Die Güttersbacher Schule Ende der 1950-er Jahre. Gut zu erkennen sind die langen Schläuche der Feuerwehr Güttersbach, die an der Hauswand des Schulgebäudes zum Trocknen aufgehangen wurden. Außerdem sind die Nebengebäude, die zum Schulanwesen gehörten zu sehen. Ein am Schulhaus angebauter kleiner Abritt sowie die Schulscheuer samt einer weiteren Abortanlage (rechts im Bild).
Lehrer Schüppel am Eingang des Güttersbacher Schulhauses.
Die Schulkinder mit den fünf neu eingeschulten Schülern (vorne) 1963.
Die „Girreschbocher Kinnertrachtengruppe“ tanzt und musiziert vor der Quellkirche. Lehrer Schüppel (links) dirigiert die Kinderschar. Im Hintergrund rechts ragt das Schulhaus hervor.
Bau des Lehrerhauses1963.
Blick auf das Schulanwesen um 1965. Der Lehreranbau wurde 1963/1964 errichtet. Eine neue Umfassungsmauer aus Beton grenzte das Schulgrundstück fortan ab. Die Schulscheuer und Abtritte im Außenbereich sind nicht mehr vorhanden.
Lehrer Schüppel und die Dorfjugend um 1965.
Blick auf das Schulanwesen ca. 1970. Die Bürgermeisterei Güttersbach (Schild am Eingang) wurde noch kurzzeitig bis zum Sommer 1972 im Schulgebäude untergebracht.
Von Robin Helm
Horst Emil Merten Schüppel
*06. Mai 1923 Plauen/Vogtland +21. August 1987 Friedrichsdorf.
-Amtszeit in Güttersbach: vom 01. April 1957 bis zum 28. August 1968.
Werdegang:
-Besuch der Volksschule in Leipzig.
-1933 nach Döbeln-Sachsen die Oberrealschule/Oberschule bis zum Abitur besucht.
-Anschließend Studium an der Forstakademie in Tharandt (Technische Hochschule Dresden, um später das Lehrfach an Forstschulen anzustreben).
-1941 wurde Schüppel zur Wehrmacht eingezogen und an den Fronten des Zweiten Weltkriegs eingesetzt (Großteil Europas gekämpft).
-1945 geriet Schüppel in sowjetische Gefangenschaft. Kampfbunker der Befehlsstelle der Kampfgruppe Z (Zentrum-Berlin).
-Nach der Entlassung aus dem Kriegsgefangenlager zurück nach Deutschland und wurde nach einem Kurzlehrgang Neulehrer in der sowjetisch besetzten Zone Deutschlands.
-Schüppel kritisierte die menschenwidrigen Methoden des dortigen Systems. Er wurde Jugendreferent des Landes Sachsen innerhalb der marxistischen Jugendgruppen (gegen Oder-Neiße Grenze, für Vereinigung Europas als einziger Ausweg aus dem Dilemma des europäisch zerrissenen Menschen). Es kam zu einem heftigen Wortwechsel zwischen Schüppel und dem sowjetischen Kontrolloffizier Tulpanow. Folge: Redeverbot und die Jugendgruppe wurde verboten.
-Schüppel hatte von nun an Probleme mit „deutschen Sowjethörigen“ (Partei und Staat). Schüppel gehörte auch Jugend und Kulturausschuss des Landtages an.
-Plötzlich wurde Schüppel verhaftet und von den Sowjets in verschiedene deutsche Zuchthäuser eingesperrt (russische Bewachung; Dresden/Potsdam). In Potsdam nach vielen Monaten Einzelhaft (Sommer 1949) von sowjetischen Tribunal wegen mehrerer „Verbrechen“ zum Tode verurteilt und zu 4 mal 25 Jahren Zwangsarbeit verurteilt.
-Zuerst in das berüchtigte Konzentrationslager Bautzen verbracht und dann in die Sowjetzone verschleppt (noch zuvor in Halle und Berlin-Lichtenberg in Konzentrationslagern). Über Brest, Orscha und Moskau verbrachte man Schüppel in das Polarlagergebiet von Workuta (eisige Tundra). Hier wurde Schüppel zum Leben begnadigt, zu 125 Jahren Zwangsarbeit!
