Das Jahr 1888 ging als das sog. Dreikaiserjahr in die Geschichtsbücher ein. Wilhelm I. (links) starb fast 91-jährig am 09. März 1888. Dessen Sohn bestieg als Friedrich III. (rechts) den Thron, starb aber bereits nach nur 99 Tagen an Kehlkopfkrebs. So wurde der 29-jährige Wilhelm II. (oben) zum neuen Deutschen Kaiser.
Lageplan von 1891. Anbau eines Abtritts an die Schulscheuer.
Pfarrverwalter Horn erlitt im Dezember 1891 einen Schlaganfall im Schulhaus und fiel dann auf der Eingangstreppe um. Zwei Stunden später verstarb er. Aufnahme des Schuleingangs um 1938.
Blick in den Schulhof ca. 1959/1960. Im Hintergrund ist die alte Schulscheune und rechts der Aufgang zum Schulhaus zu sehen. Die Pflasterung des Schulhofs stammt aus dem Jahre 1892.
Lehrer Hermann Lehr und die Güttersbacher Schuljugend im Schuljahr 1903/1904. Damals zählte die Schule 56 Kinder (28 Knaben und 28 Mädchen).
Adam Sattler
*02. Mai 1859 Airlenbach +?
| - | Amtszeit in Güttersbach: vom 01. Mai 1885 bis zum 13. März 1891. |
| - | Sohn von insgesamt 11 Kindern des Lehrers Jakob Sattler (*1826 +1906). |
| - | Zwei seiner Brüder waren ebenfalls als Lehrer tätig. |
| Werdegang: | |
| - | 1879: sechs Wochen Militärzeit im II. Gr. Hess. Inf. Regt. Nr. 116, 6. Comp. in Gießen. |
| - | 1879? bis 1881 Schulverwalter zu Altenheim, Kreis Schotten. |
| - | Staatsprüfung im April 1880 mit der Note „genügend“. |
| - | 1881 bis 1882 Schulverwalter von Unter-Mossau. |
| - | 1882 bis 1883 Schulverwalter, ab dem 14. Dezember 1883 Lehrer an der Gemeindeschule zu Ober-Hainbrunn. |
| - | Am 09. April 1885 zum Lehrer an der Gemeindeschule zu Güttersbach ernannt. Dienstantritt am 01. Mai 1885. |
| - | 13. März 1891: Suspendierung aufgrund „Verbrechens gegen die Sittlichkeit“. |
| - | Am 19. Oktober 1891 Dienstentlassung aus dem Schuldienst! |
| - | Eheschließung 1882 mit Elise Katharina Fay (*1861 +?), mind. 2 Kinder (1 in Güttersbach geboren). |
Vorkommnisse:
| - | Am 23. Februar 1885 wurde Sattler wie folgt beschrieben: „Die Leistungen des Bewerbers genügen im Allgemeinen, doch könnte er im Ganzen fleißiger und etwas mehr auf seine Ausbildung bedacht sein. Sein außerdienstliches Verhalten hat in letzter Zeit zu keinen Beschwerden Veranlaßung gegeben.“ |
| - | 1885 Skandal am Pfarrhaus: Rekruten feierten lautstark und randalierend bei Wirt Keil „Zur Krone“ ihre Musterung. Ein Teil der Schulkinder beteiligte sich am Unfug der Rekruten, dem lasterhaften Verhalten machte erst der Pfarrer ein Ende und schickte die Kinder heim. |
| - | Anschaffung eines eisernen Hoftores für 103,14 Mark. |
| - | 28. August 1885: Gedenkfeier u.a. am Kriegerdenkmal. Es wurde der Schlacht von Gravelotte gedacht. Ein Festzug mit Musikbegleitung zog durchs Dorf. |
| - | Am 04. Oktober 1885 Sohn Jakob Wilhelm Sattler in Güttersbach geboren. |
| - | Am 20. Oktober 1885 Schulinspektion: Der Schulofen im Schulsaal qualmt. Die Erteilung des Unterrichtes ist sehr erschwert, wenn nicht gar unmöglich. Ein Säulenofen wird angeschafft sowie Ventilationseinrichtungen an den Fenstern installiert. Schutzvorhänge gegen Blendung der Schüler ist nicht vorhanden und öffnen der Fensterflügel ist problematisch. |
