Am 23.01. fand an der Grundschule Zeil ein Schachturnier im KO-System statt. 32 Kinder nahmen teil.
Mit jeder Runde wurde es ruhiger im Raum. Man hörte kaum noch Stühle rücken. Viele Kinder saßen regungslos vor dem Brett, die Hand oft lange über einer Figur schwebend, bevor sie sich zu einem Zug entschieden.
Im Halbfinale zwischen Jonas und Muqtadar war diese Spannung besonders deutlich. Nach einem ausgeglichenen Beginn kam es früh zum Damenabtausch. Die Stellung wirkte danach ruhig, doch der Druck war spürbar. Jonas erspielte sich kleine Vorteile und hatte zeitweise viel Raum, wirkte dabei jedoch selbst nervös und etwas überdreht. Mehrfach zeigte sich, wie schwer es ist, einen Vorteil geduldig auszuspielen, ohne vorschnell Figuren zu tauschen. Muqtadar blieb aufmerksam und suchte nach Gegenspiel, doch eine kleine Ungenauigkeit reichte am Ende aus, um die Partie zu entscheiden.
Im Spiel um Platz 3 zwischen Julian und Muqtadar zeigte sich eine andere Dynamik. Julian, Zweitklässler und große Überraschung des Turniers, geriet zunächst ins Hintertreffen. Muqtadar gewann Material, die Stellung blieb jedoch unübersichtlich. Julian spielte ruhig weiter, vermied überhastete Abtäusche und nutzte seine Chancen im richtigen Moment. Dass er sich am Ende durchsetzen konnte, war nicht nur ein Erfolg, sondern ein Zeichen für sein bereits erstaunliches Spielverständnis.
Das Finale zwischen Moritz und Jonas war von Vorsicht geprägt. Beide Spieler wussten, dass ein einziger Fehler das Spiel entscheiden konnte. Lange Zeit ging es um kleine Positionsfragen: Springer oder Läufer, Angriff oder Absicherung. Jeder Zug wurde mehrfach geprüft. Moritz blieb am Ende etwas ruhiger und verwertete seinen Vorteil konsequent.
Besonders eindrücklich waren die Reaktionen der Kinder nach den Partien. Nach Niederlagen flossen Tränen, manche Kinder mussten erst tief durchatmen, bevor sie das Brett verlassen konnten. Siege wurden gefeiert – manchmal leise, manchmal mit einem breiten Grinsen –, aber fast immer mit dem Bewusstsein, wie knapp alles gewesen war.
Schach vermag es wie kaum ein anderes Spiel zu Trauer bei Niederlage und zu Euphorie bei Sieg zu fühlen, denn es besitzt die Eigenschaft, dass es einen komplett intellektuell ans Geschehen mit reinzieht. Wenn man einen Fehler macht, dann ist es die eigene Schuld, und das trifft das Selbstgefühl härter als andere Spiele, wo zum Beispiel der Körper dann vielleicht in dem Moment nicht mitgemacht hat. Und Kinder, wenn sie damit konfrontiert werden, werden einer enormen Herausforderung gestellt, aber auch eine spezielle Möglichkeit zu wachsen, indem sie lernen, mit Niederlagen umzugehen und auch Siege nicht übertrieben zu feiern.
Die Vorfreude auf das nächste Turnier ist bereits jetzt groß.
Redaktioneller Beitrag: Steve Houlihan