Für die Erbauung zweier Schulabtritte im Schulhof zu Güttersbach wurden diese Bauskizzen 1864 angefertigt. Ausgeführt laut Rechnungsführung im Jahre 1865.
Kaiserproklamation am 18. Januar 1871 in Versailles. Wilhelm I. König von Preußen nahm die Kaiserwürde an. Von nun an wurde in den Schulen, neben dem Geburtstag des Großherzogs von Hessen, auch der des Deutschen Kaisers festlich begangen.
Titelseite der Güttersbacher Schulchronik, welche von 1875 bis 1969 geführt wurde.
Am 01. Mai 1875 unternahm die I. Abteilung einen größeren Spaziergang nach Reichelheim und der Ruine Rodenstein. Darstellung von 1849.
Am 05. September 1875 wurde der Obelisk für die Gefallenen des Kirchspiels, welche im Deutsch-Französischen Kriege starben, unter Mitwirkung der Schule eingeweiht.
Ludwig IV: Durch den Tod Ludwigs III. am 13. Juni 1877 wurde Ludwig IV. neuer Großherzog von Hessen und bei Rhein.
Von Robin Helm
Johann Friedrich Hofmann
*08. April 1825 Momart +05. Januar 1864 Güttersbach.
-Amtszeit in Güttersbach: vom 01. Oktober 1860 bis zum 05. Januar 1864 (im Amt verstorben).
-Hofmann war das achte Kind des Ackermanns Johann Adam Hofmann zu Momart.
Werdegang:
-Gebildet im Seminar zu Friedberg; Abgangsjahr Ostern 1849.
-1849 bis 1855 Schulverwalter in Kailbach (Hohberg).
-Definitorialprüfung im Herbst 1853 bestanden. Note „hinreichend“.
-1855 bis 1857 Schulverwalter zu Ober-Beerbach.
-1858 Provisor als Mädchenlehrer sowie zweiter Lehrer in Dietzenbach.
-1858 bis 1860 Lehrer in Hergershausen.
-1860 bis 1861 Schulverwalter, ab 30. April 1861 Lehrer in Güttersbach.
-Eheschließung 1857 mit Anna Katharina Heldmann (*1833 +?), 1 Kind.
Vorkommnisse:
-Hofmann tauschte mit seinem Vorgänger Helfrich die Schulstellen (Güttersbach – Hergershausen). Er wurde zunächst nur als Schulverwalter in den Dienst eingestellt. Nach einem halben Jahr auf Präsentation am 30. April 1861 zum definitiven Lehrer zu Güttersbach ernannt.
-Dezember 1860: Backofen im Schulhaus defekt. Reparatur wurde für 22 Gulden durchgeführt.
-April 1861: „Was seinen Aufenthalt in Güttersbach betrifft, so ist in bürgerlicher und politischer Beziehung nicht nachtheiliges von ihm zu sagen. Seine Dienste, der außer dem Schulunterricht auch dem eines Organisten umfasst, hat er bisher mit Treue vorgestanden. Seine Fähigkeit zum Religionsunterricht dürfen im Ganzen als Genügend bezeichnet werden, es fehlt aber Mangel an Lebendigkeit […]. Vicar Hofmann ist eine stille, schüchterne Natur. Lehrgabe besitzt er, wenn auch keine hervorragende, in der Behandlungsweise der Kinder ist bis jetzt nichts verwerfliches hervorgetreten.“
-1862 fand der Gottesdienst im Schulhaus statt, da erneut eine Kirchenrenovierung stattfand.
-Die Ernte 1862 war durch Gottes Gnade ziemlich gut.
-In den Jahren 1862/1863 wurde der Friedhof erweitert.
-1862 Anfertigung einer Einlassung im Schulhof und Anbringung eines Pfuhl-Behälters. Schieferdecker Nikolaus Platt zu Erbach repariert das Schulhausdach – (Schieferdach) - für 3,80 Gulden.
