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Ausgabe 4/2026
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Die Güttersbacher Lehrer und die Schulgeschichte – Teil IV.

Von Robin Helm

Carl Georg Wilhelm Pabst

*25. April 1853 Pleitersheim +24. Januar 1927 Darmstadt.

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Amtszeit in Güttersbach: vom 11. November 1877 bis zum 28. März 1881.

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Sohn des Großherzogl. Schulvikars Wilhelm Pabst zu Pleitersheim.

Werdegang:

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1869 bis 1872 Bildung im Seminar zu Friedberg.

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1872/1873 in Gumbsheim.

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1873 bis 1876? Steinbach bei Erbach mit Asselbrunn.

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Von Haingrund kommend nach Güttersbach (lt. Lehrerchronik).

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1877 bis 1881 in Güttersbach.

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1881 nach Olfen.

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1889 bis 1895 Lehrer an der Gemeindeschule zu Ober-Saulheim.

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1895 bis 1909 Lehrer zu Haisterbach.

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1909 bis 1916 Lehrer an der Gemeindeschule zu Bermersheim, Kreis Worms.

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Am 27. Mai 1916 Verleihung des Silbernen Kreuzes des Verdienstordens „Philipps des Großmütigen mit der Krone“ anlässlich seiner Ruhestandsversetzung.

Vorkommnisse:

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Wie aus einem Bericht des Güttersbacher Schulvorstandes vom 01. November 1877 hervorgeht, war Pabst bereits vor seinem Amtsantritt in Güttersbach negativ in Erscheinung getreten: „Es hat sich hier das Gerücht verbreitet, daß man höheren Orts beabsichtige, den Schulverwalter Pabst, dermalen in Haingrund, zum Verwalter unserer Schulstelle zu ernennen. Für den Fall, daß dieses Gerücht auf Wahrheit beruht, fühlen wir uns gedrungen, einer hohen Behörde gehorsamst vorzustellen, daß wir es für einen großen Schaden für unsere Gemeinde erachten müßten, wenn Pabst an unsere Schule wirkte. Als Schulgehülfe zu Unter-Mossau hat derselbe einen anstößigen Lebenswandel geführt und sich auch schon hier in Güttersbach derart betragen, daß weder Erwachsene noch Kinder vor ihm die Achtung haben können, welche die gedeihliche Wirksamkeit eines Lehrers unerläßlich ist. Nachdem unsere Schule ein halbes Jahr lang durch auswärtige Lehrer versehen worden ist, und bei diesen Nothbehelf gewiß nicht die Fortschritte gemacht worden sind, welche unter normalen Verhältnissen gemacht worden wären, so müßen wir es für durchaus wünschenwerth erachten, daß unsere Schulstelle mit einem Manne besetzt werde, welcher nicht nur unbescholten im Lebenswandel, sondern auch ordnungsliebend und pflichttreu ist.“

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Schuljahr 1877/1878: 66 Kinder (37 Knaben/29 Mädchen).

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Im Dezember 1877 wurden diverse Reparaturen zur Versteigerung an Handwerker genehmigt, die der verstorbene Lehrer Selzer bereits angemahnt hatte (u.a. Scheuerdach umdecken und neue Plattziegel verlegen, den Schweinestall pflastern, neue Lärchenbalken für die Scheuer, neuer Lattenzaun, Speichertür sowie Speicherboden, hölzernes Hoftor durch 260 kg Schmiedeeisernes Tor „von gutem Schmiedeeisen mit Drahtstäben“ ersetzen, ein 7 Kilo schweren Kupfer Kessel anschaffen).

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1877/1878 wurden die Weihnachtsferien verlängert, da viele Kinder die Röteln hatten.

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Rechnung vom Februar 1878 über die Fertigung von Turngeräten für die Kinder durch Johannes Stein.

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Im Februar/März 1878 wurde Pabst zu einer 12-tägigen Militärübung eingezogen. Er wurde am Gewehr M71 ausgebildet.

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Am 09. April 1878 fand eine ordentliche Visitation durch die Großherzogliche Kreisschulkommission statt.

Pabst fange die Schule manchmal zu spät an.

