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Zeiler Nachrichten Amts- und Mitteilungsblatt der Stadt Zeil a Main
Ausgabe 24/2023
Aus unserer Stadt -USR-
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Volkstrauertag 2023

Bei strömenden Regen wurden auch in diesem Jahr der Gefallenen der Weltkriege und der Opfer der irrsinnigen Kriege in der Ukraine und Israel/Gaza am Volkstrauertag gedacht. Im nachfolgenden die Ansprache von Bgm. Thomas Stadelmann

Gedanken zum Volkstrauertag 2023

Die Zeit des Zweiten Weltkriegs und des Nationalsozialismus rückt mit dem Ableben der Kriegsgeneration und zunehmend auch der Kriegskindergeneration in immer weitere Ferne. In wenigen Jahren werden die letzten Zeitzeugen verstorben sein.

Die ungeheuerlichen Ausmaße und Folgen des Zweiten Weltkrieges sind einzigartig in der Geschichte: Über 60 Millionen Menschen, mehr als die Hälfte von ihnen Zivilisten, verloren ihr Leben durch kriegerische Handlungen, Völkermord in Lagern konzentrierten Grauens, Bombenangriffe, Flucht, Vertreibung und Verschleppung. Kaum eine Familie blieb von den Auswirkungen des Krieges verschont.

Anteilnahme am Leid anderer in Vergangenheit und Gegenwart ist zutiefst menschlich. In diesem Mitgefühl können wir unsere eigene Menschlichkeit erfahren. Sie ist der Quell für unser Bekenntnis zur Humanität und zum Frieden. Deshalb gebietet es sich Anteil zu nehmen, Mitgefühl zu zeigen und derer zu gedenken, die viel zu früh gewaltsam aus den Reihen der Lebenden gerissen wurden.

Der millionenfache Tod deckt das Schicksal des Einzelnen manchmal zu, aber irgendwo auf der Welt gibt es für fast jeden dieser Toten eine individuelle Erinnerung, eine Familie, der vielleicht ein letztes Foto oder ein Brief geblieben ist. Eine verblassende Erinnerung an jemanden, der einmal ein Mensch mitten im Leben gewesen war: ein Vater, ein Bruder, ein Ehemann, ein Kamerad, ein Nachbar, ein Kind oder ein Freund.

Vielleicht wird das so von vielen nicht mehr wahrgenommen, wir dürfen aber nicht aufhören, den Toten der Kriege und ihren Angehörigen Gehör zu verschaffen. Weltweit führen uns die 2,8 Millionen Toten auf den über 830 Kriegsgräberstätten vor Augen, was Kriege anrichten.

Der völkerrechtswidrige Angriff Russlands auf die Ukraine am 24. Februar 2022 dessen Ziel es ist, die Ukraine als souveränen Staat von der Landkarte zu tilgen und das alte Sowjetreich mit Gewalt wieder zusammenzuraffen, hat die europäische Friedensordnung schwer erschüttert.

In der Ukraine sind Zehntausende von Toten und Verwundeten zu beklagen – Frauen und Kinder, Alte und Schutzlose; Menschen, die ihre Heimat verteidigen und Menschen, die von einem Despoten in den Kampf geschickt werden. Leid und Tod auf beiden Seiten, zerstörte Städte und Landschaften, die größte Fluchtbewegung seit 1945.

Am 7. Oktober 2023 haben die terroristischen Gruppen Hamas und Islamischer Dschihad in einem barbarischen und menschenverachtenden

Angriff Israel überfallen. Sie haben hunderte Zivilisten ermordet oder schwer verletzt, Städte und Dörfer attackiert, Militärposten angegriffen und über 200 Menschen als Geiseln verschleppt und Frauen vergewaltigt. Diese heimtückischen, gegen Israel gerichteten Attacken, sind auf das Schärfste zu verurteilen.

Unsere Gedanken sind bei den Menschen in der Ukraine und in Israel. Ihnen gelten unser Mitgefühl und unsere Solidarität. Unsere Gedanken sind auch bei der palästinensischen Zivilbevölkerung im Gazastreifen, die dem von der Hamas entfachten Krieg schutzlos ausgeliefert ist.

Wir fragen uns: Hat man denn nicht aus der Vergangenheit gelernt? Muss all das Leid immer wieder von vorne beginnen?

Ein Ende des Krieges in der Ukraine und der Kämpfe in Israel und im Gazastreifen ist alles andere als absehbar. Frieden ist mehr als die bloße Abwesenheit von Krieg. Krieg und Frieden sind keine festen Aggregatszustände der Geschichte. Die Übergänge sind fließend, die Grauzone ist groß, auch wenn das Völkerrecht anderes nahelegt. Kriege warten nicht darauf, dass sie erklärt oder so genannt werden; und der Frieden ist nicht da, wenn er ausgerufen wird. Frieden ist in demokratischen Gesellschaften untrennbar mit Begriffen wie Freiheit, Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechten verbunden. Und Frieden wird es ohne Gerechtigkeit nicht geben. Jede Ungerechtigkeit, jede Landnahme trägt die Saat neuen Unfriedens in sich. Ein echter, ein ernster Friede ist einer der befriedet.

Vielleicht können – irgendwann – auch an den Gräbern dieser Kriege die ersten vorsichtigen Schritte auf dem Weg zu einer Verständigung gewagt werden. Die Botschaft, die uns all die Toten am heutigen Volkstrauertag mit auf den Weg geben, ist unmissverständlich!

Gemeinsam für den Frieden

Ich danke allen Beteiligten für die Mitwirkung: Frau Pfarrerin Winterstein, Pastoralreferentin Sandra Lohs, den Reservisten, dem Liederkranz, den Fahnenabordnungen, der Stadtkapelle, allen Anwesenden und allen, die die Gedenkfeier vorbereitet und mitgestaltet haben!

Thomas Stadelmann