-Hofmann hatte Geldprobleme und bat die Gemeinde mehrmals um finanzielle Unterstützung. Im Juni 1861 wurde ein Gesuch des Lehrers noch abgelehnt. 1862 wurden ihm dann 15 Gulden bewilligt und im Mai 1863 20 Gulden sowie im Oktober 1863 nochmals 15 Gulden zugesagt.
- Im März 1862 hieß es über Hofmann: „[…] obwohl Lehrer Hofmann nicht zu den gerade begabteren Lehrern unseres Schulbezirks gehört, so hat es uns doch gefreut bei der am 06. März 1862 von uns abgehaltenen Schulprüfung seine Schule in einem recht guten Zustande gefunden zu haben, so daß wir ihm für den bewiesenen Fleiß und Eifer unsre Anerkennung aussprechen konnten.“
-Der Gesundheitszustand Hofmanns wies bereits im März 1862 bedenkliche Gebrechen auf, sodass „nach ärztlicher Aussage eine kräftigere Lebensweise dringend Not“ tun würde. Überdies war seine Frau von kränklicher Natur.
-1863 Wandbilderatlas über Naturgeschichte angeschafft für 15,30 Gulden und 21 Lautier- und Lesetafeln für 4,24 Gulden. Neuer Ofen mit Rohr für 25,18 Gulden.
-Am 05. Januar 1864 nachts um zwei Uhr starb Lehrer Hofmann im Alter von 38 Jahren an einem Gehirnleiden (Geschwür im Gehirn), an welchem er lange leidend war. Er wurde auf dem Güttersbacher Friedhof beigesetzt.
Philipp Lotz
*08. Dezember 1839 Glauberg +19. Mai 1915 Friedberg-Fauerbach.
-Amtszeit in Güttersbach: 28. Januar 1864 bis 24. März 1874.
-Sechster Sohn des Kirchenrechners Johann Konrad Lotz.
Werdegang:
-Gebildet im Seminar zu Friedberg; Abgangsjahr Ostern 1859.
-1859 bis 1864 zweite Schulstelle als Schulverwalter in Weiten-Gesäß.
-September 1863: Definitorialprüfung mit Note „zwischen gut und hinreichend“.
-1864 bis 1865 Schulverwalter, ab 08. Mai 1865 definitiver Lehrer in Güttersbach.
-1874 bis 1905 Lehrer an der Gemeindeschule zu Heegheim, Kreis Büdingen.
-Am 06. Dezember 1905 Ruhestandsversetzung auf Nachsuchen unter Anerkennung langjähriger Dienste und Verleihung des Silbernen Kreuzes des Verdienstordens Philipps des Großmütigen anlässlich seiner Ruhestandsversetzung.
-Eheschließung 1865 mit Katharina Altvatter (*1844 +1893), mind. 3 Kinder in Güttersbach geboren / davon 2 verstorben.
Vorkommnisse:
-1864 verdiente der Lehrer 290 Gulden im Jahr. Später 350 Gulden. 1873: 450 Gulden
-April 1864: Lageplan und Kostenvoranschlag über den Anbau zweier Schulabtritte an die äußere Schulhauswand (Schulhof) vorhanden. Ludwig Keil räumt für 1,50 Gulden den Schutt des eingestürzten Backofens weg. Maurer Jakob Krämer aus Hüttenthal fertig einen neuen Ofen.
-April 1864: In den Schulvorstand wurde der Müller Georg Ludwig Heilmann und der Bauer Wilhelm Hörr gewählt.
-1865: Wandkarte von Palästina für 4,48 Gulden erworben sowie zwei Exemplare der Schrift über die Behandlung Verunglückter.
-21. März 1865: Tod der Schülerin Katharina Elisabetha Heilmann (*1852).
-Am 06. August 1865 Tod des Bürgermeister Georg Peter Meckes (Nachfolger Ludwig Beisel).