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Im Schuljahr 1878/1879 zählte die Schule 62 Kinder (37 Knaben/25 Mädchen).

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Ende August 1878 bis 15. September 1878 war die Schule wegen Scharlach und Halsbräune geschlossen. Fünf Kinder verstarben, darunter zwei Schulpflichtige / am +26. August 1878 Elis. Marg. Menges (*1871) und am +04. September 1878 Ludwig Fornoff (*1870).

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Am 19. Februar 1879 berichtet der Schulvorstand Güttersbach, dass Pabst „viele Schulden contrahiert hat, und für die Abtragung derselben nicht in der rechten Weise besorgt ist. Frau Lehrer Selzer (die Wittwe des im Herbst 1877 verstorbenen Lehrers Selzer), welche bei ihm im Hause wohnt und ihm für die Kost, Wäsche, Bett, Ausbessern der Kleider u. dergl. sorgt, hat schon öfters bei dem Unterzeichneten [Pfarrverwalter Fink] Klage darüber geführt, daß Pabst ihr nicht rechtzeitig bezahle, vielmehr nur so kleine Abschlagszahlungen leiste, daß seine Schulden bei ihr von Monat zu Monat wachse […].“ 1880 wurde hierzu noch festgehalten, dass Pabsts Verhalten gegenüber der Frau Selzer „ein gemeines, schäbiges, gewissenloses, wie es für einen Lehrer, für ein Vorbild der Jugend durchaus unwürdig ist.“

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Tatsächlich sind gegen Lehrer Pabst noch weitere Klagen bekannt, so vom März 1878 von Georg Neff II. aus Mossau, vom November 1878 von Zacharias Demuth aus Rimbach, vom April 1879 von S. Meyer und Söhne aus Darmstadt.

Es wurde stets um Begleichung der Schulden mittels Verpfändung des Lehrergehalts gefordert.

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Trotzdem wurden 1879/1880 auch positive Aspekte über Pabst festgehalten: „Er zeigt sogar einen recht löblichen Eifer im Dienste, und der Zustand der hiesigen Schule ist nach unserem Ermessen kein schlechter.“ Und „er hat die Schule von seinem Vorgänger [Selzer] in einem sehr vernachlässigten Zustand übernommen. Es ist unter seiner Leitung sichtlich in die Höhe gegangen.“ Pabst könnte ein tüchtiger Lehrer sein, wenn er nur einen besseren, solideren Lebenswandel führen würde. Seine kirchlichen Funktionen leiste er zur Zufriedenheit des Geistlichen. Dem Laster des Trinkens scheine er abgesagt zu haben. Jedoch wurde er bereits wenig später (1880) erneut wiederholt betrunken gesehen.

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1879/1880: 63 Schulkinder (39 Knaben/24 Mädchen).

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1879 reparierte Jakob Foshag den Briefkasten.

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September 1879 Sedantag: Spaziergang nach Ober-Mossau.

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Am 29. Dezember 1879 starb der Schüler Johann Jakob Meckes (*1870) und am 09. Februar 1880 sein Bruder Ludwig Wilhelm Meckes (*1873) an Diphterie.

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31. Januar 1880: Schulverwalter Pabst hielt in den vergangenen Monaten nicht immer die vorgeschriebene Schulzeit ein. Auch aufgrund der Mäßigkeit im Genuss alkoholischer Getränke. Trotz Warnungen, Ermahnungen und Strafen fiel Pabst immer wieder durch seinen Hang zum Trinken auf.

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„Schulverwalter Pabst dahier führt einen Lebenswandel den wir mit dem besten Willen auf Pflicht und Gewissen genommen, nicht loben können. Bezüglich seines dienstlichen Verhaltens fehlt es sehr oft an Eifer und an gutem Willen und außerordentlich an Moralität.“

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Im März/April 1880 wurde Pabst aufgefordert endlich seine noch ausstehende Staatsprüfung abzulegen, da das Schullehrerseminar nun bereits 7 Jahre zurückliege. Überdies habe er die Achtung der Bevölkerung verloren und er übe keinen sittlichen Einfluss auf die Kinder aus. Die Gemeinde ersehnte sich bei höherer Behörde eine Versetzung des Schulverwalters Pabst, welcher aber nicht entsprochen wurde.

