Liebe Bürgerinnen und Bürger,
am 22. Juni 2026 hat die Gemeindevertretung den Haushaltsplan 2026, das Haushalts-sicherungskonzept sowie die Anpassung der Hebesätze – Grundsteuer B auf 980 Punkte und Grundsteuer A auf 300 Punkte – mit großer, fraktionsübergreifender Mehrheit beschlossen.
Mit 14 Ja-Stimmen und nur einer Gegenstimme hat das höchste beschlussfassende Organ unserer Gemeinde ein klares, eindeutiges und verantwortungsvolles Votum abgegeben.
Dieser Beschluss ist weit mehr als eine formale Entscheidung. Er ist ein starkes Signal, das in viele Richtungen wirkt – in die Verwaltung, in die politischen Gremien und in die gesamte Bürgerschaft. Als Bürgermeister möchte ich mich ausdrücklich für dieses Ergebnis bedanken. Es ist ein starkes Signal – nach innen wie nach außen. Nach innen, weil es der Verwaltung und den Gremien zeigt, dass wir diesen Weg gemeinsam gehen. Nach außen, weil es der Bevölkerung deutlich macht, dass Verantwortung, Zusammenarbeit und Lösungsorientierung über parteipolitischen Interessen stehen. Ich werte dieses Ergebnis als eindeutigen Willen, die Zukunft Mossautals gemeinsam und nachhaltig zu gestalten. Niemandem in der Gemeindevertretung sind diese Entscheidungen leichtgefallen. Sie bedeuten spürbare Mehrbelastungen für die Menschen in unserer Gemeinde. Dennoch sind persönliche und parteipolitische Interessen hinter die gesamtgesellschaftliche Notwendigkeit zurückgetreten. Das ist ein Zeichen für ein ausgeprägtes Bewusstsein gemeinsamer Verantwortung – und dafür bringe ich allen Beteiligten meinen aufrichtigen Respekt und meine Dankbarkeit entgegen.
Die Gemeindevertretung ist das demokratisch legitimierte Zentrum unserer kommunalen Selbstverwaltung. Sie ist das Parlament unserer Gemeinde, gewählt von den Bürgerinnen und Bürgern, ausgestattet mit dem Auftrag, Entscheidungen zu treffen, die das Gemeinwohl sichern und die Zukunft gestalten. In dieser Rolle hat sie am 22. Juni in bemerkenswerter Weise Verantwortung übernommen. Sie hat gezeigt, dass demokratische Legitimation nicht nur ein Mandat zum Entscheiden ist, sondern auch ein Auftrag zum Abwägen, zum Zuhören, zum Priorisieren und zum mutigen Handeln. In einer Zeit, in der politische Debatten vielerorts von Polarisierung geprägt sind, hat Mossautal ein anderes Bild abgegeben: eines der Geschlossenheit, der Sachlichkeit und des Gemeinwohls. Die Gemeindevertretung hat damit nicht nur einen Haushalt beschlossen, sondern ein Bekenntnis abgelegt – ein Bekenntnis zu Stabilität, zu Generationengerechtigkeit und zu einer verantwortungsvollen Zukunftsgestaltung.
Dieses Bekenntnis verdient Anerkennung und Respekt.
Besonders hervorheben möchte ich die Rolle der Fraktionen, die in dieser Phase eine bemerkenswerte Geschlossenheit und Ernsthaftigkeit gezeigt haben. Jede Fraktion – unabhängig von Größe, Tradition oder politischer Ausrichtung – hat sich intensiv mit den Zahlen, den Analysen des Rechnungshofs und den langfristigen Folgen eines Nicht-Handelns auseinandergesetzt.