-Am 03. Oktober 1865 starb nachts um 1 Uhr der Sohn des Lehrers, Wilhelm Lotz, an innerlichen Krämpfen (10 Tage alt).
-1866: Einquartierungen durchziehender Truppenteile während des Deutsch-Deutschen Krieges zwischen Preußen und Österreich.
-1866 wanderten zwölf Personen nach Amerika aus.
-1866: Anschaffung von einem Exemplar Wangermanns biblischer Geschichte.
-1868 wurde ein neuer russischer Kamin von Martin Groß am Schulhaus erbaut. Außerdem war der Küchenschornstein defekt und wurde wieder hergerichtet. Dem Schreiner Ludwig Schwöbel für Fertigung eines Hühnerstalls (6 Gulden) und Reparatur des Fußbodens/Sockels (4,32 Gulden).
-Am 08. Juli 1868 wurde die Tochter Justina Lotz geboren.
-1870 zählte die Schule 63 Kinder (29 Knaben/34 Mädchen).
-1870/71 Deutsch-Französischer-Krieg. 55 Männer, darunter 11 Verheiratete aus dem Kirchspiel, wurden zum Kriegsdienst eingezogen.
-Am 18. Januar 1871 wurde das deutsche Kaiserreich in Versailles proklamiert.
-Am 30. März 1871 wurde die Tochter Dorothea Elisabetha geboren (starb am 10. September 1871).
-18. Juni 1871: Friedens und Dankesfest in der Kirche begangen. Im August Wegzug des ungeliebten Güttersbacher Pfarrers Friedrich Meyer.
-1872 hatte die Schule 56 Kinder (25 Knaben/31 Mädchen); 1873: 60 Kinder (28 Knaben/32 Mädchen); 1874: 57 Kinder (29 Knaben/28 Mädchen).
-23. Oktober 1872: Es sind mehrere Versetzungsgesuche von Lotz überliefert. In den Berichten wird er stets für sein Wirken hochgelobt. Aus einem Bericht geht hervor: „Lotz ist ein bescheidener, ruhiger und einfacher, dabei sehr anständiger Mann, ein durchaus treuer und ehrenwerther Charakter. Sein Betragen und politisches Verhalten sowie seine politische Gesinnung waren immer der Art, daß seine Vorgesetzten ihre volle Zufriedenheit aussprechen mußten und wirkliches Vertrauen ihn setzen konnten. Die ihm obliegenden Dienstgeschäfte besorgt er obwohl vielfach schon durch Kreuz und Trübsal heimgesucht mit echter Freudigkeit mit Treue und Eifer. Ganz besondere Fähigkeiten aber hat Lotz als Religionslehrer, zumal im biblischen Geschichtsunterricht und merkt man hier so recht, daß er nicht bloß Erlerntes einfach wieder lehrt, sondern daß er selbsterlebtes und erfahrenes auf Grund der ewigen Gottes Wahrheit mit heiligem Ernst und treuer Liebe wies. Die Religionsstunde ist offenbar seine liebste und demgemäß sind dann auch seine Leistungen als Religionslehrer eine besondere Ruhe und bei aller Strenge doch liebevolle Behandlung seiner Schüler zeichnet ihn aus und seine Lehrgabe, besonders auch als Elementarlehrer, ist eine nicht gewöhnliche. Die Orgel spielt er sehr gut und ist ein Meister in der Leitung des Kirchengesangs.
Das Resultat der durchgeführten Schulprüfung durch die Kreis-Schulkommission „war ein vollkommen zufriedenstellendes. Sein zurückgezogenes Leben wozu ihn auch, wenn es nicht schon in seinem Charakter begründet läge, die Krankheit seiner Frau nöthigt. Die Krankheit seiner Frau die nach Aussagen der Ärzte hauptsächlich in der feuchten und kalten Wohnung ihre Gründe hat, macht seine Versetzung wirklich dringend nothwendig.“ Die Ärzte empfahlen der Frau des Lehrers milderes Klima, anstatt weiterhin im kalten Schulhaus zu Güttersbach zu wohnen.