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Am 22. März 1880 war Kaisers Geburtstag (Wilhelm I.). Anlässlich dieses Tages fand ein Spaziergang zum Siegfriedbrunnen statt.

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Schuljahr 1880/1881: 59 Kinder (36 Knaben/23 Mädchen)

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Mai 1880: Lehrer Pabst führe einen „luderlichen und leichtsinnigen Lebenswandel“.

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Am 17. Juli 1880 einigten sich die Kirche sowie die Gemeinde Güttersbach über die Unterhaltung des Schulgebäudes in einem Vergleich. Neben dem Schulhaus wurde nun auch der an die Schule angebaute Abtritt und die Schulscheuer samt Schweineställen gemeinschaftlich unterhalten. Das Schultor sowie die Umzäunung des Schulgartens trug fortan die Gemeinde Güttersbach allein. Laut einem Schreiben hätte die Kirche als vorheriger Besitzer des alten Schulhauses sämtliche Kosten am Schulgebäude selbst tragen müssen. Jedoch habe „der öftere Wechsel in der Person des Bürgermeisters zu Güttersbach und die geistige Überlegenheit des Pfarrers zu Güttersbach dazu beigetragen“, dass die Gemeinde immer wieder nachgab und für Kosten am Schulgebäude aufkam, für die sie rechtlich nicht zuständig gewesen wäre.

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1880 lag das Schullehrer Gehalt bei 900 Mark im Jahr.

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Sedantag am 02. September 1880: Wirt Nikolaus Arras bringt Wecke und ein Fässchen Bier für Verteilung an die Schulkinder. Spaziergang zur Tromm.

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Am 25. Oktober 1880 entrichtete Pabst eine Disziplinarstrafe von 10 Mark.

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Am 18. Januar 1881 wurde die Schule durch eine ordentliche Visitation geprüft.

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Ende März 1881 endete Pabsts Amtszeit in Güttersbach. Er war die gesamte Zeit hindurch Schulverwalter geblieben und wurde nicht zum definitiven Lehrer ernannt.

Johann Heinrich Schuster

*29. Dezember 1809 Friedberg + 1890 Glauberg/Lauterbach?

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Amtszeit in Güttersbach: vom 11. April 1881 bis zum 06. Mai 1883.

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Erster Sohn von insgesamt sechs Kindern des Schreibers und Schreiners Johann Adam Schuster (*1774 +1837).

Werdegang:

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1828 Hilfslehrer in Wiesbaden.

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Mai 1831 Definitorialprüfung bestanden

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1831/1832 Schulverwalter in Oberau.

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1832 bis 1834: Dritter Lehrer in Laubach.

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1835 bis 1863: Zweiter Knabenlehrer und Kantor in Lauterbach.

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1863 bis 1868: Zweiter Mädchenlehrer in Lauterbach.

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1868/1869 Erste Pensionierung. Laut Schuster sei seine letzte Stelle eingegangen. Deshalb sei er pensioniert worden. Die Kreis-Schulkommission hatte in Ihrer Klassifikationstabelle jedoch „Unerträglichkeit, Ungehorsam und Nachlässigkeit“ als Gründe der ersten Pensionierung vermerkt.

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1879 bis 1881 Lehrer in Olfen.

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1881 bis 1883 Lehrer in Güttersbach.

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1883 Zweite Pensionierung. Danach nach Glauberg verzogen.

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Eheschließung 1835 mit Henriette Luise Triebert (*1815 +1857), mind. 3 Kinder.

Vorkommnisse:

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Schuster und Pabst tauschten die Schulstellen: Güttersbach-Olfen. Schuster wurde von Beginn an als definitiver Lehrer angestellt.

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Schuljahr 1881/1882: 58 Schulkinder.

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Schuster wird als ein wissenschaftlich sehr gebildeter, namentlich in der Musik sehr tüchtigen, aber bei dem hiesigen Volke nicht sonderlich beliebten älteren Manne beschrieben.

