo lasse ich mich von der Menge mitreißen? Und wo wünsche ich mir mehr Mut, mehr Vertrauen, mehr Beständigkeit? Der Weg von Palmsonntag führt uns in die Karwoche – durch Zweifel, Leid und Dunkelheit hindurch. Doch er bleibt dort nicht stehen. Er führt weiter bis Ostern, bis zu der Hoffnung, dass Gott selbst aus Scheitern neues Leben wachsen lässt. So wünsche ich Ihnen für die kommenden Tage der Passions- und Osterzeit Momente der Stille, ehrliche Fragen – und die Erfahrung, dass Hoffnung wachsen kann, manchmal gerade dort, wo wir sie am wenigsten erwarten. Amen