-Lotz wird als einer „der tüchtigsten, gewissenhaftesten und in seinem ganzen Verhalten achtungswerthesten Lehrer unseres Kreises“ bezeichnet. Den vielen Versetzungsgesuchen wurde jedoch bis 1874 nicht entsprochen.
-1873: Anschaffung einer Sittentabelle, „Deutschlands Kampf und Sieg“ u.a.
-1873 Betreffend der Unterhaltung des Schulhauses: Vorschlag des Gemeindevorstandes von Güttersbach, dass die Kirche eine Abfindungszahlung leiste und dafür von den zukünftigen Kosten der Schulhausunterhaltung befreit werde. Damit hätte man sich die bisherigen Umstände erspart wie z.B. die doppelte Rechnungsstellung der Kirche und Gemeinde. Der Vorschlag setzte sich nicht durch!
-1874 wurde vom Buchbinder Reuling zu Beerfelden eine Sittentabelle und Karte von Deutschland angeschafft.
-Nach 10-jähriger Dienstzeit verließ Philipp Lotz die Güttersbacher Schule, nachdem einem Versetzungsgesuch nach Heegheim entsprochen wurde. Mit ihm verlor der Ort einen diensteifrigen Lehrer, der die Schule über viele Jahre hinweg auf einem guten Standpunkt gehalten hatte.
(Vertretungslehrer)
Georg Ludwig Chelius
*08. September 1845 Günterfürst +27. Januar 1901 Ober-Sensbach.
-Vertretungszeit in Güttersbach: vom 25. März 1874 bis zum 15. Oktober 1874.
-Seminar Friedberg, Abgangsjahr 1865.
-1865 bis 1876 Schulverwalter in Etzean.
-1876 bis 1881 zuerst Schulverwalter, von 1881 bis 1900 Lehrer in Ober-Sensbach.
-Eheschließung 1879 mit Maria Katharina Siefert (*1855 +1943), mind. 4 Kinder.
-Chelius musste von Etzean aus einen ca. ein stündigen „gebirgigen Weg“ zurücklegen, um in Güttersbach Unterricht halten zu können. Aufgrund dieser Umstände und der langen halbjährigen Vertretungsphase wurde die Schule im Vergleich zum vorherigen Zustand unter Lehrer Lotz spürbar vernachlässigt.
-1874: 57 Schulinder (29 Knaben und 28 Mädchen).
Georg Heinrich Keil
*04. Dezember 1848 Ettingshausen +29. Januar 1933 Lampertheim.
-Amtszeit in Güttersbach: vom 15. Oktober 1874 bis zum 06. Juni 1876.
-Keil war der Sohn des Ackermanns Johannes Keil.
Werdegang:
-Gebildet zu Lichtenstern im Königreich Württemberg. Von dort entlassen Ostern 1871.
-1871 bis 1872 Schulverwalter zu Inheiden, Kreis Gießen.
-1872 bis 1874 Verwalter in der Anstaltsschule Lichtenstern (Kgr. Württemberg).
-Staatsprüfung im Oktober 1874: Note „gut“.
-1874 bis 1876 Schulverwalter zu Güttersbach.
-1876 Dritter Lehrer an der Gemeindeschule zu Beerfelden.
-1882 Fünfter Lehrer zu Beerfelden.
-Lehrer und Hausvater an der Rettungsanstalt zu Hähnlein, Kreis Bensheim.
-1905 Lehrer an der evangelischen Schule zu Lampertheim, Kreis Bensheim.
-Am 25. November 1910 Verleihung des Silbernen Kreuzes des Verdienstordens „Philipps des Großmütigen mit der Krone“.
-Am 04. August 1915 Verleihung des Ritterkreuzes II. Klasse des Verdienstordens „Philipps des Großmütigen“ anlässlich seiner Ruhestandsversetzung.