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Er wurde gegen den Willen der Güttersbacher Ortseinwohner hierher versetzt. Ein echtes Vertrauensverhältnis zwischen Lehrer und Ortseinwohner entwickelte sich nie.

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Bereits vom 21. Mai 1881 ist ein Bericht des Güttersbacher Schulvorstands überliefert, in welchem Lehrer Schuster Unfähigkeit und Unreinlichkeit vorgeworfen wird. „Die seitherige Verwaltung der Schule zu Güttersbach durch den Vicar Pabst ließ viel zu wünschen übrig, doch sind wir durch den neuerdings stattgefundenen Wechsel in eine weit schlimmere Lage versetzt worden.“ Man habe die Wehklagen aus Olfen, wo Schuster zuvor Lehrer gewesen war, seinerzeit nicht ernst genommen, aber man sei nun leider vom Gegenteil belehrt worden.

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1881: Anschaffung einer Violine für den Lehrer und Musiker Heinrich Schuster sowie 50 Bücher für die Schuljugend.

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Mai 1881: Die Industrielehrerin Eva Christine Selzer (Witwe des Lehrers Christian Ernst Selzers) verließ Güttersbach. Ihre Nachfolgerin eine Verwandte des hiesigen Pfarrverwalters Johann Georg Backhaus (*1853 +1882): Bertha Backhaus.

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Aus einer am 15. Juni 1881 durchgeführten Schulinspektion bemerkte der Prüfer folgendes: „Um 7 Uhr betrat ich das Schulhaus, es hatte noch nicht geläutet, ein Junge stand an der Thüre mit dem Schlüssel zur Kirche. Auf meine Frage, warum er nicht läute, sagte er, er habe noch keinen Auftrag vom Lehrer Schuster.“ Schuster hörte aus seiner Schlafstube die Stimme des Prüfers […] und bemerkte, es sei ihm gesagt worden, das Läuten gehe ihn nichts an, der Glöckner habe dafür zu sorgen. Es wurde jetzt geläutet und 10 Minuten nach 7 begann der Unterricht mit Gesang und Gebet. […]. In einigen Gegenständen, wie Religion und bibl. Geschichte waren die Kinder genügend unterrichtet, in anderen weniger wie z.B. im Kopfrechnen. Bei dem Geschichtsunterricht konnte ich bemerken, daß Schuster mitunter zu viel spricht, ohne auf die Sache einzugehen. Im Gesang hat Schuster, trotz seiner musikalischen Begabung, wenig geleistet, kein Lied wurde rein gesungen. Turnunterricht hat Schuster bis jetzt nicht ertheilt.“

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Am 12. September 1881 fand ein Spaziergang der Schuljugend nach Etzean anlässlich des Geburtstages des Großherzoges Ludwig IV. statt.

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Der Sedantag September 1881 wurde im Schulsaale begangen, aufgrund der schlechten Witterung.

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November 1881: Schuster halte den Stundenplan nicht ein.

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Am 16. Januar 1882 starb Pfarrverwalter Backhaus in Güttersbach. Wegzug der Industrielehrerin Bertha Backhaus. Jene wurde durch Anna Margaretha Kiehl geb. Rein (*1846 +1913) ersetzt.

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Ebenfalls am 16. Januar 1882 führte die Kreis-Schulkommission eine Inspektion der Schule durch. Teilweise unter Tränen sagten die Kinder folgendes aus: „Lehrer Schuster habe fast alle Tage so unreinliche Augen, daß ihm die ´Brühe´ das Gesicht herunter laufe, auch habe er öfters, […] eine so große ´Rotznase´ gehabt, daß sie Ekel bekommen und nichts hätten essen können. Einige hätten sogar Erbrechen gehabt.“ Die Ausflüsse blieben ihm im Bart hängen und der Gebrauch des Samttuchs sei ihm fremd. Man könne dem Lehrer nicht ohne Ekel ins Angesicht schauen. „Wiederholt seien ihm kleine Thierchen Filzläuse aus den Kleidern herausgelaufen. Täglich koche er Milch im Ofen, diese laufe mitunter oft über, wodurch ein solcher Gestank in der Schulstube entstehe, daß mans nicht aushalten könne. Auch trinke er die Milch während des Unterrichts und die Kaffeetasse stand fortwährend auf dem Tisch.“ Schuster benutze den Schulsaal samt Ofen als Küche. „Manchmal würden Fleisch und andere Sachen im Schulofen gekocht. Fenster dürften nicht geöffnet werden […].“