Die Beratungen waren geprägt von Sachlichkeit, Verantwortungsbewusstsein und dem gemeinsamen Willen, die Zukunft Mossautals nicht dem Zufall zu überlassen. Die Fraktionen haben damit gezeigt, dass kommunale Selbstverwaltung dann am stärksten ist, wenn sie sich nicht in parteipolitischen Reflexen verliert, sondern das Wohl der gesamten Gemeinde in den Mittelpunkt stellt. Dass Vertreterinnen und Vertreter unterschiedlicher politischer Überzeugungen zu einer gemeinsamen Entscheidung finden, ist ein Ausdruck gelebter Demokratie – und ein Zeichen dafür, dass die politische Kultur in Mossautal von Reife, Respekt und Gemeinsinn getragen wird. Die Fraktionen haben Verantwortung übernommen, wo es notwendig war, und sie haben Mut gezeigt, wo es unbequem wurde. Sie haben sich nicht hinter parteipolitischen Linien verschanzt, sondern sich der Realität gestellt, wie sie ist.
Dieses Verhalten verdient Anerkennung – und es verdient Vertrauen.
In den vergangenen Monaten habe ich Sie in einer mehrteiligen Informationsreihe ausführlich über die finanzielle Lage Mossautals informiert. Die Analyse des Hessischen Rechnungshofs hat deutlich gemacht, dass wir vor strukturellen Herausforderungen stehen, die sich über viele Jahre hinweg aufgebaut haben. Fehlende Rücklagen, erhebliche Verlustvorträge, ein dauerhaft negatives ordentliches Ergebnis, steigende Pflichtabgaben, ein wachsender Sanierungsstau und ein begrenztes Steueraufkommen sind keine zufälligen Erscheinungen, sondern Ausdruck einer Entwicklung, die sich über lange Zeiträume verfestigt hat. Diese Erkenntnisse sind unbequem, aber sie sind notwendig, um die richtigen Entscheidungen zu treffen. Eine Gemeinde, die ihre Aufgaben erfüllen und ihre Eigenständigkeit bewahren will, muss sich der Realität stellen – und genau das hat die Gemeindevertretung getan. Sie hat nicht den einfachen Weg gewählt, sondern den richtigen.
Die beschlossene Hebesatzanpassung ist deshalb kein politischer Wunsch, sondern eine notwendige Voraussetzung, um den Haushalt auszugleichen, unsere Handlungsfähigkeit zu sichern und die Grundlagen für eine stabile Zukunft zu legen. Die Fraktionen haben damit eine Entscheidung getroffen, die nicht nur für das kommende Jahr, sondern für die kommenden Jahrzehnte Bedeutung hat. Sie haben Verantwortung übernommen – nicht nur für die Gegenwart, sondern auch für die Zukunft. Sie haben anerkannt, dass Untätigkeit langfristig einen deutlich höheren Preis hätte. Eine Gemeinde, die notwendige Entscheidungen aufschiebt, verliert nicht nur finanzielle Stabilität, sondern auch Gestaltungskraft. Sie verliert die Fähigkeit, in Infrastruktur zu investieren, das Ehrenamt zu unterstützen, öffentliche Einrichtungen zu erhalten und den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken. Die Fraktionen haben mit ihrem Votum klar gemacht, dass sie diese Entwicklung nicht zulassen wollen.
Gleichzeitig müssen die kommenden Jahre auch dazu genutzt werden, die bestehenden Schulden Schritt für Schritt abzubauen. Dies ist ein zentraler Bestandteil verantwortungsvoller Finanzpolitik. Ein ausgeglichener Haushalt ist wichtig – aber erst der Abbau der über Jahre entstandenen Fehlbeträge schafft die Grundlage für echte, dauerhafte Stabilität. Der Schuldenabbau ist kein Selbstzweck, sondern ein Beitrag zur Generationengerechtigkeit. Er entlastet kommende Haushalte, schafft Spielräume für Investitionen und stärkt die Eigenständigkeit unserer Gemeinde. Die nun beschlossenen Maßnahmen eröffnen uns die Möglichkeit, diesen Weg konsequent zu gehen. Es wird ein Weg sein, der Disziplin erfordert, aber er ist notwendig, um Mossautal langfristig zu sichern. Die Gemeindevertretung und ihre Fraktionen haben mit ihrem Beschluss die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass wir diesen Weg gemeinsam gehen können.
