Nach langen Jahren war sie wieder einmal in ihrem Heimatort. Als junge Frau war sie ausgewandert und obwohl sie oft das Heimweh schmerzte, schaffte sie es erst jetzt, da sie das Rentenalter erreicht hatte, wieder nach Hause zurück zu kehren.
Es hatte sich vieles verändert – es gab viel Neues und das Städtchen war weit über seine einstigen Grenzen hinaus gewachsen.
In der Altstadt aber fand sie noch vieles an das sie sich erinnern konnte. Freilich vermisste sie auch einiges und als sie durch die Gassen schlenderte, erinnerte sie sich vor allem an die Bänke, die einst vor jeden Haus standen und jeden Abend besetzt waren. Die Oma saß da und strickte die Socken und der Opa trank sein Bier und rauchte sein Pfeiffchen.
Ja, ja die Bänke – an eine erinnerte sie sich noch ganz genau.
An die Bank am Kaulberg! Dort saßen oft zwei junge Burschen und die Mutter hatte ihr erklärt, dass einer der Brüder an einem Gebrechen litt – er war taubstumm!
Das sah man den beiden wohl gewachsenen jungen Männern aber gar nicht an.
Halt – es war ja nur einer der von der Krankheit betroffen war – aber wer von den Beiden? Sie war schon als kleines Mädchen sehr neugierig, wusste aber nicht, wie sie an die Wahrheit heran kam.
Als eines Tages nur einer der Burschen auf der Bank saß, wollte sie es wissen. Im vorüber Gehen sagte sie laut und deutlich „Du dummer Esel“.
Ehe sie sich versah, hatte sie eine heftige Watschen abgekriegt.
Nun wusste sie sicher, wer nicht der Taubstumme war!