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Außerdem bediene sich der Lehrer nur des Erzählens von Geschichten: „Schuster erzähle Vieles, was gar nicht in die Schule gehöre, so vom Gänse stopfen, Juden taufen. Meistens erzähle er, halte den Stundenplan nicht ein und lernten sie dadurch sehr wenig. Und den kleinen Kindern habe er Lieder geübt, die nicht in die Schule gehörten. Wie: Ei, wo bleibt mein Joseppchen und Heio Popeio, schlags Gickelchen todt. In den Singstunden habe er schon gesungen, wie die Leiern sängen. […] sein Unterricht ist daher wenig anregend und sind seine Leistungen kaum befriedigend, insbesondere in den Realien [Erdkunde, Naturkunde, Geschichte] gering.“

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Schuster wird als ein geiziger alter Mann beschrieben, der jede Ausgabe zu vermeiden sucht: „der Geiz die Wurzel allen Übels bei ihm“.

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Eine Haushälterin nahm sich der verwitwete Lehrer nicht: „seine Verköstigung besorgt er selbst ebenso seine Wäsche, Reinigung der Zimmer,…“. Schusters Anzug sei sehr schmutzig und sein Wohnzimmer „glich mehr einer Köhlerhütte“, überall lägen Bücher und schmutzige Wäsche umher. Dieser Zustand sei eines Lehrers unwürdig.

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Dagegen sah sich Schuster als Opfer einer Verschwörung. Die Elternschaft wolle seine Entfernung erzwingen und die Aussagen der Kinder, seien diesen in den Mund gelegt. Aufgrund der widrigen Umstände hatten sich die Bewohner sogar im Januar 1882 verabredet ihre Zöglinge nicht mehr in die Schule zu schicken.

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Die Kreis-Schulkommission erteilte dem Lehrer Schuster am 03. Februar 1882 einen scharfen Verweis sowie eine Disziplinarstrafe von 20 Mark und man drohte ihm eine Suspension vom Dienst an, wenn er sich nicht bessern würde. Den Eltern und dem Schulvorstand wurde aufgetragen die Kinder unverzüglich wieder in die Schule zu schicken, was diese auch taten.

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Am 23. April 1882 kam Pfarrverweser Heinebach hierher.

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Schuljahr 1882/1883: 53 Schulkinder.

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1882: Wiederherstellung der Schulhaustreppe durch Maurer Konrad Krämer zu Hüttenthal für 11,93 Mark.

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Am 16. Juli 1882 ordentliche Kirchenvisitation durch Herrn Superintendenten Dr. Sell von Darmstadt.

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12. September 1882: Spaziergang nach Gras-Ellenbach und von da zum Siegfriedbrunnen. Danach den Geburtstag des Großherzogs im Schulsaal gefeiert.

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Am 15. Februar 1883 Visitation durch Großherzogliche Kreisschulkommission Erbach.

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Im März 1883 gab der 73-jährige Lehrer Schuster schließlich den Drängen der Bevölkerung sowie der Behörden nach und reichte ein Gesuch zwecks seiner Pensionierung ein.

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Am 06. Mai 1883 legte Schuster offiziell, hauptsächlich durch die unfreundliche Gesinnung der hiesigen Leute bewogen, sowie durch erheblichen Druck von Seiten der Kreis-Schulkommission und des Schulvorstandes sein Amt nieder. Die Stellung Schusters war unhaltbar geworden und es könne „nur durch seine Entfernung der Friede in der Gemeinde wieder hergestellt werden.“ Er trat in den Ruhestand ein und verzog noch bei guter Gesundheit nach Glauberg.

Carl Friedrich Wilhelm Roth

*28. August 1860 Hüttenfeld +23. Januar 1909 Wimpfen a. Berg (Bad Wimpfen).

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Amtszeit in Güttersbach: 07. Mai 1883 bis 30. April 1885.