-1. Eheschließung 1878 mit Luise Schäfer (*1853 +1879), mind. 1 Kind.
-2. Eheschließung 1881 mit Maria Katharina Schäfer (*1855 +1927), mind. 1 Kind.
Vorkommnisse:
-Am 01. Mai 1875 wurde die Schulchronik aufgrund eines Erlasses der Kreis-Schulkommission angelegt. Der erste Eintrag handelt vom Spaziergang zur Schlossruine Rodenstein: „Trotz der Hitze dieses Tages und des bedeutenden Weges, der zu Fuß hie und her zurückgelegt wurde, waren die Kinder doch munter und vergnügt. Sie hatten ein lebhaftes Bild einer alten Schloßruine bekommen“ Es wurde auf dem Rückweg im Weiler Eberbach in einem großen Saal eine Rast eingelegt. Die Kinder aßen ihre mitgebrachten Vorräte und bekamen „ein vorzügliches Glas Apfelwein“ zu trinken. Der Gesang kam auch nicht zu kurz. „Noch lange danach freuten sich die Kinder dieses Spazierganges.“
-Ab dem Schuljahr 1875/1876 kam es zahlreichen schulischen Änderungen:
1. Über den Sommer wurde nun auch Schule gehalten (zuvor nur Halbtagsschulen den Sommer über).
2. Einteilung der einklassigen Volksschulen geändert (d.h. wo alle Kinder vom 6. bis 14. Lebensjahr von einem Lehrer unterrichtet werden): Ab jetzt Einteilung in: I. Abteilung 10. bis 14. Lebensjahr, II. Abteilung 7. bis 10. Lebensjahr, III. Abteilung 6. bis 7. Lebensjahr.
3. 30 Unterrichtsstunden die Woche.
4. Fortbildungsschulen (Winterabendschulen) für Knaben nach der Konfirmation eingeführt.
-Schulvorstand 1875: Aus Pfarrer, Lehrer, Bürgermeister Beisel, Beigeordnete Wilhelm Hörr III., Müller Georg Ludwig Heilmann und Adam Helm II.
-Lehrer Keil verdient 600 Mark im Jahr.
-Am 24. August 1875 fand eine ordentliche Prüfung durch die Kreisschulkommission statt. Keil „[…] ist bisher seinen dienstlichen Obliegenheiten aufs treueste und gewissenhafteste nachgegangen, und hat die sehr vernachlässigte Schule durch seinen Eifer und Fleiß in der kurzen Zeit seiner amtlichen Wirksamkeit auf einen erfreulichen Stand erhoben.“ In der Gemeinde ist er nach jeder Beziehung hin geachtet. Er habe ausreichende Kenntnisse und eine geschickte Lehrgabe. „Betragen ist ganz tadellos.“ Außerdem behandle er die Kinder freundlich und angemessen. „In religiöser Beziehung ist er sehr positiv, in politischer Hinsicht streng-conservative Richtung.“
-September 1875: Erste namentlich bekannte Industrielehrerin für den Handarbeitsunterricht war die aus Güttersbach stammende Anna Margaretha Stein (*1849 + 1920).
-Ebenfalls im September 1875 fand ein Spaziergang in die Marbach zum sog. Jägerhaus statt. Es wurde den Helden des Krieges 1870/71 gedacht. Gesang von Vaterlandsliedern und Spielen rundeten den vaterländischen Gedenktag ab.
-Am 05. September 1875 wurde das Kriegerdenkmal (Obelisk) vor der Güttersbacher Kirche eingeweiht. „Zur Verherrlichung dieses Festes trug auch die liebe Schuljugend ein gut Theil bei.“
-Im Mai 1876 fanden Zimmereiarbeiten durch Ludwig Schubert von Beerfelden am Schulhaus statt. Fertigung eines Abtritts in der Schulhofraithe und Maurerarbeiten durch Adam Krämer III. von Ober-Hiltersklingen am Abtritt im Schulhof.
