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Ausgabe 8/2026
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Die Güttersbacher Lehrer und die Schulgeschichte Teil VIII

Unterrichtszene in der Güttersbacher Schule ca. 1938/1939. Im Hintergrund hängen die Porträts des Führers Adolf Hitler (links) und der des Reichspräsidenten Paul von Hindenburg (rechts). In der Mitte ein NS-Plakat mit der Aufschrift: „Wir Glauben auf dieser Erde allein an Adolf Hitler.“

Die Einweihung des Schwimmbades Anfang Juli 1938 war ein großes Fest für das kleine Dorf. Zeichen der Zeit sind die wehenden Hakenkreuzfahnen.

Lehrer Keil mit den Schulkindern vor dem Treppenaufgang zur Quellkirche ca. 1938/1939.

Georg Keil als Soldat der deutschen Wehrmacht.

Das Güttersbacher Schulhaus zur Zeit der NS-Herrschaft. Auf den Sandsteinpfosten des Eingangsbereichs zum Schulgebäude wurden Hakenkreuze geschmiert.

Das Güttersbacher Freibad konnte nach dem Kriege eine Zeitlang nicht benutzt werden. So fiel eine wichtige Sportstätte für die Schulkinder vorerst fort.

Luftbildaufnahme des Ortskerns rund um die Quellkirche (1950-er Jahre).

Dr. Julius Haller (*1891 +1960) war Ehrenbürger der Gemeinde Güttersbach und wurde am 01.Oktober 1949 definitiv zum Bürgermeister gewählt.

Von Robin Helm

Georg Keil

*16. Januar 1911 Groß-Bieberau +14. Februar 1942 Russland (als Gefreiter im Osten gefallen).

-Amtszeit in Güttersbach: vom 01. April 1938 bis zum 14. Februar 1942 (ab dem 15. Februar 1940 im Kriegsdienst).

-Sohn des Ober-Postschaffners Leonhard Keil (*1874 +1947).

Werdegang:

-Keil besuchte die Höhere Bürgerschule zu Groß-Bieberau. Danach die Ludwigs-Oberrealschule zu Darmstadt.

-1931 bis 1933: Studium (vier Semester) am Pädagogischen Institut zu Mainz.

-Mitglied der NSDAP und SA seit 01. Mai 1933. Seit 01.01.1934 Mitglied im NSLB. Seit Mai 1935 Fähnleinführer beim Jungvolk.

-Am 15. Oktober 1933 erste Verwendung in Niedernhausen.

-Januar 1936: „In der Schule hat er bei mittlerer Begabung im ganzen gute bis genügende Unterrichtserfolge, bei größerem Eifer könnte er mehr erreichen, er macht oft den Eindruck der Teilnahmlosigkeit.“

-Am 16. November 1937 nach Lengfeld versetzt.

-1938 Schulstelle Lengfeld-Güttersbach mit Lehrer Helène getauscht.

-Bei der Staatsprüfung im März 1938 fiel Keil noch durch. Im Oktober 1938 bestand er die Staatsprüfung „im Ganzen gut“. Thema: Die körperliche Ertüchtigung im Rahmen der Gesamterziehung.

-1938 bis 1941 zuerst Schulverwalter, ab 01. März 1941 definitiver Lehrer von Güttersbach (jedoch ab 14. Februar 1940 im Kriegsdienst).

-Eheschließung 1934 mit Elisabeth Pfeiffer (*1914 +2005), 3 Kinder.

-Kurz vor seiner Versetzung nach Güttersbach heißt es: „wir sind der Auffassung, dass es für Keil sehr gut wäre, wenn er einmal außerhalb des Kreies Dieburg dienstlich tätig sein müsste. Keil gehört nicht zu den besten Lehrkräften des Kreises; es mag dies damit zusammenhängen, dass er zu nahe seines Dienstortes beheimatet ist und oft in häusliche Arbeiten eingespannt wird, die es verhindern, sich ganz in der Schule einzusetzen.“ Sodann wurde Keil eine Stelle außerhalb des Kreises Dieburg als Lehrkraft anvertraut – Güttersbach.

-Als Keil im April 1938 nach Güttersbach kam, war der Schwimmbadbau bereits fast abgeschlossen.

-Vom 02. bis 04. Juli 1938 wurde das Freibad (Dr. Haller-Bad) im Rahmen eines Heimatfestes eingeweiht. Parteigenosse Löwer aus Darmstadt hielt die Festansprache. Am Festmontag fand ein Wettkampf statt. Ehrenbürger Dr. Julius Haller stiftete einen Wanderpreis (Führerbüste). Sieger war die Schule Hüttenthal.

-1938: Anschaffung von Umrisskarten von Großdeutschland.

-Im Juli 1938 beklagte der Kirchenvorstand von Güttersbach einen mangelhaften Religionsunterricht Keils. Dagegen warf Schulmann Keil dem Güttersbacher Pfarrer Eitel-Friedrich Walther Hetze und Verleumdung gegen seine Person vor. Keil hielt den Religionsunterricht in der Art und Weise, wie es dem nationalsozialistischen Weltbild entsprach.