| - | Am 21. Oktober 1885: Vergleich zwischen Kirche und Gemeinde wegen Lindenplatz (neu eingerichteter Turnplatz). Schulinspektor Rückert dabei. Der Steinerner Tisch soll wieder an alter Stelle unter den drei Lindenbäumen auf dem Lindenplatz errichtet werden. Die Turngeräte der Schule sollen dorthin, wo früher die Schulscheuer auf dem Lindenplatz stand. Dieser Platz sei jedoch nicht ebenerdig. |
| - | 23. Oktober 1885: Verurteilung des Lehrers Sattler vor der Strafkammer Darmstadt wegen Vergehen im Amt nach § 340 Strafgesetzbuch (Körperverletzung im Amt), zu 15 Mark (evtl. 3 Tage Haft und Kosten). |
| - | 12. April 1886: Gemeinde kommt dem Vergleich mit der Kirche nicht nach. Der Steinerne Tisch stand immer noch an alter Stelle und die Turngeräte wurden nicht an die andere Stelle verbracht. |
| - | 1887/1888: Winter ziemlich hart. |
| - | Dreikaiserjahr 1888: Auf Kaiser Wilhelm I., folgt dessen Sohn Kaiser Friedrich III., nach dessen 99-tägiger Regierungszeit folgt der 29-jährige Kaiser Wilhelm II. nach. |
| - | Am 01. August 1888 Tod der Schülerin Katharina Arras (*1875). |
| - | 1888/1889 wütet den ganzen Winter über Scharlach. Die Schule ist zwei Monate geschlossen (5 Kinder starben); +23. November 1888 Adam Berger (*1882); +25. November 1888 Wilhelm Foshag (*1875); +07. Dezember 1888 Adam Menges (*1882); +23. April 1889 Maria Keil (*1880). |
| - | Wilhelm Keil holt einen neuen Kochherd fürs Schulhaus am Bahnhof Hetzbach ab. |
| - | Juli 1890: Nur ein Abtritt an der Schulhauswand ist vorhanden. Es wird angemahnt einen zweiten Abtritt mit Pissoir für jedes Geschlecht zu errichten. 1891 wurde ein Lageplan hierfür erstellt. |
| - | August 1890: Die Feuerspritze der Feuerwehr befindet sich im Schulhaus. Es wird angemahnt einen besonderen Aufbewahrungsort für die Spritze herzurichten. Laut Aktennotiz wurde vorgesehen eine Räumlichkeit in dem 1891 erfolgten Abortanbau an der Schulscheune dafür einzurichten. |
| - | Am 05. März 1891 reichte Lehrer Sattler ein Urlaubsgesuch ein, da er einen Gestellungsbefehl ab dem 11.März zu einer 10-tägigen militärischen Übung erhalten hatte. Dem Gesuch wurde am 08. März entsprochen. Jedoch konnte es dem Lehrer nicht mehr mitgeteilt werden, weil sich dieser zuvor aus Güttersbach heimlich entfernt hatte. Was war geschehen? Aus einem Bericht vom 12. März 1891 des Fußgendarmen und Stationsführers Germann der Station Beerfelden geht hervor: „[…] im Laufe der vorigen Woche, dem Unterzeichneten die Mittheilung wurde, daß Lehrer Sattler zu Güttersbach, gegen Ende des letzten Jahres an einem Mädchen unter 14 Jahren der Anna Hering Tochter von Rechner Jakob Hering zu Güttersbach, unzüchtige Handlungen begangen habe, welche von den Betheiligten und noch Anderen, damit die Sache nicht zur Anzeige komme, unterdrückt werden solle.“ Schließlich suchte der Gendarm am 06. März den Bürgermeister Beisel sowie den Vater des Kindes in Güttersbach auf. Diese widersprachen den Gerüchten. Laut deren Auffassung beruhten sie auf Unwahrheit und würden von gehässigen Leuten herrühren und sei gar alles erfunden. Der Gendarm verließ ohne Beweise Güttersbach, reichte aber bei Großherzoglicher Staatsanwaltschaft eine Anzeige wegen Verdachts der Tat gegen Lehrer Sattler ein. Am 09. März 1891 erhielt der Gendarm „von Seiten des Herrn Kreisarztes, Medicinalrath Dr. Stubenrauch zu Erbach, die private Mittheilung, daß Lehrer Sattler, der