-Keil wurde nicht zum definitiven Lehrer von Güttersbach ernannt, sondern fungierte die Zeit über als Schulverwalter.
Christian Ernst Selzer
*06. Dezember 1835 Pfeddersheim +20. Oktober 1877 Güttersbach.
-Amtszeit in Güttersbach: vom 06. Juni 1876 bis zum 20. Oktober 1877 (im Amt verstorben)
-Sohn des Lehrers Friedrich Selzer.
Werdegang:
-Seminar Friedberg Abgangsjahr 1856.
-1858 bis 1859 in Grolsheim, Kreis Bingen.
-1859 bis 1860 in Gammelsbach.
-1860 bis 1865 in Hebstahl.
-1865 bis 1876 zuerst Schulverwalter in Kailbach, ab dem 07. Dezember 1868 dann definitiver Lehrer.
-Herbst 1867 die Definitorialprüfung bestanden mit der Note: „hinreichend bis nothdürftig“.
-1876 zum Lehrer an der Gemeindeschule zu Güttersbach berufen.
-Eheschließung mit Eva Christine geb. Hanau (bis mind. Mai 1881 in Güttersbach als Industrielehrerin tätig), mind. 5 Kinder (1 Kind in Güttersbach geboren).
Vorkommnisse:
-Ein Beurteilungsschreiben über Lehrer Selzer, welches kurz vor seinem Dienstantritt in Güttersbach vom Dezember 1875 stammt, gibt Aufschluss über seine Person: „Das dienstliche und außerdienstliche Verhalten des Bewerbers hat, wenn es auch in jüngster Zeit in dieser Beziehung etwas besser geworden zu sein scheint, dennoch zu manchen Ausstellungen Veranlassung gegeben, und kann nicht tadellos genannt werden. Seine Leistungen in der Schule waren, wenn auch nicht gerade schlecht, so doch mangelhaft, was namentlich in einer nicht ganz gewissenhaften Benutzung der Unterrichtszeit seine Gründe haben mag. In seinem außerdienstlichen Verhalten hat er namentlich in früheren Jahren durch seine Neigung zum Trunck, öfter Veranlassung zu klagen gegeben, seine häuslichen Verhältnisse sind in Folge seines Trinkens ganz zerrüttet. Jedoch hat es den Anschein, als ob er in neuerer Zeit einen Schritt zum Besseren thun und anfange, solider zu werden. Von seinen persönlichen Eigenschaften dürfte seine Gutmüthigkeit und Dienstfertigkeit rühmend anerkannt werden. Selzer leistet in den letzten Jahren in seiner Schule etwas mehr als früher und scheint größere Tüchtigkeit in seinem Berufe zu entrichten, […] und er scheint sich jetzt, da er das 40. Lebensjahr überschritten hat, ernstlich damit zu behelfen, sich aus seinen ungünstigen Verhältnissen heraus zu arbeiten.“
-1876 Schindlerarbeit an der Schulholzstelle, Schreiner Johann Konrad von Ober-Hiltersklingen für Arbeit eines neuen Abtritts in dem Schulgebäude.
-Am 15. Juli 1876 wurde in einem Schreiben vom Großherzoglichen Kreisamt Erbach die Herrichtung eines Turnplatzes und die Anschaffung von Turngerätschaften für die Kinder angemahnt.
-Am Sedantag im September 1876 fand ein Spaziergang nach Beerfelden statt.
-Ende 1876 wurde durch den Schreiner Johannes Konrad aus Ober-Hiltersklingen ein neuer Abtritt im Schulgebäude gebaut und eine Schautafel von Hessen besorgt.
-Ebenfalls gegen Ende 1876 bzw. zum 01.01.1877 wurde die Ehefrau des Lehrers Selzer neue Industrielehrerin und löste Anna Margaretha Stein ab.
