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Ausgabe 35/2026
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August 2026: Was wird nach diesem Dürresommer mit der Obsternte?

Das fragen sich die Mitglieder des Fördervereins Odenwälder Apfel e.V. ebenso wie unzählige Obstwiesenbesitzer. Obwohl die meisten Bäume in Wald und Flur in diesem Mastjahr so voller Früchte hängen wie selten zuvor, beginnen sie bereits Anfang August aufgrund der wochenlangen Trockenheit und Hitze, diese Früchte abzuwerfen. Ein paar Tage später beginnt auch das Laub zu welken. Dann sind die Bäume - im Wald ebenso wie auf der Streuobstwiese oder im Garten - der Hitze schutzlos ausgeliefert und können absterben. „Aktuell fangen auch ältere Bäume an, sich zu schützen, indem sie Blätter abwerfen – sie haben dann weniger zu versorgen. Dies bedeutet jedoch auch eine Schwächung, da die Assimilation, also die Produktion von Nährstoffen über die Blätter, weniger wird. Die Versorgung des Baumes wird hierdurch vermindert. Denn die Assimilate werden in der Wurzel sowie in Ästen und Stamm eingelagert und stehen dem Baum im Winter und zu Start des Folgejahres zur Verfügung“, so Vereinsmitglied Anke Braun (Kelterei Krämer).

Solange man noch Regenwasservorräte hat, kann man Obstbäume wässern. Trinkwasser dafür zu nehmen, ist eigentlich keine Option, da mancherorts bereits aufgrund von Waldbränden vom Duschen und Baden abgeraten wird, um Wasser verfügbar zu halten.

Im Garten kann man sich die Wassergabe für verschiedene Pflanzen einteilen: der Rasen bekommt nichts und ist braun, Zierpflanzen gehen ebenfalls leer aus, sobald die Fässer leer sind. Obstbäume, Tomaten und Gemüsepflanzen bekommen das aufgefangene Leitungswasser - das können in einem Zweipersonenhaushalt schon gut 20 Liter sein (natürlich ohne Seife, Essig oder andere für Pflanzen schädliche Zusätze).

Da aber Streuobstwiesen meist nicht in der Nähe von Dachregenrinnen liegen, muß das Wasser dort mühsam hingebracht werden. Pro Baum müssen momentan jeden zweiten Tag zwischen 30 und 50 Liter gewässert werden. Wer eine Zisterne hat, kann jetzt noch die letzten Regenwasserbestände nutzen, besonders frisch gesetzte Bäumchen brauchen unbedingt Wasser. Unter der Hitze leiden alle, und einige zeigen bereits Befall mit Rindenbrand, einer gefährlichen und ansteckenden Baumkrankheit. Wie oft und wieviel jeder Baum gewässert werden muß, hängt vom Standort und vom Baumalter ab, es wird empfohlen das Blattwerk zu beobachten. Daran läßt sich erkennen ob der Baum unter Wassermangel leidet.

Die Mitglieder des Fördervereins Odenwälder Apfel e.V. setzen sich aus Baumbesitzern und gewerblichen Obstvermarktern zusammen: Gastronomie, Keltereien, Brennereien.

Wo bekommt man Odenwälder Obst – und wo kann man es zum Keltern oder Brennen abgeben?

Die ersten Pflaumen sind bereits vom Baum gefallen, auch Äpfel sieht man überall in der Landschaft bereits am Boden. In Gemeinden wie z.B. Breuberg darf man Obst nicht nur vom Boden auflesen, sondern auch ernten: an den Bäumen mit einem gelben Band. Aber: "Wild ernten ohne gelbes Band ist nicht schön. Ein Teil meiner Bäume stehem am Wiesenrand / Feldwegrand und die Bevölkerung meint, die sind der Gemeinde, die macht eh nix. Ist doch nur ein Korb oder eine Stofftasche voll.... Nur wenn gelbe Bänder an den Bäumen angebracht sind, darf schonend geerntet werden. Auf keinen Fall darf beim Klettern alles zusammengerissen werden, gerade bei Steinobst", so ein privater Obstwiesenbesitzer.