-Schüppel musste in Kohleschächten unter schwierigsten Bedingungen arbeiten.
-Im September 1955 wurden die Deutschen im Lager nach Fürsprache von Bundeskanzler Adenauer im Oktober 1955 entlassen. Schüppel kam ins Lager Friedland bei Göttingen.
-Nach einem Kuraufenthalt (Wiederherstellung der Gesundheit) begann Schüppel ein Studium in Weilburg/Lahn am Pädagogischen Institut, um die Lehrtätigkeit wieder aufzunehmen.
-Im März 1957 legte er die zweite 1. Lehrerprüfung ab und wurde mit der Schulstelle in Güttersbach betraut (1. Schulstelle).
-Eheschließung 1957 in Güttersbach.
-1968 Wegzug nach Friedrichsdorf im Taunus. Schüppel nahm eine Stelle als Pädagogischer Leiter der Hessischen-Landvolk-Hochschule an.
-1973 wurde Schüppel Professor für Ästhetik und Kommunikation in Frankfurt am Main.
-Kurz vor seinem Tod erhielt er das Bundesverdienstkreuz am Bande.
Vorkommnisse:
-April 1957: Lehrer Schüppel wies auf mehrere Missstände am Schulgebäude hin und forderte baldmöglichste Abstellung: 1. Ausbesserung des Treppenhauses (besonders der Treppenstufen), 2. Einrichtung von Toiletten im Keller des Schulhauses (jetzige Anlage entspreche nicht mehr gegenwärtigen hygienischen Anforderungen), 3. Durchbruch des Schulraumes zur Kammer zur Einrichtung eines Gruppenraumes, 4. Beschaffung eines Ofens für den Schulraum (bisheriger genüge Ansprüchen nicht mehr).
-Das Dach wurde endlich neu gedeckt. Ostern 1957 hat „unser Schulhaus eine neue Krone.“
-Mai 1957: 25 Kinder
-Pfingsten 1957 Pfarrer Simon verließ endgültig die Gemeinde. Pfarrer Schulze folgte.
-Die Kirche war durch die besondere Initiative Pfarrer Simons zum Schmuckstück des Odenwaldes geworden. Nun bemühten sich alle um ein neues Kirchenfenster im gotischen Stil. Die Kinder beteiligen sich. Kriegerdenkmal des Ersten Weltkriegs wurde wieder durch die Schule hergerichtet.
-Juni 1957: Fremdenverkehr nahm durch die neue Straße und das Schwimmbad stetig zu. Die Stadtmenschen trieb es in die Natur. In den Sommermonaten beherbergte Güttersbach rund 150 bis 200 Erholungssuchende. Die Schulkinder markierten die Wanderwege neu und Lehrer Schüppel malte Orientierungstafeln.
-Juli 1957: Klassenkasse war bei Übernahme bei 0 DM. Dringende Aufgabe diese wieder aufzufüllen für Anschaffungen, z.B. Vorhänge im Schulsaal. Aus diesem Grund sammelten die Kinder an zwei Tagen Heidelbeeren, die dieses Jahr recht rar wuchsen. Heidelbeeren wurden auch an Kurgäste verkauft (auch Spenden erhalten).
-Aufgrund einer „tropischen Hitzewelle“ waren Lehrer und Schüler gezwungen sich im Schwimmbad aufzuhalten, wo Schwimmlehrgänge abgehalten wurden.
-Am 24. August 1957 heiratete Schüppel in Güttersbach Christine Irmer. Die Kinder waren Hochzeitsgäste.
-Weihnachten 1957: Kleine interne Weihnachtsfeier. Die große Feier mit Gesangverein fand dann im Saal des Goldenen Löwens (Laienspiel vorgetragen) statt.
-Schuljahr 1958/1959: 29 Kinder.
-07. Mai 1958: Sohn Schüppels geboren.
