Über ein voll besetztes Haus freuen sich die Mitglieder des Fördervereins Güttersbacher Dorfleben bei ihrem Neujahrsempfang.
Mossautals Bürgermeister Andreas Mutschke gibt einen Ausblick auf die kommenden Jahre und erläutert seine Sicht auf die Bedeutung des Ehrenamts.
Außergewöhnliche kulinarische Spezialitäten sorgten für das leibliche Wohl und fanden großen Anklang bei den Gästen.
Zahlreiche Besucher des Neujahrsempfangs verfolgen aufmerksam den Vortrag von Hiltrud Geyer von der Ehrenamtsagentur.
Vereinsvorsitzender Peter Dehnert eröffnet die renommierte IGO-Ausstellung „Zukunft der Dörfer“.
Ein Novum in Mossautal war ein Neujahrsempfang, zu dem erstmals der Förderverein Güttersbacher Dorfleben e. V. eingeladen hatte. Am Wochenende kamen zahlreiche Gäste ins Güttersbacher Dorfgemeinschaftshaus, um gemeinsam ins neue Jahr zu starten und sich über zentrale Themen der Dorfentwicklung und des Ehrenamts zu informieren.
Auf dem Programm standen zwei Vorträge: Mossautals Bürgermeister Andreas Mutschke gab Einblicke in aktuelle kommunalpolitische Herausforderungen und Perspektiven, während Hiltrud Geyer von der Ehrenamtsagentur des Odenwaldkreises die Bedeutung und Förderung ehrenamtlichen Engagements beleuchtete. Für das leibliche Wohl sorgten die Vereinsmitglieder mit außergewöhnlichen kulinarischen Spezialitäten, die bei den Gästen großen Anklang fanden.
Augenzwinkernd eröffnete Vereinsvorsitzender Peter Dehnert den Abend mit dem Hinweis, dass es angesichts des noch jungen Vereins „noch niemanden zu ehren“ gebe. Statt der bei Neujahrsempfängen oft üblichen Grußworte standen daher bewusst die beiden Fachvorträge im Mittelpunkt.
Der Rathauschef blickte zunächst auf seine erst wenige Wochen andauernde Amtszeit zurück und gab einen Ausblick auf die kommenden Jahre. Zahlreiche Projekte seien in der Vergangenheit angestoßen, aber noch nicht abgeschlossen worden. „Ich muss bei manchem erst die Historie begreifen und die Dinge fortführen“, erklärte er. Große Sorgen bereite die finanzielle Lage der Kommunen, auch in Mossautal sei vieles „auf Kante genäht“, manches kaum noch realisierbar.
Als zentrale Herausforderungen nannte Mutschke die Ertüchtigung der Kläranlage. Hier werde unter anderem geprüft, ob ein Anschluss an den Abwasserverband Mittlere Mümling sinnvoll sei. Auch das stark sanierungsbedürftige Kanalnetz stelle die Gemeinde vor große Aufgaben. Zwar könnten durch einen Anschluss an den Verband bei der Unterhaltung des Netzes Kosten eingespart werden, dennoch müssten die Gebühren für die Bürger steigen. Ähnlich problematisch sei die Situation bei den Trinkwasserleitungen: Das über 60 Jahre alte Leitungsnetz sei so marode, dass bereits kleinste Erschütterungen Rohrbrüche verursachten, deren Reparatur schnell Kosten von mindestens 10 000 Euro pro Baustelle verursache. Investitionen seien in der Vergangenheit teils aufgeschoben worden, was zu einem erheblichen Sanierungsstau geführt habe.
Zwar erhalte Mossautal Mittel aus dem Sondervermögen des Bundes, diese könnten die finanzielle Not jedoch nur abmildern, nicht lösen. Zudem sprach Mutschke den Personalmangel im Rathaus an, dem man derzeit aktiv entgegenwirke.
Ein weiteres zentrales Thema sei die bis 2028 vorgeschriebene kommunale Wärmeplanung, die alle Bürger betreffe. Diese werde demnächst von einem Ingenieurbüro durchgeführt und umfasse eine Bestands- und Potenzialanalyse sowie Lösungsansätze zur Erreichung der CO₂-Ziele. Gerade in einer Flächengemeinde sei dies jedoch eine große Herausforderung. Mutschke betonte, dass er dabei auf die Mitwirkung der Bevölkerung hoffe. „2026 ist ein Jahr, in dem wir uns strategisch neu aufstellen werden“, so der Bürgermeister. Erste Erfolge könnten dann ab dem darauffolgenden Jahr sichtbar werden.
Zum Thema Ehrenamt definierte Mutschke zunächst gemeinsam mit den Gästen den Begriff „Ehre“. Seine persönliche Sicht brachte er schließlich auf den Punkt: „Ehrenamt heißt, der Allgemeinheit etwas zu geben und gleichzeitig auch etwas zurückzubekommen.“ Ehrenamtliches Engagement könne im Verborgenen oder in der Öffentlichkeit stattfinden, sei vielfältig und nicht normiert. Ob in Kultur, Bildung, Sport oder Politik, überall sei ehrenamtliche Arbeit unverzichtbar. Menschen, denen im Leben viel Gutes widerfahren sei, könnten ihre Zufriedenheit weitergeben und immaterielle Werte in den Vordergrund stellen. Besonders die ehrenamtliche Arbeit der kommunalen Gremien wolle er aktiv unterstützen.
Hiltrud Geyer stellte anschließend die Arbeit der Ehrenamtsagentur des Odenwaldkreises vor. Bundesweit einzigartig seien die zwei jährlich stattfindenden Freiwilligentage, auf deren Erfolg man sehr stolz sei. Ein weiteres wichtiges Instrument sei die Ehrenamtscard, die Engagierte erhalten können, die sich mindestens fünf Stunden pro Woche ehrenamtlich einsetzen. Die 2007 vom Land Hessen eingeführte Karte biete zahlreiche Vergünstigungen, etwa freien oder ermäßigten Eintritt in Schwimmbäder und Museen. Über 100 Sponsorenpartner beteiligten sich zudem mit weiteren Angeboten.
Darüber hinaus unterstütze die Ehrenamtsagentur die Ausrichtung von Veranstaltungen wie Sportlerehrungen sowie die Verleihung staatlicher Auszeichnungen, etwa Landesehrenbriefen oder dem Bundesverdienstkreuz. Auch für die Qualifizierung von Ehrenamtlichen könnten über die Agentur Fördermittel beantragt werden, so Geyer.
Die beiden Referenten begrüßten den regen Austausch mit dem Publikum, das die Gelegenheit nutzten, ihre Fragen zu stellen, welche von den Vortragenden ausführlich beantwortet wurden.
Zum Abschluss freute sich Peter Dehnert über ein weiteres Projekt des Vereins, denn in Kooperation mit der Gemeinde wurde die renommierte IGO-Wanderausstellung „Zukunft der Dörfer“ nach Mossautal geholt. Die Ausstellung, die sich mit Perspektiven und Herausforderungen des ländlichen Raums beschäftigt, wurde zunächst in Güttersbach eröffnet – drei Transparente waren dort bereits zu sehen – und wird demnächst für drei Wochen im Hiltersklinger Jugendhaus präsentiert. Die genauen Öffnungstermine werden dazu noch bekanntgegeben. Grundlage der Ausstellung war eine Umfrage in Odenwalddörfern zu den Zukunftswünschen der Bevölkerung. Ziel ist es, Bürger zur aktiven Mitgestaltung ihrer Lebensräume zu inspirieren und den Dialog über Dorfentwicklung zu fördern.
Text und Fotos von Dieter Berlieb