Farbenprächtig erstrahlen die Fenster in der Kapelle, wenn das Sonnenlicht darauf fällt. Im Bild Pfarrer Kai Söder und Kirchenpfleger Thomas Pfister.
Am Kirchweihfest öffnete die Kapelle ihr Portal
Als „Mahnmal gegen den Krieg“ bezeichnete Pfarrer Kai Söder in seiner Predigt im Festgottesdienst am Kirchweihsonntag die Kriegergedächtniskapelle in Ottenhausen. Sie steht im zu Hesselbach gehörenden Weiler Ottenhausen auf einer kleinen Anhöhe über dem Tal des nach Süden fließenden Wollenbaches. Am Pfingstmontag konnte der 70. Jahrestag ihrer Weihe gefeiert werden. Rund 150 Gläubige, von denen nur wenige im etwa acht mal zehn Meter großen Kirchenraum Platz fanden, nahmen am Gottesdienst teil, den der Musikverein Hesselbach musikalisch gestaltete.
In den Jahren 1952 und 1953 wurde die Kapelle von heimkehrenden Soldaten und ihren Familien aus dem Weiler errichtet. Unterstützt wurde der Bau auch durch Familien aus Hesselbach, da auf der Gedächtnistafel für die Gefallenen und Vermissten des Zweiten Weltkrieges auch deren Opfer mit Bild und Lebensdaten aufgeführt werden. Aus der Chronik geht hervor, dass auch aus umliegenden Ortschaften Spenden für den Kapellenbau gesammelt wurden. Sehr unterstützt hat der damalige Ortspfarrer in Hesselbach Ludwig Hornung dieses Vorhaben. Eine Elchschaufel an der bergseitigen Außenwand erinnert an den Pfarrer. Denn dieser erhielt diese Jagdtrophäe von einem Neffen, der Jäger war. Der Bruder des Pfarrers war Franz Hornung, der als Maurerpolier bei einer Schweinfurter Baufirma beschäftigt war. Zusammen mit ihm haben fleißige Helfer die Kapelle fast ganz in Eigenleistung errichtet. Unterhalb der Kapelle lädt eine Grotte mit einer Muttergottesfigur zum Innehalten und Gebet ein.
„Die Einweihung sollte am Pfingstsonntag sein, aber weil es geregnet hat, wurde diese auf den Montag verschoben“, das weiß Thomas Pfister aus der Erzählung seiner Oma. Seit den 70 er Jahren wurde die Kirchweih von Hesselbacher Vereinen, darunter auch der Pfarrgemeinde, ausgerichtet. Seit drei Jahren sorgen die „Fichtenburschen und Kranzbinderweiber“ aus Hesselbach für die Bewirtung der Kirchweihgäste. Die „Fichtenburschen und Kranzbinderweiber“ bestehen seit 1958 als Gruppe. Auch die Ehemaligen helfen bei der Ausrichtung der Ottenhäuser Kirchweih mit. „Es hat viel mit Tradition zu tun und da trifft sich hier die ganze Gemeinde“, versichert Michael Heppt, ehemaliger Fichtenbursche. „Es kommen viele aus dem ganzen Schweinfurter Oberland“, ergänzt Julian Schleyer. Er ist noch als Fichtenbursche bei der Hesselbacher Kirchweih aktiv dabei und betont, dass das Fest „auf jeden Fall“ weiterbestehen soll.
Das Festgelände liegt unweit der Kapelle bei der Tannenberghütte. Hier etablierte sich in den letzten Jahrzehnten eine Gaststätte, die allerdings nur am Sonntag- und Donnerstagnachmittag öffnet. Seit einigen Jahren wird sie vom Musikverein Hesselbach bewirtschaftet.
Die Kapelle wird nur noch bis zu dreimal im Jahr – zur Kirchweih, bei einer Maiandacht und bei der Bittprozession- als Kirche genutzt. Gelegentlich finden hier Hochzeiten oder auch mal eine Taufe statt. Weil keine Sakristei vorhanden ist, müssen alle für den Gottesdienst notwendigen Dinge aus Hesselbach mitgebracht werden. Die Kapelle steht auf Kirchengrund und die Baulast hat die Katholische Kirchenstiftung Hesselbach allein, da seitens des Bistums Würzburg die Kapelle nicht kategorisiert wurde, berichtet Kirchenpfleger Thomas Pfister. 1992 wurden neue Fenster eingesetzt. Wenige Wochen vor Pfingsten wurden das noch von Hand zu bedienende Glockenseil erneuert, und schadhafte Dachziegel gesichert. „Es steht die Reparatur des Turmkreuzes und des Dachreiters an“, sagt Pfarrer Kai Söder, der auch auf die Risse in der bergseitigen Innenwand zeigt. Die Außenanlagen werden von Bewohnern des Weilers mit Unterstützung von Kirchenmitgliedern aus Hesselbach in Ordnung gehalten.
In den letzten Jahrzehnten steht bei Ausflügen in den Weiler Ottenhausen für die meisten Besucher die Einkehr bei gutem Essen und Geselligkeit im Mittelpunkt. Dennoch sollte nicht vergessen werden, dass die Toten auf der Tafel in der Kapelle die Nachwelt zum Frieden mahnen. „Sagen wir entschieden Nein zum Krieg und Ja zum Gebet für den Frieden“, so der Wunsch Kai Söders an die Gottesdienstteilnehmer am Kirchweihfest.