Vater des Kindes, sowie das Kind, am Sonntag den 08. d. Monats bei ihm gewesen und um Untersuchung des letzteren ersucht hätten, was er auch auf Verlangen des Vaters gethan und er gefunden habe, daß dasselbe fleischlich gebraucht gewesen, auch habe dasselbe zugestanden, von dem Rubrikaten zu fragl. Zeit im Walde von Beerfelden gegen Güttersbach gebraucht worden zu sein, zu welchem Geständniß, sich später noch ein weiteres gesellte. Die in der Nacht von Montag auf Dienstag 08/09. d. Monats von dem Unterzeichneten beabsichtigte Verhaftung derselben, konnte nicht erfolgen, da derselbe nicht zu Hause betroffen wurde, und nach Angabe seiner Ehefrau nach Darmstadt gerreißt sei und anderen Tages wieder zurückkäme. Da Rubrikat bis heute noch nicht zurückgekehrt ist, auch die bis jetzt auf das Eifrigste angestellten Ermittlungen erfolglos waren, dürfte anzunehmen sein, daß derselbe, unbekannt wohin, geflüchtet ist, […].“ Sattler hatte auch das Vermögen der Ehefrau, welches in Werthpapieren bestand, mitgenommen, „so dürfte anzunehmen sein, daß er nicht beabsichtigt, freiwillig wieder zurückzukommen.“ |
| - | Am 13. März 1891 wurde Lehrer Sattler durch die Kreis-Schulkommission aus dem Dienst suspendiert und wenig später leitete man eine Dienstentlassung ein. Das Schullehrergehalt wurde ab dem 09. März nicht mehr ausgezahlt. Da auf die Schnelle kein Nachfolger gefunden werden konnte, wurde der Unterricht durch Lehrer Ludwig Roth aus Hüttenthal vertretungsweise mitversehen. |
| - | 18. März 1891: Anzeige des Ortseinwohners Jakob Hering vorhanden. Er kritisiert scharf die Frau des Lehrers Sattler. Während des Unterrichts, welcher von der Industrielehrerin Anna Margaretha Kiehl gehalten wurde, betrieb die Frau Sattler solchen Unfug und solche Frechheiten, dass der Unterricht dermaßen gestört wurde, dass die Tochter Anna (an der sich Lehrer Sattler vergangen hatte) „so beschimpft und schlecht gescholten, daß sie nicht im Stande war, die Schulzeit auszuhalten und kam deßhalb weinend nach Hause“. |
| - | Aus einem Beurteilungsbericht über Lehrer Sattler vom 25. Mai 1891 geht hervor, dass das Verhalten Lehrer Sattlers in den bisherigen Schulstellen unauffällig und keine Veranlassung zu irgendwelchen Beschwerden gegeben hätte. Ein besonderes Streben nach Weiterbildung und Vervollkommung in seinem Wissen, war nicht bei ihm wahrzunehmen. Seine Leistungen müssen aber im Ganzen als gut bezeichnet werden. „In seinem Charakter zeigte er mitunter Schwankungen und erwies sich nicht als gerade besonders zuverlässig, doch kann etwas Nachtheiliges von ihm nicht erwähnt werden.“ |
| - | Wie der nun eingeleitete gerichtliche Prozess ausging ist nicht überliefert. Sattler nahm sich aber am 02. Juli 1891 den Rechtsanwalt Otto Hallwachs aus Darmstadt und übergab demselben alle Vollmachten. |
| - | 25. Juli 1891: Aus den nachfolgenden Akten geht noch hervor, dass drei weitere Fälle ans Tageslicht kamen und Lehrer Sattler wieder die Flucht ergriffen habe und sich an unbekanntem Orte aufhalte. |
| - | Am 19. Oktober 1891 wurde Sattler offiziell aus dem staatlichen Schuldienst entlassen. |
| - | In der Schulchronik wurden alle Seiten die aus der Zeit Lehrers Sattlers stammten entfernt! |
Peter Kröcker
*19. November 1865 Rüsselsheim +01. Januar 1947 Pforzheim.
