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Zeiler Nachrichten Amts- und Mitteilungsblatt der Stadt Zeil a Main
Ausgabe 18/2026
Allgemeines
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Geschichten, die wahr sein könnten

Der Kasper war ein Original, das zur Stadt gehörte wie die Gänse und Enten am Bach und war bei allen Einwohnern sehr beliebt. Wenn man auch manchmal einen Schabernack mit ihm trieb – böse war es nie gemeint – mit einem Glas Bier war man mit ihm wieder gut Freund.

Wenn er ob seiner Behinderung auch keiner geregelten Arbeit nachgehen konnte – ein Faulenzer war der Kasper nicht. Sein Hobby war das Holz hacken und weil da immer ein paar Mark heraus sprangen, freute er sich über jeden Auftrag.

Einmal war er bei einem Malermeister zu Gange und nach getaner Arbeit saß er mit seinem Auftraggeber bei einem Bier zusammen. Dabei klagte er, dass er schon seit Wochen einen geschwollenen Fuß habe. „Doa links tuts so arg weha.“

Sein Gegenüber hatte Mitleid mit ihm und als er den Fuß begutachtet hatte, riet er ihm, unbedingt einen Arzt auf zu suchen. „Aber wasch fei den Fueß“, gab er ihm mit auf den Weg.

Der Kasper hatte tatsächlich weiterhin Beschwerden, so dass er nach einigen Tagen den Arzt aufsuchte – übrigens das erste Mal in seinem Leben.

Der Doktor erkannte den Patienten – schließlich hatte er schon einiges über den Kasper gehört – und bat ihn, seinen linken Fuß zu entblößen – also Schuh und die „Bawollena“ Socken runter.

Der tat wie ihm geheißen und der Arzt stellte tatsächlich einen Geschwulst am linken Fuß fest. Auf die Frage ob er sich irgendwann verletzt hätte oder er sich vorstellen könne woher der geschwollene Fuß kommen könnte, verneinte der Patient.

„Ja dann wolln wir uns mal den rechten Fuß anschauen, bitte Schuh und Socken ausziehen.“ forderte ihn der Doktor auf. „Des geht net.“ „Warum nicht? Den Fueß hab ich net gewaschen, der Sepp hat gsagt, den Fueß soll ich wasch“, und deutete auf seinen linken Fuß.

Helmut Trautner