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Sohn des früheren Güttersbacher Lehrers Johann Ludwig Roth (1853 bis 1857 in Güttersbach).

Werdegang:

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Vor Güttersbach in Rodau tätig.

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1883 bis 1885 in Güttersbach.

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Nach Güttersbach in Kortelshütte.

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1888 zum Lehrer an der Gemeindeschule zu Rai-Breitenbach berufen.

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1895 bis 1909 Lehrer an der Gemeindeschule zu Wimpfen.

Vorkommnisse:

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Schulvorstand 1883: Ludwig Beisel als Bürgermeister, Wilhelm Hörr, Jakob Beisel, Adam Helm und Pfarrverwalter Heinebach.

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Sedantag: 02. September 1883: Ansprache Bürgermeister Beisel im Schulsaal. „Der Lehrer hielt eine kurze Ansprache über die Bedeutung des Tages und suchte auf den Geist von 1813 hinweisend, echt deutsche Gesinnungen in seinen Schülern zu erwecken.“

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12. September 1883: Geburtstag des Großherzogs. Nach der Schulfeier ging es nach Hetzbach (10 Kinder beteiligten sich nicht am Ausflug).

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Am 10. und 11. November 1883 beging man die 400-jährige Lutherfeier. Die Schuljugend sang verschiedene Lieder, hauptsächlich Lutherlieder. Alle Lehrer des Kirchspiels waren anwesend. Es wurde eine Luthereiche auf dem Kirchengelände gepflanzt.

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Am 26. Oktober 1883 Visitation durch Schulinspektor Rückert. Hölzernes Hoftor und Einfriedung um den Hausgarten fehlten teilweise und waren schadhaft. Erforderlichen Turngeräte fehlten weiterhin.

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Am 22. März 1884: Reparatur der Schulabtritte als unbedingt notwendig befunden und erforderliche Turngeräte sollen endlich angeschafft werden (bereits 1881 angeordnet).

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Bericht vom 02. Juli 1884: Einfriedung des Schulgartens und Herstellung der Abtritte erfolgt. Jedoch die Anfertigung eines Hoftores und die Anschaffung der fehlenden Turngerätschaften müsse ins nächste Jahr verschoben werden, weil die finanziellen Mittel hierfür fehlten.

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1884 Siegfriedsbrunnen in Hüttenthal eingeweiht.

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Schuljahr 1884/85: Ein Mädchen durfte nicht in die Schule eintreten, „da sie körperlich und geistig unfähig war.“

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Am 14. Juli 1884 brach morgens ein sehr heftiges Gewitter über Güttersbach herein, in dessen Folge der Unterricht ausgesetzt werden musste. Regen strömte in großen Massen hernieder, und blitzte und donnerte es furchtbar. Einmal schlug der Blitz in einen am Wege nach Beerfelden stehenden Eiche ein und schälte die Rinde an einer Seite von oben bis unten teilweise.

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Sedantag 1884: Pfarrer Heinebach hielt Festrede (Hoch auf Kaiser und Reich). Danach Ausflug zum Siegfriedbrunnen nach Grasellenbach.

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Lehrer Roths Leistungen werden im Ganzen als befriedigend beschrieben. Es gab keinerlei Beschwerden. Dienstbezüge pro Jahr: 600 Mark.

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Oktober 1884: zu später Beginn des Unterrichts, da die Turmuhr unregelmäßig lief.

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April 1885: Schulverwalter Roth hatte sich um die definitive Besetzung der Schulstelle beworben „und sich viel Mühe zur Erlangung derselben gegeben, aber durch seine [Lehrer Roths] zweideutige Gesinnung und sein zweideutiges Benehmen gegen den Geistlichen sich jegliche Aussicht dazu genommen“. Lehrer Roth wurde auf Betreiben des Pfarrers Ludwig Heinebach gegen seinen Willen nach Kortelshütte versetzt.

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Vor seinem Abgang ließ es sich derselbe (Lehrer Roth) noch einmal recht angelegen sein die Gemeinde durcheinander zu bringen.

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Es wurden etliche Seiten aus der Lehrerchronik entfernt!

Teil V. in der nächsten Ausgabe.