Zahlreiche interessierte Güttersbacher sowie Gäste von außerhalb nahmen am Themenabend des Fördervereins „Güttersbacher Dorfleben“ teil.
Bei einem Themenabend in Güttersbach kam der neu gewählte Ortsbeirat mit Vertreterinnen der Interessengemeinschaft Odenwald zusammen. Das Bild zeigt (von links) die Ortsbeiratsmitglieder Hans-Jürgen Schwinn, Rolf Christmann und Timo Pfeifer sowie die Vertreterinnen der Interessengemeinschaft Odenwald Anne Aßmus und Ines Günther-Laake.
L-Steine sollen künftig den äußeren Abschluss des Güttersbacher Spielplatzes bilden, der direkt an das Schwimmbad (im Hintergrund) angrenzt. Der Ortsbeirat plant, den Bauhof der Mossautaler bei den Arbeiten durch einen öffentlichen Aufruf zur Mithilfe freiwilliger Helfer zu unterstützen.
Wie können ländliche Räume zukunftsfähig gestaltet werden und welche Rolle spielen Vereine, Kommunen und das Engagement der Bevölkerung? Diese Fragen standen im Mittelpunkt eines Themenabends des Fördervereins Güttersbacher Dorfleben e.V. unter dem Titel "Institutionen für Bürgerinnen und Bürger", der zahlreiche Interessierte im Dorfgemeinschafts zusammenbrachte. Neben dem neu gewählten Ortsbeirat stellten sich auch zwei Vertreterinnen der Interessengemeinschaft Odenwald (IGO) vor und gaben Einblicke in ihre Arbeit.
Bereits zu Beginn wurde deutlich, wie eng bürgerschaftliches Engagement und institutionelle Unterstützung im Odenwald miteinander verzahnt sind. Die IGO ist vielen noch durch die Wanderausstellung "Die Zukunft der Dörfer" bekannt, die der Förderverein zu Jahresbeginn präsentierte. Doch die Ausstellung ist nur ein Teil der Arbeit. "Unsere Hauptaufgabe ist die Regionalentwicklung im Odenwald - fördern, vernetzen, gestalten", erklärte die stellvertretende Geschäftsführerin Anne Aßmus.
Seit mehr als 60 Jahren setzt sich die IGO für die wirtschaftliche Stärkung und nachhaltige Entwicklung der Region ein. Als lokale Aktionsgruppe koordiniert sie das EU-Förderprogramm LEADER sowie das Regionalbudget. "Im LEADER-Programm werden bauliche Projekte ab 10.000 Euro und Dienstleistungen ab 1.500 Euro Nettokosten gefördert", erläuterte Aßmus. Nichtinvestive Projekte können mit bis zu 80 Prozent bezuschusst werden. "Für Kommunen liegen die Zuschüsse meist bei mindestens 60 Prozent." Auch kleinere Vorhaben seien möglich: "Über das Regionalbudget werden Projekte zwischen 2.000 und 20.000 Euro gefördert, ebenfalls mit einer Quote von 80 Prozent."
Für Güttersbach sieht Aßmus Perspektiven, insbesondere für das Dorfgemeinschaftshaus. "Hier käme das Handlungsfeld Daseinsvorsorge infrage, eventuell auch Tourismus, wir schauen am Ende, wo es am besten passt", sagte sie. Voraussetzung sei eine fundierte Planung, gebracht werde dazu eine Darstellung der Ausgangslage, eine klare Zielsetzung und ein Finanzierungsplan.
Ines Günther-Laake stellte Ergebnisse der Umfrage "Zukunft der Dörfer" vor. "Der Rücklauf hätte insgesamt besser sein können", räumte sie ein. Als Stärken wurden Natur, Ruhe, funktionierende Vereinsstrukturen und ein hohes Sicherheitsgefühl genannt. Gleichzeitig zeigten sich Defizite mit Verkehrslärm, fehlender Nahversorgung und mangelnder Mobilität. Gewünscht seien mehr Treffpunkte, Digitalisierung und bessere Infrastruktur. Für Güttersbach standen Schwimmbad und Wanderangebot im Fokus. Auch die Jugend brachte ihre Perspektiven ein und jüngere Teilnehmer vermissen vor allem Sport- und Begegnungsangebote, während ältere Jugendliche bessere Mobilität sowie mehr Veranstaltungs- und Ausgehmöglichkeiten fordern.
Im Anschluss rückte der neue Ortsbeirat in den Mittelpunkt. Rolf Christmann, voraussichtlich künftiger Ortsvorsteher, berichtete von einem frühen Start: "Es haben schon Treffen stattgefunden, auch noch zusammen mit dem alten Ortsbeirat." Da die konstituierende Sitzung des Gremiums erst für den 11 Mai vorgesehen ist sagte er mit einem Augenzwinkern: "Wir arbeiten sozusagen im Moment noch ohne Auftrag."
Zentrales Thema bleibt das Dorfgemeinschaftshaus. "Wir haben uns alle Unterlagen zu den Förderbemühungen aus den Jahren 2024 und 2025 zuschicken lassen", so Christmann. Fazit sei, dass bezüglich der Förderanträge wieder von vorne begonnen werden müsste. Dennoch sieht er Chancen, vor allem bei energetischer Sanierung.
Auch Schwimmbad und Spielplatz sollen erhalten und aufgewertet werden. Geplant ist eine neue Einfriedung mit L-Steinen und Zaun. "Wir wollen dazu einen Aufruf starten und hoffen auf freiwillige Helfer zur Unterstützung des Bauhofs", sagte Christmann.
"Jeder kann seine Anliegen einbringen und wir bemühen uns, immer einen angemessenen Kompromiss zu finden", betonte er weiter. Geplant ist zudem ein Treffen mit den Vereinen zur künftigen Nutzung des Dorfgemeinschaftshauses, insbesondere zu Lagerflächen und Raumaufteilung.
Für Diskussionen sorgte Bürgermeister Andreas Mutschke. "Wir zahlen jährlich rund 6000 Euro für das Gas im Dorfgemeinschaftshaus", erklärte er. Diese Kosten könnten künftig nicht mehr vollständig von der Allgemeinheit getragen werden und müssen von den Vereinen übernommen werden.
Das stieß auch auf Kritik. "Solche Summen können wir nicht stemmen, dann müssten wir uns aus dem Haus zurückziehen", so Gábor Sulyok als Kassierer des veranstaltenden Fördervereins. Mutschke entgegnete, er unterstütze das Ehrenamt und die Vereine mit allen Kräften, aber gleichzeitig seien die finanziellen Spielräume begrenzt und manche Wünsche könnten schlicht nicht mehr erfüllt werden. Zum Abschluss fand er dennoch lobende Worte für den Ort, denn Güttersbach sei beispielhaft für bürgerschaftliches Engagement und ein Vorbild, das er sich auch für andere Ortsteile wünsche.