-Juni 1958: gemeinsame Fahrt der Schulen des Kreises Erbach. Mit Sonderzug nach Eberbach am Neckar gefahren und mit dem Schiff nach Heidelberg sowie mit dem Zug wieder zurück (gutes Wetter).
-August 1958: Wanderfahrt mit dem Rad nach Wimpfen (Mädchen der Oberstufe fuhren nicht mit). Bei Regen wurde gestartet. Bei gutem Wetter in Mosbach angekommen. Dort übernachtete die Gruppe und besichtigte am nächsten Tag drei Burgen. Danach Wimpfen besichtigt. Dann Abstecher nach Bad Rappenau und Benediktiner-Abtei, wo abends eine Vesper stattfand. Heimfahrt über Neckartal, Eberbach, Kailbach, Schöllenbach, Hetzbach nach Güttersbach.
-Am Schulhaus wurde die abgetretene Treppe erneuert und während des Sommers fanden wieder Schwimmlehrgänge statt.
-12. September 1958 Elternabend: Diskussionspunkt des Lehrers „Was erwarten Sie von der Erziehung ihres Kindes in der Schule?“: Vor allem menschliche Werte vermitteln! Bundesjugendspeile teilgenommen. Mittel-Oberstufe konnten alle schwimmen.
-Oktober 1958: Begann die Schule jedem Güttersbacher bei Vollendung des 70- Lebensjahres ein Ständchen vorzubringen. Alte Leute waren sehr dankbar. Wandertag über Olfen ins Dürrellenbacher Tal, Oberschönmattenwag (Waldlehrpfad) und in die Raubach. Die „Holzköppe“ ein Marionettentheater spielte in Airlenbach; Wanderung über Mossau, Brudergrund, Erbach, Steinbach, Michelstadt (Tierpark, Basilika, Schloss Fürstenau, Michelstädter Rathaus, Stufenhaus, Schloss Erbach, Tempel-Haus besichtigt).
-Während des Schuljahres erhielt der Fußboden des nach Osten gelegenen Zimmers der Lehrerwohnung einen neuen Linoleumboden und das Zimmer wurde tapeziert.
-Dezember 1958 Weihnachtsspiel „Dornröschen“ aufgeführt. Schüppel schrieb das Stück selbst und „die Kostüme und wie auch die Bühne waren eigenes Werk“. Am 26. Dezember 1958 sangen die Schüler für das Ehepaar Heckmann (Diamantene Hochzeit). Frau Heckmann war seit etwa 40 Jahren Reinigungskraft in der Schule.
-24. Februar 1959: Besuch des Schulrats Göbel. Göbel war erfreut über die Innenausstattung der Schule.
-April 1959: Schuljahr 38 Schüler. Die Klasse wanderte auf den Katzenbuckel, Wolfsschlucht und am Neckar entlang.
-17. Mai 1959: Schulhaus prangt in neuem Schmuck. Verkehrs- und Verschönerungsverein hatte Bevölkerung aufgerufen unser Dorf schöner werden zu lassen. „Lasst die Blumen sprechen!“, an jedem Fenster der Schule hängte ein Blumenkasten. Außerdem wurden innen Verdunklungsrollos angebracht, so können nun auch Filme und Lichtbilder geschaut werden.
-Bereits das 3. Einfamilien-Wochenendhaus wurde in Güttersbach bezogen. Das Dorf erfreut sich eines neuen Aufschwungs und Zuwachses. Neue Namen kamen in den Ort.
-12. September 1959: Ausflug mit gesamter Oberstufe in den Spessart (8 Tage). Hetzbach-Schöllenbach (Quellkirche), Hesselbach, Wald-Leiningen (Schloss), Zell, Wildenburg (Besichtigung der Gralsburg), Amorbach (Schloss Besichtigung und Barockkirche), Miltenberg. Mainfahrt nach Stadtprozelten, …, Mespelbrunn (Schloss und Park), Aschaffenburg (Stadtbesichtigung), Sulzbach, Obernburg, Breuberg (Jugendherge), Höchst-Sandbach (Veith-Werke), Bad König, Michelstadt, Erbach, Marbach, Güttersbach.