-Die neue Schwimmstätte wurde nun ausgiebig in den Lehrplan miteinbezogen: „Während des ganzen Sommers übte ich fleißig mit den Kindern das Schwimmen. War doch als ich her kam, noch niemand der Schüler in einem Schwimmbad, so konnte sich aber am Ende der Badesaison 5 Schüler frei schwimmen.“

-Im Januar 1939 wirkte die Schule an einem Unterhaltungsabend des Gesangvereins mit. Der Erlös wurde zu Gunsten des WHW (Winterhilfswerk des Deutschen Volkes) gespendet. Die Schüler zeigten Badeübungen, die reichen Beifall erhielten.

-Im Sommer 1939 wurde erneut ein Heimatfest verbunden mit Kirchweih abgehalten sowie ein Wettkampf durchgeführt (Sieger: Schule Hüttenthal).

-August 1939: Rheinfahrt mit 25 Güttersbachern über Mannheim, Speyer bis Karlsruhe.

-Während der Badesaison 1939 wurde das Schwimmbad wieder eifrig benutzt. Das 5. bis 8. Schuljahr konnte bis drei Ausnahmen freischwimmen.

-Am 01. September 1939 überfiel das Deutsche Reich den Nachbarn Polen. Der Kriegsausbruch wurde von Lehrer Keil ganz im Sinne der nationalsozialistischen Propaganda als Verteidigungskrieg propagiert. So hätten die Westmächte „uns“ den Krieg erklärt. Die Schule fiel für eine Woche aus und einige Ortseinwohner wurden eingezogen, „um bei Verteidigung der Heimat“ mitzuhelfen.

-Lehrer Keil wurde Anfang November 1939 gemustert und zum 15. Februar 1940 einberufen.

-Im November 1939 verfasste Keil ein Schreiben an den Landrat des Landkreises Erbach mit der Hoffnung, die Schulstelle Güttersbach definitiv zu erhalten. „Da ich mich mit der Absicht trage, noch einige Jahre in Güttersbach zu bleiben.“Jedoch wurde ihm die definitive Besetzung noch verwehrt.

-In einer späteren Beurteilung über Keil vom 03. September 1940 geht hervor: „Keil beweist durch seine Arbeit in der Schule und sein Verhalten im öffentlichen Leben nationalsoz. Gesinnung und setzt sich mit Eifer für die Bewegung ein. Er besitzt ausreichende Lehrbefähigung und erzielt bei gewissenhafter Arbeit entsprechende Unterrichts- und Erziehungserfolge. Sein Verhalten zu den Kindern, Ihren Eltern und den Berufskameraden ist gut. Seine Führung wurde bis jetzt nicht beanstandet.“

-Keil nahm 1940 am Durchstoß durch die südbelgischen Befestigungen und die Ardennen bis hin zur Einnahme von Paris im Mai/Juni 1940 teil. Danach war er bis April 1941 als Besatzungssoldat in Frankreich stationiert. Noch vor Beginn des „Unternehmens Barbarossa“, dem Überfall auf die Sowjetunion im Juni 1941, erfolgte die Verlegung per Eisenbahn Richtung Osten (Polen). Ab Juni 1941 nahm Keil an den Kämpfen in Russland teil und wurde am 29. August 1941 verwundet. Nach seiner Genesung wurde er im Dezember 1941 erneut an die Ostfront geschickt, wo die deutsche Wehrmacht in prekären Abwehrkämpfen vor Moskau stand. Im Rahmen der 9. Armee kämpfte Keil wieder ab dem 09. Januar 1942 und „fiel am 14. Februar 1942 bei Gschatsk 100 km westlich von Moskau im Alter von 31 Jahren im Kampf für Deutschlands Freiheit“. Laut der Todesmeldung starb Lehrer Keil an einem Kopfschuss und sei sofort verschieden.

-Seine Frau und die drei Söhne bewohnten noch bis 1945 die Lehrerwohnung im Güttersbacher Schulhaus.

(Vertretungen 2. Weltkrieg)

Heinrich Franz

*26.10.1905 Hebstahl? +?

-Vertretungszeit in Güttersbach: 06. Mai 1940 bis 21. Oktober 1940.

Vorkommnisse:

-gleichzeitig Vertretungslehrer in Olfen.

-1940: Anschaffung eines Buches über „Erblehre und Rassenkunde“.

-Am 21. Oktober 1940 einberufen.

(Vertretungen 2. Weltkrieg)

Hedwig Zilch, außerplanmäßige Lehrerin in Hiltersklingen und Lehrer Wilhelm Gebhard (*08.05.1900 +02.04.1945, als Unteroffizier gefallen), Hüttenthal.

-Vertretungszeit in Güttersbach: von 30. Oktober 1940 bis 28. April 1941.

(Vertretungen 2. Weltkrieg)

Hedwig Zilch und Jakob Robert Powarzynski (*20. April 1902 Dieburg + nach 1967).

