Titel Logo
mossautal aktuell
Ausgabe 17/2026
Was sonst noch interessiert
Zurück zur vorigen Seite
Zurück zur ersten Seite der aktuellen Ausgabe

Aktuelles

Horst Scfhnur am Beamer.

Kurzfristig musste beim jüngsten Olfener Dorftreff im voll besetzten Gasthaus „Zum Spälterwald" Horst Schnur mit einer PowerPoint-Präsentation einspringen. Er schilderte das bewegte Leben von Kätchen Paulus, der ersten deutschen Ballonfahrerin und Fallschirmspringerin, mit ihren Verbindungen zu Beerfelden und Erbach.

Der Beerfelder Schmied und Maschinenheizer Wilhelm Paulus adoptierte das am 22.12.1868 in Zellhausen bei Seligenstadt unehelich geborene Kätchen bei seiner Hochzeit mit deren Mutter Anna Maria Funk. Sie übernahm den Namen „Paulus". Die Familie lebte in ärmlichen Verhältnissen, wo die Arbeitsstätten des Vaters als Maschinenheizer waren, u. a. in Frankfurt und Darmstadt. Kätchen erlernte den Beruf einer Näherin.

Im Juni 1889 lernte sie den professionellen Ballonfahrer und Fallschirmspringer Hermann Lattemann kennen und arbeitete für ihn als Näherin. Als Paar machten sie Absprünge aus dem Ballon auf Volksfesten.

Im Juni 1894 stürzte Lattemann in Krefeld bei einer Show an Kätchen am Fallschirm vorbei und zu Tode. Ein Jahr darauf starb ihr vierjähriger Sohn an Diphtherie.

Als Witwe musste Käte nun ihr Leben neu planen. Sie baute sich eine Existenz als Berufsluftschifferin und Luftakrobatin auf.

Daran erinnerte sich 1905 das Komitee des Eulbacher Marktes in Erbach und engagierte sie für einen Aufstieg mit einem Gasballon. Die „im Odenwald noch nie dagewesene" Show zog viele Menschen an für Montag, den 24.07.1905, auch weil der Name „Paulus" zu Beerfelden bekannt war.

Kätes frei fliegender Ballon wurde im Michelstädter Gaswerk gefüllt und zum Festplatz transportiert. Käte wollte, auf einem trapezförmigen Gestell stehend, bis zu 3.000 Metern aufsteigen, einen Kreis über dem Festplatz beschreiben und in der Nähe Erbachs landen. Der Aufstieg gelang trotz mehrmaliger Versuche nicht. Die Enttäuschung und Turbulenz schilderte Greta Bickelhaupt (1865-1919) in einem Spottgedicht mit dem Titel „Der Luftballon".

Die Stadt Beerfelden widmete Kätchen Paulus am 02.05.1960 eine Straße sowie am 06.10.1963 einen internationalen Flugtag am Galgen und am 15.07.1985 mit Gedenkveranstaltungen während des Pferdemarktes mit Ballonpostkarten und Sonderstempel.

 

 

Bis zum Ende ihrer aktiven „Luftkarriere" um 1912 unternahm sie, auch international, mehr als 700 Ballonaufstiege und 165 Absprünge mit ihrem Fallschirm, darunter auch sonntags am Frankfurter Zoo, wobei mit dem Fahrradhersteller Adler ein Fahrrad unter dem Ballon montiert war.

 

 

1912 zog sie mit ihrer Mutter nach Berlin und gab die aktive Ballonfahrt auf. Als Expertin für Fallschirmsicherheit bekam sie Aufträge für Tausende Aufklärungsballons und Fallschirme. Bei Kriegsende verlor sie ihr Geld, das sie in Kriegsanleihen investiert hatte.

Verarmt starb sie nach längerer Krebserkrankung am 26.07.1935 im Alter von 67 Jahren. Zu ihrer Beisetzung in Berlin-Reinickendorf kamen nur wenige Trauergäste. Ein Ehrengrab erinnert an sie.

Horst Schnur hat über sie eine Broschüre herausgegeben und im jüngsten Jahrbuch des Kreisarchivs „gelurt" über Käte publiziert.