Liebe Bürgerinnen und Bürger,
bei allen finanziellen Herausforderungen, die uns derzeit beschäftigen, gibt es eine Seite Mossautals, die in keiner Haushaltszahl sichtbar wird und doch entscheidend dafür ist, wie wir als Gemeinde in die Zukunft gehen: das Ehrenamt, die Vereine, die Initiativen und die vielen Menschen, die sich freiwillig engagieren und unser Gemeindeleben tragen. Dieses Engagement ist nicht nur ein wertvoller Bestandteil unserer Identität – es ist ein Fundament, ohne das Mossautal nicht das wäre, was es ist.
Seit Beginn meiner Amtszeit habe ich unzählige Gespräche mit Vereinen, Feuerwehrleuten, Kulturgruppen, Elterninitiativen, sozialen Projekten, Sportgemeinschaften und engagierten Bürgerinnen und Bürgern geführt. Ich habe Veranstaltungen besucht, Projekte begleitet und erlebt, wie viel Herzblut, Kreativität und Verantwortungsbewusstsein in unserer Gemeinde steckt. Und ich kann sagen: Es gibt einen spürbaren Aufbruch, der sich nicht nur in Worten zeigt, sondern in konkreten Projekten, neuen Ideen und wachsender Beteiligung – sichtbar z. B. aktuell an den Außenarbeiten für Schwimmbad und Spielplatz sowie der Spendenaktion für die Wasserrutsche. Menschen übernehmen Verantwortung, packen an, gestalten mit – und das verdient Dank, Anerkennung und Respekt.
Gerade weil ich diesen Aufbruch so deutlich wahrnehme, ist es mir wichtig, offen anzusprechen, was ihn gefährden könnte. Ehrenamt braucht Rahmenbedingungen, die funktionieren. Vereine brauchen Räume, Infrastruktur, Unterstützung und Verlässlichkeit. Initiativen brauchen Ansprechpartner, Planungssicherheit und eine Verwaltung, die arbeitsfähig bleibt. Gemeinschaft braucht Orte, an denen sie stattfinden kann. Und all das braucht eine Gemeinde, die finanziell handlungsfähig bleibt.
Wenn diese Handlungsfähigkeit verloren geht, geraten genau jene Bereiche unter Druck, die unser Zusammenleben prägen. Freiwillige Leistungen – also jene Angebote, die nicht gesetzlich vorgeschrieben sind, aber unser Gemeindeleben lebendig halten – wären die ersten, die gekürzt oder gestrichen werden müssten. Das betrifft Vereinsförderungen, kulturelle Veranstaltungen, Dorfgemeinschaftshäuser, Freizeitangebote, Zuschüsse und vieles mehr. Es betrifft genau die Strukturen, die den Aufbruch tragen, den wir derzeit erleben.
Ich habe in den vergangenen Monaten immer wieder betont, wie wichtig mir das Ehrenamt ist. Ich habe deutlich gemacht, dass die Vereine und Initiativen nicht nur ein „schönes Extra“ sind, sondern ein zentraler Bestandteil unseres Zusammenhalts. Und ich habe erlebt, wie viel Energie, Kreativität und Verantwortungsbewusstsein in unserer Gemeinde steckt. Diese Kraft dürfen wir nicht verlieren. Sie ist ein Schatz, den wir schützen müssen.
Doch so wertvoll dieses Engagement ist – es kann die finanziellen Herausforderungen unserer Gemeinde nicht allein lösen. Ehrenamt ersetzt keine stabile Haushaltsbasis. Vereine können keine Schulden abbauen. Freiwillige Initiativen können keine Infrastruktur sanieren. Und bürgerschaftliches Engagement kann nicht die finanziellen Mittel bereitstellen, die notwendig sind, um Straßen, Gebäude, Leitungen, Energieversorgung oder digitale Infrastruktur zukunftssicher zu erhalten.
Damit Mossautal handlungsfähig bleibt, braucht es beides:
die Kraft unserer Gemeinschaft – und eine solide finanzielle Grundlage.
Und genau hier müssen wir offen über die Realität sprechen:
Die Verwaltung hat nur zwei Stellschrauben.
Diese beiden Stellschrauben sind die einzigen, die uns zur Verfügung stehen.
Es gibt keine dritte, versteckte Möglichkeit.
Keine Reserve, die irgendwo wartet.
Keine externe Lösung, die unsere Aufgaben übernimmt.
Deshalb müssen wir – Verwaltung, Politik und Bürgerschaft – gemeinsam entscheiden, wie wir diese beiden Stellschrauben verantwortungsvoll nutzen. Wir im Rathaus übernehmen unseren Teil der Verantwortung: durch sparsames Wirtschaften, klare Prioritäten, eine moderne Verwaltung und eine sorgfältige Planung. Aber auch die finanziellen Beiträge der Bevölkerung müssen den tatsächlichen Gegebenheiten angepasst werden, wenn wir unsere Aufgaben erfüllen, Schulden abbauen und zugleich in die Zukunft investieren wollen.
Diese Einsicht ist nicht leicht, aber sie ist notwendig, wenn wir die Grundlagen unseres Zusammenlebens erhalten wollen. Denn eine Gemeinde, die ihre freiwilligen Leistungen nicht mehr finanzieren kann, verliert nicht nur Angebote – sie verliert ein Stück ihrer Seele. Und eine Gemeinde, die durch Überschuldung ihre Handlungsfähigkeit verliert, verliert langfristig auch ihre Eigenständigkeit. Das wäre ein Preis, den wir nicht zahlen dürfen.
Unser gemeinsames Ziel muss sein, die Stärke unserer Gemeinschaft zu bewahren – und die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass das Ehrenamt, die Vereine und die vielen engagierten Menschen in Mossautal auch in Zukunft wirken können. Denn sie sind es, die unsere Gemeinde lebendig halten, die Orte verbinden, die Menschen zusammenbringen und die zeigen, was möglich ist, wenn wir gemeinsam anpacken.
Ihr