Ich weiß, dass die beschlossenen Maßnahmen für viele von Ihnen spürbar sind. Ich weiß auch, dass sie Sorgen auslösen können. Deshalb möchte ich mich an dieser Stelle erneut an Sie wenden und um Verständnis bitten. Wir handeln nicht aus Bequemlichkeit, sondern aus Verantwortung – für unsere Gemeinde, für unsere Infrastruktur, für unser Ehrenamt und für die Menschen, die nach uns kommen. Uns allen liegt ein lebenswertes Mossautal am Herzen. Ein Mossautal, das nicht nur verwaltet, sondern gestaltet wird. Ein Mossautal, das seinen Kindern und Enkeln nicht Probleme hinterlässt, sondern Perspektiven. Generationen-gerechtigkeit ist kein abstrakter Begriff, sondern ein Auftrag, der uns alle verpflichtet.
Die Fraktionen haben diesen Auftrag ernst genommen – und sie haben ihn erfüllt.
Mir ist wichtig zu betonen, dass niemand mit seinen Sorgen allein gelassen werden soll. Dort, wo Menschen durch die beschlossenen Maßnahmen in besondere Härten geraten, werden wir im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten Unterstützung anbieten. Wir werden zuhören, begleiten und Wege aufzeigen, wie Belastungen abgefedert werden können. Eine Gemeinde ist mehr als Zahlen und Paragraphen – sie ist eine Gemeinschaft, die füreinander einsteht. Und gerade in Zeiten des Wandels zeigt sich, wie stark dieser Zusammenhalt wirklich ist. Die Gemeindevertretung und ihre Fraktionen haben mit ihrem Beschluss den Rahmen geschaffen, in dem diese Gemeinschaft bestehen und wachsen kann.
Mit dem Beschluss vom 22. Juni haben die Fraktionen der Gemeindevertretung einen wichtigen Schritt getan. Einen Schritt, der Mut erfordert. Einen Schritt, der Verantwortung zeigt. Einen Schritt, der uns als Gemeinde stärkt. Ich bin überzeugt, dass Mossautal aus dieser Phase nicht geschwächt, sondern gefestigt hervorgehen kann – wenn wir diesen Weg gemeinsam weitergehen, mit Offenheit, Respekt und dem Bewusstsein für das, was uns verbindet. Die breite Zustimmung der Fraktionen ist ein starkes Zeichen dafür, dass wir diesen Weg gemeinsam gehen wollen. Sie ist ein Zeichen dafür, dass wir bereit sind, Verantwortung zu übernehmen, statt sie zu verschieben. Und sie ist ein Zeichen dafür, dass wir an die Zukunft Mossautals glauben – nicht als abstrakte Idee, sondern als gemeinsames Projekt, das wir mit Entschlossenheit, Augenmaß und Zusammenhalt gestalten. Die kommenden Jahre werden uns fordern, aber sie bieten uns auch die Chance, Mossautal neu auszurichten, zu stärken und zukunftsfähig zu machen. Die Fraktionen haben die Grundlagen dafür gelegt.
Jetzt gilt es, diesen Weg konsequent weiterzugehen.
Trotz aller Herausforderungen, die wir in den vergangenen Monaten offen benannt haben, bin ich zutiefst davon überzeugt, dass Mossautal gute und realistische Chancen hat, gestärkt aus dieser Phase hervorzugehen. Die getroffenen Entscheidungen sind kein Endpunkt, sondern ein Anfang – ein Fundament, auf dem wir aufbauen können. Sie schaffen Klarheit, Verlässlichkeit und Planungssicherheit. Und sie eröffnen uns die Möglichkeit, wieder nach vorne zu schauen, statt nur auf das zu reagieren, was uns einholt. Die kommenden Jahre werden uns die Chance geben, zentrale Bereiche unserer Gemeinde neu auszurichten. Wir werden in der Lage sein, Investitionen nicht länger aufzuschieben, sondern gezielt dort zu tätigen, wo sie den größten Nutzen entfalten: in unsere Infrastruktur, in unsere Trink- und Abwassersysteme, in unsere Straßen, in unsere öffentlichen Gebäude, in Energieeffizienz und Digitalisierung. All das sind Bereiche, die nicht nur Kosten verursachen, sondern Lebensqualität schaffen – heute und für kommende Generationen.