| - | Amtszeit in Güttersbach: vom 22. April 1891 bis zum 31. August 1895. |
| - | Achtes Kind des Metzgermeisters Johann Wilhelm Kröcker. |
| Werdegang: | |
| - | Okt./Nov. 1887 gedient im III. Groß. Heß. Inf. Regt. Nr. 117 III. Batt. 12. Kompanie. |
| - | 1887 bis 1888 Schulverwalter in König, Kreis Erbach. |
| - | 1888 bis 1889 Schulverwalter in Vielbrunn. |
| - | Oktober 1889 Staatsprüfung mit der Note „genügend“ abgelegt. |
| - | 1889 bis 1891 Schulverwalter in Lützel-Wiebelsbach. |
| - | 1891 bis 1892 zuerst Schulverwalter, ab 29. April 1892 definitiver Lehrer zu Güttersbach. |
| - | 1895 Lehrer zu Wallerstädten, Kreis Groß-Gerau. |
| - | 1906 Lehrer an der Gemeindeschule zu Groß-Gerau. |
| - | Am 05. Dezember 1930 Ruhestandsversetzung auf Nachsuchen. |
| - | Eheschließung 1889 mit Anna Katharina Schäffer (*1869 +?), mind. 3 Kinder (1 Kind in Güttersbach verstorben). |
Vorkommnisse:
| - | Kröcker „ist ein strebsamer, eifriger und gewissenhafter Lehrer der vermöge seines Fleißes einer methodischen und sachgemäßen Behandlung des Unterrichtsstoffes und Handhabung einer guten Disziplin gute Resultate in der Schule erzielt. Er ist musikalisch beanlagt und zur Versehung des Kirchendienstes besonders geeignet. Sein außerdienstliches Verhalten ist ohne Tadel.“ |
| - | Am 18. Juni 1891 wurde Tochter Wilhelmina Maria in Güttersbach geboren. |
| - | Schuljahr 1891/1892: 46 Kinder (25 Knaben und 21 Mädchen). |
| - | Während dem Schuljahr 1891/1892 wurden neue Aborte an die Schulscheune gebaut (siehe Lageplan 1891), die Schulscheune renoviert und der Schulhof ganz gepflastert (April 1892). |
| - | 02. September 1891: Sedantag gefeiert. Ausflug per Wagen nach Eberbach am Neckar. |
| - | 12. September 1891: Geburtstag des Großherzogs Ludwig IV. – es wurde über denselben gesprochen. |
| - | 10. Dezember 1891: Prüfung der Schule durch Kreisschulkommission: „Schule hat sich gehoben“, Durchschnittsnote „gut“. |
| - | „Am 30. Dezember 1891 traf den damaligen Pfarrverwalter Friedrich Horn [*1863, seit Mai 1891 in Güttersbach] in dem Schulhause ein Schlaganfall und fiel bewusstlos auf der Treppe, welche ins Schulhaus führt, um. Im Schulhause wieder etwas zur Besinnung gelangt, wurde er in das Pfarrhaus gebracht, woselbst er nach 2 Stunden, abends 11 1/4 Uhr starb.“ |
| - | Schuljahr 1892/1893: 50 Kinder (22 Knaben/28 Mädchen). |
| - | April 1892: Pflasterarbeiten im Schulhof. |
| - | Verfügung vom 02. Mai 1892: der Schüler Johann Krämer wurde laut einer Verfügung vorzeitig aus der Schule entlassen. |
| - | Turninspektion am 23. September 1892 durch Turninspektor Marx aus Darmstadt. |
| - | April 1893: Größerer Ausflug nach Ernstthal, wobei die Bahn von Hetzbach nach Kailbach benutzt wurde. |
| - | Am 10. Mai 1893 wurde die Tochter Elisabeth geboren. |
| - | 11. Juni 1893: Kirchenvisitation durch Dr. Adolf Köstlin; dieser schenkte der Schule 3 Mark für Bücheranschaffungen. |
| - | 27. April 1894: Es fand ein Ausflug zum Katzenbuckel mit Pfarrer Römheld statt. |
| - | Schuljahr 1894/1895: 49 Schulkinder. |
| - | 27. Juli 1894: Visitation durch Schulinspektor Rückert. |
| - | Am 17. August 1894 starb die Tochter Elisabeth Kröcker. |
| - | Im September 1894 beging man in Güttersbach die 300-Jahrfeier des Pfarrhauses, woran sich die Schule beteiligte. Alle bisherigen noch lebenden Pfarrer wurden eingeladen, wovon leider viele absagten „Wir mussten daher ohne Gäste unser Fest feiern.“ |
| - | Am 17. Dezember 1894 wurde die Tochter Helene Kröcker geboren. |
| - | Schuljahr 1895/1896: 50 Schulkinder. |
| - | Am 19. Juli 1895 Prüfung der Schule durch Kreisschulkommission Durchschnittsnote „gut“. Die Schule befindet sich auf dem Standpunkt der vorherigen Prüfung. |
| - | Am 23. Juli 1895 starkes Hagelwetter. Die Harras blieb verschont. |
| - | Am 01. September 1895 wurde die 25-jährige Gedenkfeier der Schlacht von Sedan begangen. |
Adolf Heinrich Schroth
*10. September 1869 Bischofsheim +17. Mai 1931 Mainz-Bischofsheim.
