Liebe Leserinnen, liebe Leser,
die Gedanken zum Wochenende stammen diesmal von Matthias Kraft von der Evangelischen Kirchengemeinde Brensbach. Wir vier Kirchengemeinden in Brensbach wünschen Ihnen ein schönes Wochenende.
Liebe Leserinnen und Leser,
wohin geht es diesen Sommer? Eine gemütliche Zeit auf Balkonien? Oder weiter weg ins Land der Sehnsucht? Vielleicht sogar WM? Egal, wo man den Sommerurlaub verbringt, einige Vorbereitungen sind nötig. Als Kind musste ich mit meinen Eltern vor jedem Sommerurlaub Grüße und einige Sätze lernen. Was heißt im Urlaubsland „Guten Morgen“ oder „Auf Wiedersehen“ oder “Danke“. Es ging dabei um Respekt und Wahrnehmung der gastgebenden Kultur und um die Möglichkeit, zumindest ein wenig in Kontakt zu kommen. Auch bei der WM ist das – bei allem Kritischen, was zur Fußballindustrie und zu den Besonderheiten der austragenden Länder zu sagen ist - ein wichtiger Aspekt. Menschen, Völker, Länder begegnen sich im Fußball. Auch wenn manchmal Ausschreitungen oder Probleme die Nachrichten bestimmen. Es geht um die Begegnung, ums Kräftemessen auf dem Platz und auch darum, sich nach dem Spiel zu verabschieden, in dem Wissen, dass es beim nächsten Mal andere Mannschaften auf dem Siegertreppchen geben wird. Der Gruß bzw. Abschiedsgruß, auch des sportlichen Gegners, ist etwas ganz Zentrales, um in Erinnerung zu rufen, dass es im Sport wie auch im Leben fair zugehen soll.
Ausführliche Grußformen gibt es bei uns leider selten, fast nur noch im Gottesdienst. „Der Herr sei mit dir“ – „Und mit deinem Geiste“. Auch hier verschwindet er langsam, weil es vielen Gottesdienstbesuchern fremd geworden ist. Wir haben vor einigen Wochen im Abendmahl wieder den Friedensgruß eingeführt, also dass man zumindest den Sitznachbarn um sich herum Frieden wünscht. „Friede sei mit dir.“
Diese Grüße sind wichtiger, als uns vielleicht bewusst ist. Beim Abendmahl ist ja nicht nur Höflichkeit, sondern er drückt aus, worum es beim Abendmahl geht. Es geht um Versöhnung und Frieden mit den Menschen, mit denen wir manchmal Probleme haben. Und es geht um Frieden mit Gott. „Lasst euch versöhnen mit Gott,“ mahnt einmal Paulus. Anders als bei der WM ist es so, dass der Abendmahlspokal an alle geht. Jeder und jede geht als Gewinner/in vom Platz. Denn Versöhnung mit Gott kommt am Ende ohne Platzverteilung aus.
Dies formuliert Paulus einmal in einem Abschiedsgruß in einem seiner Briefe: „Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen!“
Er packt in seinen Gruß viel Inhalt hinein. Seine Grußformeln sind eine Zusammenfassung von allem, was ihm am Glauben wichtig war. Durch Jesus wissen wir, Gott ist uns wohlgesonnen. Gnade, das ist das, wofür Jesus zu Lebzeiten stand und bis heute steht. Er schaut nicht auf die Fehler der Menschen, sondern er lenkt den Blick auf Gott, der die Welt und uns Menschen liebt. Darum ist Paulus sich sicher, dass er uns Gutes will. Darum lädt er uns zur Versöhnung ein, wie es auch im Abendmahl, dem Versöhnungsmahl gedacht ist. Der Geist Gottes, der Heilige Geist verbindet Menschen zu einer Gemeinschaft, auch über sprachliche Grenzen hinweg, wie z.B. in der Pfingstgeschichte, wo die Jünger plötzlich in fremden Sprachen sprechen können. Die Gemeinschaft im Abendmahl und die verbindende Kraft des Heiligen Geistes stehen dafür, dass kein Mensch allein glauben kann, sondern immer mit anderen gemeinsam glaubt. Denn wir brauchen alle Menschen, die uns ergänzen, in Frage stellen und gemeinsam mit uns den Glauben feiern. Sonst wird der ganz private Glaube eventuell sonderbar.
Deshalb hat Gott uns ganz grundsätzlich als Beziehungswesen geschaffen. Niemand von uns kann ohne Beziehungen leben. Wir müssen Gedanken, Fragen, Sorgen und Freude teilen. Darum brauchen wir Formen, wie wir Beziehungen gestalten. Der Gruß ist eine der einfachsten Formen, um mit anderen in Beziehung zu treten. Unterschätzen sollten wir ihn dennoch nicht. Denn ein freundliches „Guten Tag“ oder „Ich freue mich, Dich zu sehen“ schenkt das Gefühl, wahrgenommen und wertgeschätzt zu sein. Eine ausgefeilte Form der Beziehungspflege zwischen Gott und Mensch und Mensch und Mensch ist das Abendmahl. Beides brauchen wir.
Wir sollten beides schätzen, die kurzen Kontakte, von denen wir jeden Tag mehr haben, als uns bewusst ist. Und genauso die religiösen Feiern, wie das Abendmahl. Und im weltlichen Bereich auch die Weltmeisterschaft als ein sportliches Begegnungsfest. Lassen Sie uns die Freude an der Begegnung kultivieren und so positive und freundliche Impulse setzen, egal, wer bei der WM am Ende den Pokal mit nach Hause nehmen kann.