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mossautal aktuell
Ausgabe 24/2026
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Grenzgang in Güttersbach begeistert 45 Teilnehmer – Förderverein Güttersbacher Dorfleben lässt alte Tradition wieder aufleben

Mit guter Laune und viel Vorfreude machen sich die Teilnehmer des Grenzganges des Fördervereins Güttersbacher Dorfleben auf den Weg.

Bei bestem Wanderwetter begrüßt Peter Dehnert, Vorsitzender des Fördervereins Güttersbacher Dorfleben, die Teilnehmer des Grenzgangs

Während des Grenzganges des Fördervereins Güttersbacher Dorfleben gibt Revierförster Sebastian Walther interessante Einblicke in die Entwicklung des Waldes und der Landschaft.

Der Haltepunkt „Drei Eichen“ ist eine der Stationen beim Grenzgang des Fördervereins Güttersbacher Dorfleben.

Anschaulich anhand einer Karte erklärt Revierförster Sebastian Walther den Teilnehmern des Grenzgangs die Herausforderungen und Entwicklungen im heimischen Wald.

Mit Planwagen und Unimog als treuen Begleitern erkunden die Teilnehmer des Grenzgangs die Gemarkung rund um Güttersbach.

Gemeinsam unterwegs: Der Grenzgang des Fördervereins Güttersbacher Dorfleben lockt zahlreiche Teilnehmer auf die Strecke rund um Güttersbach.

Im Dorfgemeinschaftshaus treffen sich die Teilnehmer zum Abschluss zu einem gemeinsamen Essen und geselligem Beisammensein.

Förderverein Güttersbacher Dorfleben lässt alte Tradition wieder aufleben

Nach rund 40 Jahren Pause wurde in Mossautal erstmals wieder ein Grenzgang durchgeführt. Dass diese traditionsreiche Veranstaltung ausgerechnet in Güttersbach ihre Wiederbelebung erfuhr, ist dem Förderverein Güttersbacher Dorfleben e.V. zu verdanken. Auf dessen Initiative hin fand die Wanderung statt, deren Organisation ebenfalls der Vereinsvorstand übernommen hatte. Der Zuspruch überraschte die Verantwortlichen: Insgesamt 45 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aller Altersgruppen sowie einige Vierbeiner machten sich am Samstagnachmittag auf den Weg.

Der Grenzgang begann am Olfener Bild. Von dort folgte die Gruppe zunächst dem Grenzverlauf in Richtung Olfen und damit zur Stadt Oberzent. Aufgrund der geplanten Anlaufpunkte verließ die Wandergruppe später die eigentliche Gemarkungsgrenze und durchquerte weite Teile der Güttersbacher Gemarkung. Über die „Drei Eichen“ führte die rund fünf Kilometer lange Strecke schließlich zurück zum Dorfgemeinschaftshaus.

Bereits vor dem offiziellen Start hatten zahlreiche Teilnehmer den Weg von der Ortsmitte hinauf zum Olfener Bild zu Fuß zurückgelegt. Für weniger mobile Gäste stand ein Planwagen bereit. Oben angekommen wurden die Wanderer von Revierförster Sebastian Walther begrüßt, der die Führung übernahm. Unterstützt wurde er von seinem Kollegen Luca Kilian, dem stellvertretenden Leiter des Forstamts Michelstadt. Zuvor begrüßte der Vorsitzende des Fördervereins, Peter Dehnert, die Teilnehmer. Er dankte den Unterstützern aus weiteren Güttersbacher Vereinen und zeigte sich erfreut über die große Resonanz, auch aus den anderen Ortsteilen Mossautals.

Während der Wanderung informierten Walther und Kilian an mehreren Stationen über aktuelle Entwicklungen in Waldwirtschaft und Naturschutz. „Wir betreuen beim Forstamt Michelstadt rund 21.000 Hektar Wald“, erläuterte Sebastian Walther. Dazu gehörten Staats-, Kommunal- und Privatwälder sowie als Untere Forstbehörde weitere rund 900 Hektar Großprivatwald.