-Schreiben an das Großherzogliche Ortsgericht Güttersbach vom 16. Januar 1877 gegen Lehrer Selzer überliefert. Er schuldete 24 Gulden und 13 Kreuzer dem David Kumpf aus Beerfelden. Es sollen ein „kirschbaumenen Kleiderschrank, einen Tisch und 4 Stühle“ gepfändet werden.
-1877 wurde eine Schautafel der Nachbildung eines Coloradokäfers (Kartoffelkäfer) sowie zwei neue Schulbänke (Subsellien) angeschafft.
-Deckerarbeiten an der Schulscheuer, ausweißen des Schulsaals.
-Am 31. Januar 1877 wurde Lehrer Selzer vom Güttersbacher Schulvorstand wie folgt bewertet: „Rubricat hält den Unterricht pünktlich und regelmäßig und zeigt überhaupt einen recht löblichen Diensteifer.“
-Lehrer Selzer war schon längere Zeit kränklich. Ein Arztbericht vom 05. Februar 1877 diagnostiziert einen „hartnäckigen, chronischen Luftröhren und Lungenkatarrh [Bronchitis] mit beginnender Tuberculosis pulmonum. Da nun das anstrengende Sprechen zur Verschlimmerung seines Zustandes weiter beiträgt, so wäre es für denselben durchaus nöthig wenn er einige Wochen lang vom Unterricht befreit würde.“
-Mitte März 1877 hatte sich Selzers Zustand derart verschlimmert, dass er nicht mehr im Stande war den Schulunterricht zu halten. Die Lehrer von Hüttenthal, Olfen und Hiltersklingen vertraten ihn.
-Am 21. April 1877 wurde die Tochter des Lehrers Selzer, Maria Margaretha, geboren.
-Am 09. Mai 1877 ist ein Schreiben Selzers überliefert. Er beklagte den schlechten Zustand der Schulscheuer. „Scheuer, Stall, Stallfenster und Schweinestall müßen unbedingt brauchbar hergestellt werden.“ Die Wandsteine der Gartenmauer samt dem alten Zaun drohe in die Wiese des Bauern Hörr (heute Christmann) zu stürzen. Selzer habe die Mauer schon provisorisch abgestützt. Wohnräume im Schulhaus seien in Ordnung.
-28. September 1877: Kurz vor seinem Tod schrieb Lehrer Selzer ein weiteres Schreiben an das Kreisamt Erbach. Bereits als er hierher kam habe Selzer mündlich auf verschiedene nötige Reparaturen aufmerksam gemacht, die der Bürgermeister Beisel aber in Zweifel zog. Mängel laut Selzer: „So leidet das Haus auch dadurch, daß z.B. der mittlere Teil des unteren Speichers nicht gebordet ist. Ferner ist für 70 Kinder ein Abort besonders in sittlicher Beziehung zu wenig. Zudem hat man denselben in mein Hausgärtchen gestellt, obgleich in dem Ökonomiegebäuden früher zwei Abtritte vorhanden und dieselben nur herzurichten gewesen wären. Dann geht aus der Arras´ schen Wirthschaft [Gasthaus „Zum goldenen Löwen“] ein Gang in den Schulhof, der ohne Thüre ist. Der Gang scheint nur da zu sein, damit der Schulhof der Wirthsgästen als Abort diene, was in sittlicher und sanitärer Hinsicht zu verwerfen ist. Ich habe Futter und Stroh in der Scheuer sitzen. Beides müßte ich schon versetzen, damit es mir in der Scheune nicht vollständig verdirbt, durch das einschlagende Regenwetter. Ebenso stehen auch meine Ziegen im Stalle, fast schutzlos gegen Wind und Wetter.“
-Am 20. Oktober 1877 starb der 41-jährige Lehrer Selzer an seinem schweren Lungenleiden in Güttersbach.
Teil IV. in der nächsten Ausgabe.