Besuch des Rotary-Hospiz-Geschäftsführers in der Oberzent-Schule: Was ist wirklich wichtig im Leben, wenn das Ende bevorsteht?
Für die Neunt- und Zehntklässler des Politik- und Wirtschaftsunterrichts an der Oberzent-Schule (OZS) war das keine gewöhnliche Schulstunde: Peter Volk, Geschäftsführer des Rotary-Hospizes in Erbach, war zu Gast und stellte die Einrichtung vor. Die Schüler zeigten sich sehr interessiert an dem sensiblen Thema, auch wenn es für sie erst einmal bedrückend war. Sie verstanden aber, warum es so wichtig ist, dass es einen solchen Ort gibt.
Volk erzählte den Jugendlichen von seiner Arbeit. Er erläuterte, wie Menschen damit umgehen, wenn sie die Nachricht bekommen, sterben zu müssen. Er gibt seinen Worten zufolge verschiedene Stufen des Realisierens. Zum einen die Verleugnung der Krankheit, zum anderen die Wut auf sich selbst, dann die Einholung mehrerer ärztlicher Meinungen, gefolgt von Depression und schließlich Akzeptanz.
Menschen verstehen seinen Worten zufolge oft erst dann, wie wichtig Freundschaften sind. Es tut ihnen gut, so der Hospiz-Chef, von Freunden, Familie oder Nachbarn besucht zu werden und sich gegebenenfalls mit diesen auszusprechen. An diesem Beispiel erklärte Volk, wie wichtig es ist, „Danke“ zu sagen und Freundschaften zu pflegen. Die meisten Patienten bereuten es, ihr Leben nicht genau so gelebt zu haben, wie sie es sich im Nachhinein gewünscht hätten.
Volk erzählte außerdem von der Musik- und Kunsttherapie im Hospiz. Er zeigte Bilder, die Patienten gemalt haben. Zu Beginn der Therapie waren das oft dunkle, traurige Farben. Später, mit zunehmender Akzeptanz, wurden die Motive farbenfroher. Seine Ausführungen brachten die Schüler dazu, sich mit dem Thema ausführlicher zu beschäftigen.
Tim Koch bezeichnete es als „Message des Tages“, sein Leben in den Griff zu bekommen und die schönen Augenblicke zu genießen. Ähnlich äußerte sich Tim Scior. Er will irgendwann mal ohne Reue auf sein Leben zurückblicken können. Sicher werde er Dinge finden, die er hätte besser machen können oder die er versäumte zu tun, „aber ich werde mich nicht darüber aufregen, sondern lächeln“.
Stationäre Hospize wie das Erbacher sind selbstständige Einrichtungen mit einem eigenständigen Versorgungsauftrag, die für Menschen mit unheilbaren Krankheiten in ihrer letzten Lebensphase eine palliativ-pflegerische und -medizinische Versorgung erbringen, erfuhren die Jugendlichen auch etwas Generelles. Sie sind kleine Einrichtungen mit familiärem Charakter. Das Rotary-Hospiz in Erbach hat acht Plätze.