| - | Amtszeit in Güttersbach: vom 24. September 1895 bis zum 13. April 1898. |
| - | Erstes Kind des Heinrich Schroth III. (Heizer bei der hessischen Ludwigsbahn). |
| Werdegang: | |
| - | 1891 bis 1892 Schulverwalter zu Ober-Flörsheim, Kreis Worms. |
| - | 1892 bis 1893 Schulverwalter zu Wieseck, Kreis Gießen. |
| - | 1893 Schulverwalter zu Heibach, Kreis Gießen. |
| - | 1893 bis 1895 Schulverwalter in Wallerstädten, Kreis Groß-Gerau. |
| - | Staatsprüfung im Mai 1896 „im Ganzen gut“. |
| - | 1895 bis 1898 in Güttersbach. |
| - | 1898 Lehrer zu Weiterstadt, Kreis Darmstadt. |
| - | 1907 Lehrer an der Gemeindeschule zu Bischofsheim, Kreis Groß-Gerau. |
| - | 1929 Rektor an der Volksschule zu Bischofsheim. |
| Vorkommnisse: | |
| - | Kröcker und Schroth tauschten die Schulstellen: Güttersbach-Wallerstädten. |
| - | „Schroth ist ein ziemlich gut begabter, stiller, fleißiger und gewissenhafter Lehrer. Beliebt in der Gemeinde und bei den Kindern. Die Schule hat sich auf ihrem früheren Stande erhalten, in den schriftlichen Arbeiten kann sie aber noch mehr leisten. Schroths Verhalten ist tadellos. Für den Organistendienst ist er gut befähigt.“ |
| - | Am 24. September 1895 wurde Lehrer Schroth in den Dienst durch Pfarrer Römheld eingewiesen. |
| - | 03. Dezember 1895: Es fand eine Visitation durch Schulinspektor Kleinschmied statt. |
| - | Schuljahr 1896/1897: 52 Schulkinder. |
| - | Am 30. April 1896 fand ein Ausflug auf die Tromm statt. Pfarrer Römheld und Lehrer Fay aus Darmstadt waren mit dabei. |
| - | 26. November 1896: Visitation durch Schulinspektor Kleinschmied. |
| - | Schuljahr 1897/1898: 51 Schulkinder. |
| - | Bericht vom 17. Oktober 1897 überliefert: Schroth hat sich bisher gut geführt und „die Liebe der Kinder wie der Gemeinde erworben. Im Unterricht leistet er recht befriedigendes, würde aber noch bessere Resultate erzielen, wenn er lebhafter wäre.“ Schroth sei sehr besorgt um seine alten Eltern, und wolle diese zu sich holen. Jedoch „im Güttersbacher Schulhause können die alten Leute keine Aufnahme finden, weil der Raum der Lehrerwohnung zu beschränkt ist.“ |
| - | Am 23. November 1897 ordentliche Schulvisitation durch Kreisschulkommission: „Schule befindet sich auf sehr guten Standpunkt“. |
| - | Am 26. November 1897 wurde Geburtstag des Großherzogs gefeiert. Im Schullokal wurden patriotische Lieder gesungen, und der Lehrer hielt ein Vortrag über „Ludwig der Eiserne“. |
| - | Neue Kirchenuhr im Dezember 1897. |
| - | Am 08. März 1898 starb die 14-jährige Christina Berger an Typhus. Die Schulkinder waren auf der Beerdigung. |
| - | Im März 1898 wird Schroth als „stiller, braver und fleißiger Mensch“ beschrieben. |
| - | Letztlich wurde Schroths Versetzungsgesuch entsprochen. |
Hermann Lehr
*20. Oktober 1874 Brensbach +26. Mai 1954 Brensbach.