-Oktober 1959: Ein herrlicher Sommer für die Badesaison geht zu Ende. Bundesjugendspiele wieder in Hüttenthal.
-Dezember 1959: An Weihnachten führte die Schule wieder ein Theaterstück auf „Beim Märchendoktor“. (großer Erfolg, sehr realistisch-romantisches Bühnenbild).
-Frühjahr 1960: Schulkinder planierten den Dorfplatz und säten ihn ein. Beim Elternabend ging es um die sanitären Verhältnisse der Schule. Neubau einer Klosettanlage wurde gefordert.
-Juni 1960: Gesangverein feierte 50-jähriges Bestehen. Schüppel dichtete Güttersbacher Heimatlied. Kinder wirkten tatkräftig mit. Der Chor „Die Güttersbacher Zaunkönige“ wurde ins Leben gerufen. Die Kinder haben großartig gesungen.
-August 1960: In die Schule kamen zwei Praktikanten vom Pädagogischen Institut Jugenheim (Herr Jahn und Frau Krantz). Diese hatten sich schnell eingelebt und gehörten schnell zur „Familie“. Wanderungen und Ausflüge unterbrachen die angestrengte Arbeit (nach Ludwigsburg, Stuttgart, Neckarsulm, Bad Wimpfen, Brauereibesichtigung in Ober-Mossau).
-Oktober 1960: Schulkinder traten tatkräftig für Einrichtung eines Kinderspielplatzes neben dem Schwimmbad ein. Die „Zaunkönige“ sangen in Wirtschaften und sammelten Geld für Errichtung des Spielplatzes.
-13. November 1960 Volkstrauertag: Es wurde das Mahnmal für die Gefallenen des 1. und 2. Weltkrieges an der Kirche eingeweiht. Bei den Feierlichkeiten nahm die Schule teil. Der Entwurf für das Ehrenmal stammte von Lehrer Schüppel.
-Fastnacht 1961: Eine lustige Fastnachtsfeier fand im Goldenen Löwen statt (dazu Kakao und Kuchen).
-Ostern 1961: Zum Abschluss des Schuljahres fand eine Wanderung zur Tromm statt (über Affolterbach zurück).
-Sommer 1961: Ausflug nach Bad Homburg, Limes, Feldberg, Kronberg, Kronberger Schwimmbad. Ordnung und Disziplin der Kinder war ausgezeichnet. Alle Kinder konnten schwimmen.
-Kinderspielplatz wurde erbaut. Im Rahmen der Ortsverschönerung wurden von Seiten der Schule große Arbeiten durchgeführt (alte Sautröge und Sauerkrautsteine zu Blumentöpfen umfunktioniert). Der Ort wurde dadurch ein kleines Schmuckstück. Im Werkunterricht wurden Wegweiser geschnitzt.
-August 1961: Erneute Beschwerden des Lehrers und des Elternrates wegen des baulichen Zustands des Schulhauses. Zusammenkunft mit Bürgermeister Helm, Schulrat Göbel, Kreisbaurat Blüm. Schulhoffrage müsse geklärt werden. Toilettenanlage nicht zeitgemäß, Lehrerwohnung nicht mehr ausreichend (zu klein). Kreisbauamt sollte Neubau oder Umbauvorschläge darlegen. Gemeinde musste sich aber verpflichten, die Oberstufe nach Konstituierung des Schulverbands Oberzent zur Bezirksschule Beerfelden zu schicken. Die Unterstufe sollte weiter in Güttersbach verbleiben.
-Vom August 1961 zeugt ein Schreiben, in welchem die Gemeindevertretung den Schulhausverkauf bereits beschlossen hatte und noch nach einem Kaufinteressenten gesucht wurde. Man konnte sich vorstellen im alten Schulhaus ein Kinderpflegeheim oder ein Kindererholungsheim einzurichten. Diese Vorstellungen verwirklichten sich aber nicht.
-Herbst 1961: zunehmender Flüchtlingsstrom aus Mitteldeutschland (Mauerbau DDR) rief die Kinder zur Hilfsbereitschaft. Sie sammelten Kleiderstücke und Lebensmittel.