Gleichzeitig eröffnet uns die finanzielle Stabilisierung die Möglichkeit, das Ehrenamt, die Vereine und die vielen Initiativen, die unser Gemeindeleben prägen, wieder stärker zu unterstützen. Eine handlungsfähige Gemeinde ist die beste Grundlage für ein lebendiges Miteinander. Wenn wir heute Verantwortung übernehmen, schaffen wir morgen die Voraussetzungen dafür, dass Kultur, Sport, Feuerwehr, Jugend- und Seniorenarbeit und viele andere Bereiche weiterhin gedeihen können. Diese Strukturen sind das Herz unserer Gemeinschaft – und sie verdienen eine stabile Basis.
Auch wirtschaftlich bietet sich Mossautal in den kommenden Jahren die Chance, neue Impulse zu setzen. Eine solide Haushaltslage schafft Vertrauen – bei Bürgerinnen und Bürgern, bei Unternehmen, bei möglichen Investoren und bei Partnerkommunen. Sie ermöglicht es uns, Projekte anzustoßen, Kooperationen zu vertiefen und Fördermittel gezielt zu nutzen. Viele Programme von Bund und Land setzen eine geordnete Haushaltsführung voraus. Mit dem nun eingeschlagenen Weg erfüllen wir diese Voraussetzung und können Chancen nutzen, die uns bisher verschlossen waren.
Vor allem aber eröffnet uns dieser Weg die Möglichkeit, wieder selbst zu gestalten. Eine Gemeinde, die finanziell stabil ist, kann Prioritäten setzen, kann Schwerpunkte definieren, kann Zukunft planen. Sie ist nicht Getriebene, sondern Handelnde. Genau das ist unser Ziel: Mossautal soll nicht nur bestehen, sondern sich entwickeln. Es soll nicht nur reagieren, sondern agieren. Es soll nicht nur verwalten, sondern gestalten.
Ich bin überzeugt, dass wir gemeinsam die Kraft haben, diesen Weg zu gehen. Die breite Zustimmung der Gemeindevertretung zeigt, dass die politischen Kräfte unserer Gemeinde bereit sind, Verantwortung zu übernehmen und gemeinsam zu handeln. Und ich bin ebenso überzeugt, dass auch die Bürgerschaft diesen Weg mitgehen wird – nicht, weil er leicht ist, sondern weil er notwendig und richtig ist. Mossautal hat in seiner Geschichte immer wieder gezeigt, dass es Herausforderungen meistern kann. Wir haben eine starke Gemeinschaft, engagierte Bürgerinnen und Bürger, lebendige Ortsteile, eine reiche Vereinslandschaft und eine Verwaltung, die bereit ist, neue Wege zu gehen. All das sind Stärken, auf die wir bauen können. Und all das sind Gründe, hoffnungsvoll in die Zukunft zu blicken.
Die Entscheidungen der vergangenen Wochen waren schwer – aber sie waren richtig. Und sie eröffnen uns die Möglichkeit, Mossautal zu einer Gemeinde zu machen, die nicht nur stabil ist, sondern zukunftsfähig.
Einer Gemeinde, die ihren Kindern und Enkeln nicht Lasten hinterlässt, sondern Chancen. Einer Gemeinde, die stolz auf das sein kann, was sie gemeinsam erreicht hat.
Ich bin dankbar für das Vertrauen, das Sie mir und den Gremien entgegenbringen. Und ich bin zuversichtlich, dass wir gemeinsam ein Mossautal gestalten werden, das lebenswert, stark und voller Perspektiven bleibt.