| - | Amtszeit in Güttersbach: vom 21. April 1898 bis Ende August 1906. |
| - | Sohn des Bäckers und Sternenwirts Friedrich Lehr (*1836 +1907). |
| Werdegang: | |
| - | 1891 bis 1894 Seminar in Bensheim, Seminarnote: „im Ganzen gut“. |
| - | 1894 bis 1895 Schulverwalter in Biebesheim. |
| - | 1895 bis 1898 Schulverwalter in Köddingen, Kreis Schotten. |
| - | Im Mai 1896 die Staatsprüfung mit Note „genügend“ bestanden. |
| -1 | 898 bis 1906 in Güttersbach, zuerst Schulverwalter, ab 23. Mai 1899 definitiver Lehrer zu Güttersbach. |
| - | 1906 Lehrer an der Gemeindeschule zu Ober-Ramstadt, Kreis Darmstadt. |
| - | 1923 Fortbildungsschullehrer an der Fortbildungsschule zu Ober-Ramstadt. |
| - | 1924 Rektor an der Volksschule zu Ober-Ramstadt. |
| - | 1929 Rektor an der Fortbildungsschule zu Ober-Ramstadt. |
| - | 1934 Rektor an der Volksschule zu Ober-Ramstadt. |
| - | 1939 Ruhestandsversetzung. |
| - | Eheschließung 1903 mit Elisabetha Hedderich (*1881 +1963), 1 Sohn in Güttersbach geboren. |
| Vorkommnisse: | |
| - | Am 21. April 1898 Diensteinweisung durch Pfarrer Römheld. |
| - | 07. Juli 1898: Ausflug mit älteren Schülern nach Lindenfels. |
| - | Vom 27. September bis 07. November 1898 war Lehrer Lehr zur 6-wöchigen Militärübung eingezogen. Vertretungslehrer waren Schütz aus Olfen und Schwarz aus Hüttenthal. |
| - | 25. November 1898 fiel der Unterricht aus, wegen Geburtstages des Großherzogs. Der Lehrer hielt Vortrag über Ludwig I. |
| - | Januar 1899: sechs Schutzvorhänge wurden angeschafft. Blendung der Schüler durch die Sonne sehr hoch. |
| - | Im März 1899 wird Lehr wie folgt beschrieben: „Lehr ist im Ganzen gut begabt, sehr gewissenhaft und fleißig, bereitet sich eifrig vor, besitzt ein freundliches anregendes Wesen und übt namentlich auch in erziehlicher Hinsicht einen sehr guten Einfluß auf die Schuljugend aus. Seine Lehrbegabung ist gut, die Methode ebenfalls. Hinsichtlich seines Verhaltens ist keinerlei Auslassung zu machen. In der Gemeinde hat er sich schnell Achtung und Beliebtheit erworben.“ |
| - | 1899: Reparatur an der Umfassungsmauer des Schulgartens. |
| - | Schuljahr 1899/1900: 51 Schulkinder. |
| - | 25. August 1899: Namenstag des Großherzogs. Der Unterricht fiel aus. Vortrag des Lehrers über die „Entstehung Hessens“. |
| - | Schuljahr 1900/1901: 51 Schulkinder. |
| - | 05.April 1900: Ausflug „nach dem Schnellerts“. |
| - | Juni 1900: Wechsel der Industrielehrerin. Auf Anna Margaretha Kiehl (seit 1882) folgt Dorothea Kiehl geb. Neff (*1871 +1926) nach. |
| - | 09. September 1900: Jahresfest der Gustav-Adolf-Stiftung in Güttersbach. Beim Gottesdienst war jeder Platz gefüllt. Die Schulkinder sangen im dreistimmigen Schülerchor: „recht gut vorgetragen“. |
| - | 30. November 1900: Schulprüfung - guter Standpunkt. |
| - | Schuljahr 1901/1902: 53 Schulkinder. |
| - | Vom 11. Juli bis 07. August 1901 war Lehrer Lehr auf einer Reserveübung (Vertretungen Schütz aus Olfen, Merkel aus Hüttenthal und Wolf aus Hiltersklingen). |