-Eine Fahrt mit dem Güttersbacher Lottchen führte in den Frankfurter Zoologischen Garten und zum Goethe-Haus. Das Dr-Haller-Bad konnte wieder eifrig benutzt werden. Bundesjugendspiele fanden in Hüttenthal statt.
-Dezember 1961: Weihnachtszeit ging es hinaus in den Wald, um den Nikolaus zu suchen. Er kam mit Pferd und Wagen und in seiner Begleitung war das Christkind, dass für alle Schüler ein Päckchen dabeihatte. Kurz vor Weihnachten wurde das Märchenstück „die zertanzten Schuhe“ aufgeführt.
-Februar 1962: Überschwemmungskatastrophe in Hamburg veranlasste die Schule für die Geschädigten zu sammeln. Geld, Kleider und Lebensmittelsendung. Der Plan, ein Dorfgemeinschaftshaus mit Schule und Lehrerwohnung zu errichten zerschlug sich aufgrund zu hoher Unterhaltungskosten.
-Sommer 1962: Die Abschlussarbeiten für den Kinderspielplatz wurden durchgeführt (Sprunggrube angelegt), Dorfverschönerung wurde fortgesetzt. Eine geschnitzte Holztafel am Ortseingang und verschiedene geschnitzte Tafeln wurden angefertigt.
-Fahrt nach Stuttgart. Das Schiller-Haus wurde besucht sowie in Stuttgart die Mercedes-Benz-Werke und ein Verkehrskindergarten. Die Polizei gab Verkehrsunterricht.
-Winter 1962: Kinder sammelten für die Tiere im Wald 14 Zehntner Eicheln. Winter begann schon am Buß-Bettag mit heftigen Schneefällen. Der Winter war hart und anhaltend wie selten zuvor.
-Die letzten Vorbereitungen für den Schulhausumbau wurden getroffen. Ein an das Schulhaus angrenzendes Stück wurde durch die Gemeinde erworben. Ausschreibungen der Bauarbeiten begannen im Frühjahr 1963.
-Ostern 1963: Der erste Spatenstich bzw. der erste maschinelle Aushub begann (Lehrerhausanbau). Dieser Umbau war für die Lehrerfamilie aber keine Freude, weil sie allen Dreck und Lärm in der Wohnung hatte. Fensterscheiben waren zum Teil zerbrochen, selbst als die Ehefrau und ein Kind krank dalagen wurde ein Mauerdurchbruch für die Heizungsanlage durchgeführt.
-Die alte Schulscheuer samt Abortanlage und Waschküche sowie der kleine Abtritt am Schulgebäude wurden im Zuge des Lehrerhausanbaues abgerissen.
- Sommer 1963: Die Schule beteiligte sich aktiv und maßgebend an dem Wettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden“. Güttersbach errang den 3. Platz im Land Hessen. Die Schulkinder schnitzten 36 Hinweisschilder, die auf Sagen und Märchen bezogen waren. „Das Dörfchen ist schmuck geworden.“
-Eine Straße wurde über das Olfener Bild zur Airlenbacher Höhe ausgebaut und damit die Verbindung zur Odenwaldhöhenstraße geschaffen. Mit diesem Ausbau verpflichtete sich die Gemeinde dem Schulverband Beerfelden beizutreten. Hierdurch solle die Schulsituation verbessert werden. Endziel war Liquidierung der einklassigen Schulen.
-Ostern 1964: 35 Kinder. Der erste und zweite Bauabschnitt des Schulbaus war abgeschlossen. Die Verhältnisse sowohl in den Schulräumen, als auch in der Lehrerwohnung waren sehr viel besser geworden. Rege Tätigkeiten hat die Schule durch öffentliche Veranstaltungen und Theateraufführungen ergriffen (Güttersbacher Binseneier wurden wiederentdeckt).