Walther stellte die vielfältigen Aufgaben des Forstamtes vor. Neben der nachhaltigen Bereitstellung des Rohstoffs Holz gehören dazu auch Naturschutzmaßnahmen und der Ausbau sowie die Unterhaltung des forstlichen Wegenetzes. An den „Drei Eichen“ ging er näher auf sein Revier Mossautal-Süd ein, das die Ortsteile Güttersbach und Hüttenthal sowie die Erbacher Stadtteile Günterfürst und Haisterbach umfasst. Insgesamt betreut er dort rund 1.500 Hektar Waldfläche.

Mit Blick auf den Zustand der Wälder stellte Walther fest: „Wir haben aufgrund guter Wetterverhältnisse immer noch grüne Wälder im Odenwald.“ In anderen Regionen wie dem Taunus oder dem Hessischen Ried seien dagegen deutlich mehr Schadflächen zu beobachten.

Luca Kilian machte deutlich, dass die Anforderungen an den Wald vielfältig seien. „Am Wald wird von vielen Interessengruppen gezerrt“, erklärte er mit Blick auf Forstwirtschaft, Naturschutz, Imkerei oder auch den Mountainbike-Sport. Deshalb müssten immer wieder Kompromisse gefunden werden.

An einer rund einen Hektar großen Freifläche erläuterten die Forstleute die Folgen von Sturmereignissen und Borkenkäferbefall. Die Fläche war nach einem Sturm im Jahr 2018 entstanden, nachdem zahlreiche vorgeschädigte Bäume umgestürzt waren. „Wir versuchen hier wieder einen Wald aufzupflanzen“, erklärte Walther. Ziel sei es, das typische Waldinnenklima wiederherzustellen. Auf die Pflanzung von Fichten werde jedoch weitgehend verzichtet, da diese besonders anfällig für den Borkenkäfer seien.

Stattdessen setzen die Forstexperten auf artenreiche Mischwälder. Nach ihrer Einschätzung bieten Bestände mit bis zu acht unterschiedlichen Baumarten aus Laub- und Nadelgehölzen gute Voraussetzungen für einen stabilen Wald der Zukunft. Bereits heute beschäftigen sich die Fachleute aber auch mit Klimamodellen, um Baumarten auszuwählen, die auch den Bedingungen der kommenden Jahrzehnte standhalten können.

Am letzten Haltpunkt stellte Walther das lokale Naturschutzkonzept des Forstamtes vor. Dabei seien unter anderem seltene Tierarten, ehemalige Moorstandorte und frühere Steinbrüche erfasst worden. Einige dieser Lebensräume hätten für Arten wie Wanderfalken oder Uhus eine besondere Bedeutung.

Aus diesen Erkenntnissen resultieren verschiedene Naturschutzmaßnahmen. So soll im Güttersbacher Mornsbachtal durch eine sogenannte Bachentfichtung wieder ein naturnaher Bachlauf entstehen. An anderen Stellen werden Waldflächen bewusst ihrer natürlichen Entwicklung überlassen. Lediglich Maßnahmen zur Verkehrssicherung werden dort weiterhin durchgeführt.

Auch auf den Holzbedarf in Deutschland ging Walther ein. Dieser könne nicht allein durch heimische Wälder gedeckt werden, sodass Importe unter anderem aus Skandinavien und weiteren Ländern notwendig seien. Gleichzeitig betonte er, dass dies nicht unmittelbar mit der Ausweisung von Naturentwicklungsflächen zusammenhänge.

Beim Thema Aufforstung verwies Walther auf unterschiedliche Erfahrungen mit Pflanzgut aus dem Ausland. Naturverjüngung könne häufig eine sinnvolle Alternative sein, da sich junge Bäume aus eigener Aussaat bereits an die aktuellen Standort- und Klimabedingungen angepasst hätten.

Für die Versorgung der Wandergruppe war ebenfalls bestens gesorgt. Herbert Muth begleitete die Teilnehmer mit Traktor und Planwagen, während Willi Meister auf der Ladefläche seines Unimogs Getränke bereithielt. Nach der Rückkehr zum Dorfgemeinschaftshaus konnten sich die Wanderer bei einer kräftigen Erbsensuppe stärken. In geselliger Runde klang der Nachmittag mit vielen guten Gesprächen aus.

Der große Zuspruch hat die Verantwortlichen ermutigt, über eine Fortsetzung nachzudenken. Nach dem erfolgreichen Neustart der alten Tradition prüfen Peter Dehnert und sein Team bereits weitere mögliche Strecken in der Güttersbacher Gemarkung für einen zukünftigen Grenzgang.