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Zeiler Nachrichten Amts- und Mitteilungsblatt der Stadt Zeil a Main
Ausgabe 12/2026
Allgemeines
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Geschichten, die wahr sein könnten

„Liesl“ - hatte da jemand ihren Namen gerufen – oder hatte sie geträumt. Verschlafen rieb sie sich die Augen und fand sich erst langsam zurecht. Sie lag im Bett in der bäuerlichen Pension in der sie sich am Vortag einquartiert hatte und sie war vom Ruf ihres Namens geweckt worden: „Liesl“. Oder hatte sie dies doch nur geträumt. Wer sollte sie in diesem kleinen Örtchen kennen in dem sie zum ersten Mal in ihrem Leben zu Gast war und vor allem, wer sollte sie in aller Frühe wecken wollen. Hatte sie einen heimlichen Verehrer der ihr gefolgt war oder hatte sich einer ihrer Arbeitskollegen einen Scherz erlaubt?

Im Frühstücksraum war auch kein bekanntes Gesicht zu sehen und so genoss sie beschwingt ihren ersten Urlaubstag und dachte nicht mehr an das frühe erwachen. Sie hatte eine Bergtour unternommen und als sie am Abend ins Quartier zurück kam war sie geschafft. Der steile Anstieg, die zum Teil pralle Sonne, das war sie nicht gewohnt und so war es kein Wunder, dass sie nach dem Abendessen bald die Bettruhe suchte – nicht einmal ihren Krimi wollte sie zu ende lesen.

„Liesl“ - da war es wieder! Schlaftrunken setzte sie sich im Bett auf, blickte auf den Wecker – sechs Uhr und - da noch einmal „Liesl“! Sie sprang aus dem Bett, raffte den Vorhang zur Seite und stieß die Fensterläden auf und - da sah sie den Rufer.

Es war der Bauer, der seine Kuh aus dem Stall über den Hof zur nahe gelegenen Weide führte – und diese Kuh hieß “Liesl“!

Helmut Trautner