Da es schade ist um jeden Apfel, der am Boden verfault und wir in diesem Jahr mit sehr viel Fallobst rechnen müssen, empfiehlt sich beispielsweise das Einkochen von Apfelbrei. Mitglied Wolfgang Jahn meint dazu: "Es wäre schön, wenn die Steuobstwiesen-Besitzer das Obst auch ernten würden!!! Viele Wiesen sind verweist, das Obst liegt am Boden oder verfault am Baum." Er ist privater Baumbesitzer und keltert sein Obst meist selbst für den Eigenbedarf, rechnen aber mit einer schlechten Ernte - aus den genannten Gründen. Auch Christine Hartmann, Rektorin der Reichenberg-Schule in Reichelsheim und engagiertes Vereinsmitglied, kann die gewohnten - und sehr beliebten Projekte an ihrer Schule noch nicht planen: "Ich kann noch nicht genau sagen, wann wir mit den Patenkindern der Vorklasse und den 3 ersten Klassen und den vierten Klassen keltern, da ich nicht weiß, wann und ob wir Äpfel zum keltern bekommen. Auf unserer Streuobstwiese sind nur wenige Äpfel: von 23 Bäumen tragen dieses Jahr nur 3 und diese werfen schon die Äpfel ab. Normalerweise ist dies ein Projekt der Reichenberg-Schule welches jährlich vor den Herbstferien stattfindet."

Einer der ehrenamtlichen Obstbaumfachwarte des Vereins betreut einen Altbestand, ohne zu gießen. Er keltert seinen Eigenbedarf an Äpfeln von ca. 150 kg im praktischen bag-in-box System. Den Rest der - normalerweise zu erwartenden - 500-600 kg Äpfel liefert er an eine regionale Kelterei. Dieses Jahr rechnet er mit 40% der normalen Ernte.

Ein anderer Vereins-Fachwart aus Vielbrunn: "Einschätzen, wie viel auf dem Baum hängt ist schwer - besser gesagt, was nach der Trockenheit überbleibt und wie die Qualität sein wird. Es fallen viele Äpfel jetzt schon, und größer werden sie auch nicht mehr." Er nutzt normalerweise seine 3 Tonnen Ernte für eigenen Saft und Apfelwein und bringt den Überschuß zur regionalen Kelterei. Dieses Jahr hofft er auf eine Tonne Ernte. Wieder ein anderes Vereinsmitglied aus dieburg rechnet dieses Jahr mit Null Ernte - bei normalerweise 6 Tonnen! Er würde gerne Obst einlagern, Apfelwein machen und den Überschuß an Schlaraffenburger (gemeinnützige GmbH mit dem Ziel, Streuobst als Kulturlandschaft, Lebensraum und Grundlage gesunder Lebensmittel) verkaufen. Ein weiterer Apfel-Streuobstliebhaber hat verschiedene Obstwiesen mit ca. 60 Apfelbäumen (Hochstamm). Er keltert für den eigenen Gebrauch ca. 120 Liter Most/Apfelwein aus den Sorten Schafsnase, Rheinischer Bohnapfel und Trierer Weinapfel. Der Rest wird "in guter Familien-Tradition mit Kindern /Enkeln Schwester Schwager" gesammelt und an hiesige Keltereien geliefert. Dieses Jahr rechnet er mit 3 Tonnen.

Bei einigen Keltereien beginnt die Obstannahme vorgezogen (z.B. Kelterei Krämer in Beerfurth ab 28. August), auch weil viele Obstbesitzer das unreif gefallene Obst durch Keltern retten möchten. Zum Keltern können auch Äpfel mit Sonnenbrand und frisch gelesenes Fallobst gebracht werden, vom verfrühten Abernten der Bäume wird jedoch abgeraten. Alle Keltereien im Verein finden Sie auf www.odenwaelder-apfel.de Rubrik "Apfelmacher" unter dem Reiter Keltereien oder Apfelwinzer.

Auch die Mitgliedskollegen der brennenden Zunft nehmen gerne Obst an. Dabei achten sie darauf, daß das eingemaischte Obst sortenrein mit einem pH-Wert von 2,8-3,2 und vergoren mit Reinzuchthefe ohne Zusätze wie Zucker oder Konzentrat angeliefert wird. Andere übernehmen das Einmaischen für Stoffbesitzer, oder man erhält vor Ort alle notwendigen Zutaten wie Hefe oder Pektinase. Weitere Informationen und Terminvereinbarung für die Anlieferung können direkt mit den Mitgliedsbetrieben vereinbart werden, zu finden sind sie auf www.odenwaelder-apfel.de Rubrik "Apfelmacher" unter dem Reiter Brennereien.

 

Information zum Rindenbrand: https://www.odenwaelder-apfel.de/fachwarte/fachinformationen/schwarzer-rindenbrand/

Marieta Hiller, Schriftführerin Förderverein Odenwälder Apfel e.V. - August 2026