Was hat Frau Holle mit dem Fernblickweg zu tun? Wir werden es erfahren.
Leider ist sehr schlechtes Wetter vorausgesagt. Für unsere überschaubare Gruppe ist der kleine Ramsauer-Bus genau richtig. Er bringt uns bis oberhalb der Kirchbrombacher Kirche. Hier beginnen wir mit unserer Wanderung auf dem Brombachtaler Fernblickweg. Wiesenwege führen hinab ins romantische Balsbachtal. Dann geht es stetig hinauf auf den Kirchberg. Auf angenehmen Waldwegen können wir uns an dem herrlichen frischen Frühlingsgrün erfreuen. Das Wiesental, durch das wir jetzt wandern, war noch vor einer Woche geschmückt mit Blütenwolken der vielen Obstbäume. Heute, am 21. April, sind bis auf wenige alte Apfelsorten alle Obstbäume bereits verblüht. Wir haben noch den Blick auf Birkert, aber weiter können wir schon nicht mehr sehen. Die ersten Schirme werden aufgespannt und wir freuen uns zunächst über die ersten Schneeflöckchen. Wir überqueren die Hohe Straße, und genau zur Mittagszeit gelangen wir an die Schutzhütte. Von hier aus hat man grandiose Ausblicke weit über den Odenwald, sogar die Frankfurter Hochhäuser kann man sehen, in der anderen Richtung blickt man bis zu den Pfälzer Bergen. Heute aber sehen wir – nichts, nur dicke graue Wolken!
Wir plündern unsere Rucksäcke. Zum Nachtisch wird Märchenzeit serviert: „Die Geschichte von der Frau Holle“, geschrieben von Luise Büchner (Frauenrechtlerin, Schwester von Georg Büchner). „Vor ganz undenklich langer Zeit …gab es eine Frau Holle, die wohnte nicht weit von uns auf der kalten, windigen Böllsteiner Höhe. Auf der höchsten Spitze…dem Böllstein hatte die gute Frau Holle ihren Sitz und konnte weit hinaussehen in das Land, bis an den Rhein, den Main und den Neckar.“
Schirme aufgespannt, weiter geht´s. Unzählige Ginsterbüsche begleiten nun unseren Weg und leuchten strahlendgelb, genauso wie in dem Märchen: „…wuchs noch ein kleiner Wald von Ginstern, so dass es im Frühjahr, wenn sie blühten, aussah, als sei der ganze Odenwald mit Gold bestreut. An diesen gelben Blüten naschten Millionen Bienchen den süßen Blumenstaub.“ Im Herbst „flogen die Bienchen hinunter in die Täler und brachten ihren Honigseim den Bäckern, die köstliche braune Lebkuchen davon machten.“
Der Wanderweg leitet an den Ortsrand von Böllstein und hinauf auf die Höhe. Wir verlassen den Wanderweg, ein schmaler Pfad führt durch ein Waldstück, und plötzlich stehen wir vor einem meterhohen Felsgebilde.
„…Die Frau Holle hatte auf dem Böllstein kein Haus…“. Von einer Menge Steine und Felsen erzählt das Märchen „…wie auch keiner den Pfad kannte, der zwischen den Felsen durch unter die Erde und gerade hinein in Frau Hollens goldnen Saal führte…“.
Die immer dichter werdenden Schneeflocken erfreuen uns nun nicht mehr. Über eine weite Ebene geht es Richtung Hembach. Wir sind in tiefe Nebelwolken gehüllt, dicke Schneeflocken peitschen an unsere Schirme, und wir kämpfen uns durch das miese Wetter. Ab Hembach geht es abwärts auf dem schönen Erlengrabenweg nach Langenbrombach. Der idyllisch plätschernde Bach, mal links, mal rechts des Weges, kann uns heute nicht begeistern, wir wollen ins Trockene! Nach knapp 11 km in 4 ½ Stunden erreichen wir die Gaststätte „Zum Löwen“. Wie schön ist es in der gemütlichen, warmen Gaststube, und das Essen ist vorzüglich!
Karin Hartmann bedankt sich bei den Wanderführern Heidrun und Günter Andres. Weitsicht gab es auf dem Fernblickweg heute leider nicht!