-Ostern 1965: 40 Kinder. Lehrer Schüppel gründete „Girreschbocher Kinnertrachtengruppe“. Es wurden für alle Kinder Trachten genäht. Die Gruppe tanzte Odenwälder Volkstänze, Mundartgedichte und großes Reservoir von Volksliedern. Die Gruppe fand großen Anklang.
-Wie alljährlich wurden Wanderfahrten unternommen. Hessentag wurde besucht sowie im Dorf viele Veranstaltungen durchgeführt und Maßnahmen zur Dorfverschönerung unternommen.
-Ostern 1966: 42 Kinder. Das Dr. Haller-Bad wurde renoviert und die Kinder beteiligen sich an der Dorferweiterung „Städtelanga“. Gründliche Renovierung des Pfarrhauses wurde begonnen, nachdem der bisherige Pfarrer Hörr nach der Scheidung von seiner 27-jährigen Ehe vom Dienst entbunden wurde. Damit endete auch eine unerfreuliche Beziehung zwischen Schule und Kirche – zwischen Lehrer und Pfarrer - die sich seit 1958 negativ ausgewirkt hatte. Trotz schwieriger Verkehrsverhältnisse gelang es erstmals die Kinder des 8. Schuljahres zur neuerrichteten Berufsschule nach Michelstadt zu schicken. Das 9. Schuljahr wurde eingeführt.
-Mehrere Schulfunksendungen haben Güttersbach zum Thema. Verfasser war Lehrer Schüppel.
-Ostern 1967: 38 Kinder. Durch Umstellung auf Herbstschulanfang wurden zwei Kurzschuljahre durchgeführt, welche für die Schüler als auch dem Lehrer sehr anstrengend waren. Neubau der Wasserleitung wurde trotz großer finanzieller Schwierigkeiten in Angriff genommen. Trachtengruppe tanzte nacheinander vor Innenminister Schneider, Finanzminister Osswald, Land-Forstwirtschaftsminister Tröseher. Alle waren von den Güttersbacher Kindern angetan. Der Dritte Bauabschnitt der Schule - die Verputzung stand noch immer aus.
-Ostern 1968: 31 Schulkinder: Die 13 Schulkinder des 5. bis 8. Schuljahres wurden nach Beerfelden zum neuen Schulzentrum (Gesamtschule) abgegeben. Ein Bus fuhr die Kinder dorthin. Alles verlief planmäßig. Große Teile von Lehr- und Lernmitteln wurden abgegeben. Das 9. Schuljahr war noch in Erbach. Nur das 1. bis 4. Schuljahr verblieb mit 18 Kindern in Güttersbach (Grundschule).
-Am 25. August 1968: Innerhalb eines „gemeindefamiliären Heimatabends“ wurde Lehrer Schüppel verabschiedet. Der Gesangverein, die Kindertrachtengruppe, der neue Bürgermeister Erwin Kaufmann sowie der Altbürgermeister Johann Heinrich Helm erschienen. Neuer Lehrer wurde Dieter Müller.
-28. August 1968: Schüppel verließ Güttersbach und übergab die Amtsgeschäfte Herrn Müller.
Dieter Müller
*Michelstadt? +?
-Amtszeit in Güttersbach: vom 28. August 1968 bis Anfang (April?) 1969.
-Frühjahr 1969: Mit Beginn des Schuljahres 1969/1970 wurde die Grundschule Güttersbach im Zuge der Landschulreform aufgelöst.
-Die Kinder der 1. bis 4. Klasse besuchten fortan die Mittelpunktschule in Beerfelden. Dorthin wurden sie täglich mit Omnibussen gebracht.
-Mit dem Ende der Güttersbacher Schule verlor das Dorf eine bedeutende Institution, was sich spürbar auf das zukünftige kulturelle Leben auswirkte.
-Nach Auflösung der selbstständigen Gemeinde Güttersbach im August 1972 ging das ehemalige Schulanwesen auf die neugeschaffene Gemeinde Mossautal über. Fortan wurde das alte Schulgebäude noch als Ort für die Abhaltung von Wahlen und kleinerer Veranstaltungen des Ortes genutzt (z.B. Nikolaus). Schließlich wurde die Schule 1988 an Privateigentümer veräußert.