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mossautal aktuell
Ausgabe 11/2026
Aus unserer Gemeinde
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Mini-Bergwerk und Kohlemeiler: Boden des Jahres 2026 in Hüttenthal vorgestellt

Feierliche Klänge der 4. Klasse eröffnen die Einweihungszeremonie.

Bürgermeister Andreas Muschke würdigt in seiner Ansprache die neue Bodenstele als sichtbares Zeichen der bergbaulichen Tradition Mossautals.

Bei der feierlichen Enthüllung der Bodenstele freuen sich von links Bürgermeister Andreas Mutschke, Jutta Weber vom Geo-Naturpark, Landrat Frank Matiaske, der Umweltminister Ingmar Jung sowie Achim Brötel, stellvertretender Vorsitzender des Geo-Naturparks.

Nach der feierlichen Enthüllung der neuen Bodenstele erläutert Jutta Weber deren Bedeutung und Gestaltung.

Die Schüler der 3. Klasse stimmen mit ihrem Auftritt auf die Frühlingszeit ein.

Geschichte zum Anfassen und zum Hineinschauen war angesagt, als am Freitag an der Mossautalhalle in Hüttenthal eine neue Bodenprofil-Stele des Geo-Naturpark Bergstraße-Odenwald feierlich eingeweiht wurde. Anlass dafür ist der „Boden des Jahres 2026“, der sogenannte Archivboden. Mit der neuen Stele wird ein weiterer Höhepunkt im Geopark gesetzt und damit ein besonderes Bildungsangebot geschaffen, dass sich gezielt an Kinder und Erwachsene richtet. Zur Einweihung kam auch Hessens Umweltminister Ingmar Jung nach Hüttenthal.

Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand der Archivboden als eine Bodenart, die wie ein geologisches Gedächtnis wirkt. Sowohl bei ehemaligen Kohlenmeilern als auch bei historischen Bergbauhalden bewahren solche Böden Spuren vergangener Epochen und machen Umwelt- und Kulturgeschichte nachvollziehbar.

Die vom Hessischen Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt geförderte Stele zeigt zwei typische Archivboden-Profile aus der Region, nämlich einen Kohlenmeilerboden sowie einen Bergbauhaldeboden. Ergänzt werden sie durch Informationstafeln mit Erläuterungen und Hintergrundwissen.

Besonders ins Auge fallen die integrierten Miniaturwelten im Sockel der Stele. Durch kleine Öffnungen auf Kinderhöhe lassen sich ein Mini-Bergwerk und ein „klitzekleiner“ Kohlemeiler entdecken. Die Kombination aus Schauen, Staunen und Anfassen soll komplexe ökologische und historische Zusammenhänge spielerisch vermitteln.

Als Schirmherr für den „Boden des Jahres 2026“ warb Jung für ein stärkeres Bodenbewusstsein. „Wir alle tragen Verantwortung dafür, dass künftige Generationen gesunde Böden vorfinden, und dafür brauchen wir mehr,Bodenneugierige‘“, betonte er. Augenzwinkernd ermunterte er die anwesenden Grundschulkinder, im Garten einmal ein Loch zu graben, selbstverständlich nur mit Erlaubnis der Eltern. Zudem überreichte er der Hüttenthaler Grundschulleiterin Ulrike Hartnagel Unterrichtsmaterialien.

Seit 2005 kürt das Kuratorium „Boden des Jahres“ jährlich eine Bodenart, um auf Wert und Gefährdung dieser begrenzten Ressource aufmerksam zu machen. 2026 steht der Archivboden im Fokus. Er bewahrt Spuren früherer Umweltbedingungen, Vegetation und menschlicher Aktivitäten. Forschende gewinnen daraus wichtige Erkenntnisse zur Umwelt- und Klimageschichte und zu den Zusammenhängen von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Hessen hat die Schirmherrschaft für das Themenjahr übernommen.

Mossautals Bürgermeister Andreas Mutschke betonte die besondere Bedeutung der Stele für die Region: „Die Stele zeigt uns, was unter unseren Füßen liegt.“ Der historische Bergbau habe das Tal geprägt, daher passe das Projekt hervorragend nach Hüttenthal. Besonders freue ihn, dass neben den Bürgern auch viele Ehrenamtliche zum Gelingen beigetragen hätten. Auch Landrat Frank Matiaske, stellvertretender Vorsitzender des Geo-Naturparks, wandte sich an die Kinder: „Erkundet Verborgenes.“ Als Kind habe ihn Jules Vernes Roman „Reise zum Mittelpunkt der Erde“ zu eigenen Experimenten im Boden inspiriert.

Dr. Jutta Weber, Geschäftsführerin des Geo-Naturparks, schilderte den aufwendigen Weg bis zur Fertigstellung der Stele. „Bis die Böden hierherkamen, war es eine Menge Arbeit“, sagte sie und hob insbesondere die ehrenamtlichen Helfer hervor, die in einem historischen Bergbaugebiet im Wald bei Weschnitz tatkräftig mit angepackt hatten.

Zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter des öffentlichen Lebens, auch über den Odenwaldkreis hinaus, ließen es sich nicht nehmen, bei der Einweihung dabei zu sein. Für einen festlichen Rahmen sorgten die Schülerinnen und Schüler der dritten und vierten Klassen der benachbarten Grundschule. Mit viel Freude gestalteten sie die musikalische Einstimmung und den Abschluss der Veranstaltung.

Text und Fotos von Dieter Berlieb