| - | 25. August 1901: Namenstag des Großherzogs. Der Unterricht fiel aus. Vortrag des Lehrers über „Georg I.“. |
| - | September/Oktober 1901: Mauer des Treppenaufgangs in sehr schlechtem Zustand. Es bestand Einsturzgefahr! Der Turnplatz auf dem Lindenplatz müsste mit Kies eingeebnet werden. |
| - | 21. Oktober 1901: Die Schulhaustreppe muss alsbald ausgebessert werden, aufgrund ausgetretener Stufen. |
| - | Schlechte Witterung während der Herbstferien. Der Unterricht wurde noch 14 Tage lang nach den Ferien von 7 bis 12 Uhr gehalten. |
| - | Schuljahr 1902/1903: 58 Schulkinder. |
| - | Schlechte Heidelbeerernte; daher Heuferien vom 27. Juni bis 07. Juli gegeben. |
| - | Am 06. und 07. Juli 1902 feierte der Kriegerverein das Fest der Fahnenweihe nach 7-jährigem Bestehen. |
| - | Sedantag 1902: Vortrag über „Entstehung Preußens“. Lieder: „Es braust ein Ruf etc“ und „Deutschland, Deutschland über alles.“ Die Kinder bekamen Wecke. |
| - | 14. November 1902: Das Dach des Schulhauses ist sehr schadhaft. Die Ziegel könnten herabstürzen. |
| - | Am 23. Dezember 1902 brannte die Pfarrscheuer ab. |
| - | Vom 09. Januar bis 06. Februar 1903 musste Lehrer Lehr einmal wöchentlich in Unter-Mossau Unterricht halten, weil der dortige Lehrer erkrankt war. |
| - | Am 04. März 1903 wurde Pfarrer Theodor Römheld versetzt. Nachfolger wurde Pfarrverwalter Mischlich. |
| - | Schuljahr 1903/1904: 56 Schulkinder (28 Knaben/28 Mädchen) - Klassenfoto vorhanden! |
| - | 1903: Fußboden bedarf einer Nachbesserung, einzelne Dielen müssen neu eingezogen werden. |
| - | Schuljahr 1904/1905: 50 Schulkinder (25 Knaben/25 Mädchen/ 1. Abt. 12 Knaben, 10 Mädchen, 2 Abt. 11 Knaben, 13 Mädchen, 3. Abt. 2 Knaben, 2 Mädchen). |
| - | September 1904: Ablauf des Küchenabfallwassers muss anders verlegt werden. „Am Schulhause wird der Eingang zum Schulhause von dem Abfallwasser der Küche fortwährend überschwemmt.“ Fußboden muss erneuert werden und die Schulbänke scheinen kaputt gewesen zu sein („jeden Augenblick zusammenbrechen“). |
| - | Von 04. bis 17. Dezember 1904 wütete die Mumps in Güttersbach. Die Schule fiel aus. Die Krankheit trat bösartig auf, manche Kinder waren zweimal betroffen. |
| - | Am 24. Januar 1904 wurde der Sohn Wilhelm Lehr in Güttersbach geboren. |
| - | Schuljahr 1905/1906: 48 Schulkinder. |
| - | 28. Juli 1905: Zustand der Schulbänke: „Von den 11 Bänken in hiesiger Schule sind nur noch 2 längere Zeit gebrauchsfähig. Die übrigen 9 Bänke sind sämtlich veraltert.“ |
| - | 19. bis 21. Oktober 1905 wurde ein neuer Fußboden in der Schulstube verlegt und Notstandferien aufgrund schlechter Witterung gegeben. |
| - | 25. November 1905: Geburtstag des Großherzogs. Vortrag über „Unser Großherzog“. |
| - | Schuljahr 1906/1907: 52 Schulkinder. |
| - | In den Heidelbeerferien vom 01. bis 14 Juli 1906 konnten 396,91 Mark erzielt werden. |
| - | Nach einer 8-jährigen Amtszeit verließ Lehrer Lehr Güttersbach und blieb für den Rest seines Berufslebens Lehrer bzw. später Rektor in Ober-Ramstadt. |
Teil VI. in der nächsten Ausgabe.