-Vertretungszeit in Güttersbach: Ab Schuljahr 1941/1942 bis 10. Mai 1943.

Jakob Robert Powarzynski

*20. April 1902 Dieburg + nach 1967.

-Amtszeit in Güttersbach: vom 10. Mai 1943 bis April 1944.

-1938 aus katholischer Kirche ausgetreten.

-Von Dieburg nach Hüttenthal abgeordert worden.

-Powarzynski versah die Schule von Güttersbach und Hüttenthal bis April 1944.

-Ab April 1944 war er nur in Hüttenthal tätig.

-In den Sommerferien 1944 wurde Powarzynski einberufen.

-1949: Lehrer an der Volksschule zu Griesheim.

-Juli 1967 Ruhestandsversetzsetzung als Realschulrektor zu Nieder-Ramstadt.

Dr. phil. nat. Ernst Ludwig Wenzel

*15. Juli 1896 Offenbach + nach 1951.

-Amtszeit in Güttersbach: vom 19. April 1944 bis Ende März 1945 (im Herbst 1944 aber bereits einberufen zu Kriegsdienstarbeiten am Westwall).

-Sohn des Johann Christian Albert Wenzel aus Offenbach.

Werdegang:

-1906 bis 1916 Oberrealschule in Offenbach am Main.

-Okt. 1915 bis Juli 1916 beim Inf. Regt. 169 und 168 (1. Weltkrieg).

-Erste Verwendung nach Entlassung aus dem Heeresdienst von April 1917 bis Dezember 1918 in Hiltersklingen.

-Februar 1919: erste pädagogische Ergänzungsprüfung für Kriegsteilnehmer – Note „im Ganzen gut“.

-1919 bis 1920 Schulgehilfe in Dreieichenheim bei Offenbach.

-Ostern 1920 bis April 1932 als Schulverwalter und Lehrer nach Offenbach am Main versetzt.

-Unterrichtete meist Chemie, Physik und Biologie.

-Promotion am 23. Mai 1924 in Frankfurt am Main. In Frankfurt studierte Wenzel u.a. Naturwissenschaft (Physik und Chemie), Psychologie und Pädagogik.

-1932 bis 1933 Lehrer an der Volksschule zu Neu-Isenburg (Kreis Offenbach).

-Am 01. April 1933 der NSDAP beigetreten (u.a. noch in SA-Reserve, NSV, NSLB, Reichskolonialbund, RLB und VDA).

-1933 bis 1944 Lehrer an der Volksschule zu Offenbach am Main.

-1943: Aufgrund seiner starken evangelischen Bindung als NSV-Ortsamtsleiter zurückgetreten.

-Im April 1944 aus eigenem Wunsch von Offenbach nach Güttersbach versetzt.

-Nach dem Kriege in die Gruppe IV der Mitläufer eingestuft. Laut Wenzel wurde er während der NS-Zeit nicht zu Hauptschullehrerprüfung zugelassen, weil er nicht aus der Kirche austreten wollte.

-Nach Kriegsende wohnte Wenzel bis Ostern 1948 in der Lehrerdienstwohnung in Güttersbach.

-Am 25.06.1951 zum Lehrer auf Lebenszeit berufen – Offenbach.

-Eheschließung 1923 mit Elisabeth Kolb (*1898 +?), keine Kinder

-Im April 1944 zählte die Schule 45 Kinder (27 Knaben und 18 Mädchen). Darunter waren 20 evakuierte Kinder aus luftgefährdeten Gebieten u.a. aus Darmstadt, Frankfurt, Ludwigshafen, Mannheim.

-Gesundheit der Schüler war gut (weniger als 1% fehlte).

-07. Juli 1944: Sportwettkampf in Hüttenthal.

-14. Juli 1944: Ausflug auf die Tromm, Siegfriedbrunnen Gras-Ellenbach.

-Die Schule sammelte über einen Zehntner Heidelbeeren. Die Ortsfrauenschaftsleiterin übergab es dem Lazarett in Michelstadt.

-Am 25. Mai 1944 hatte Schule 148 kg Lumpen, 109 kg Papier, 200 kg Eisen, und 18 kg Knochen abgeliefert.

-Verschiedene Kräuter wurden gesammelt (40,5 kg Birkenblätter, 10 kg Brenneselblätter, 13 kg Löwenzahnblätter, …).

-Während der Sommerferien 1944 wurde tüchtig weitergesammelt.

-Wiederholt musste der Schulluftschutzkeller aufgesucht werden, aufgrund feindlichen Überflugs.

-Ostern 1944 musste ein deutsches Jagdflugzeug in der Harras notlanden. Der Pilot zog sich Kopfverletzungen zu. Luftkämpfe zwischen Jägern spielten sich wiederholt über dem Dorf ab.

-Im Mai 1944 wurde ein deutscher Jäger von zwei US-Jägern verfolgt. Flugzeuge flogen sehr tief über das Dorf.

-Geschosse wurden in der Harras gefunden. Die Mutter des Ortsgruppenleiters Holschuh wurde durch einen Querschläger am Oberschenkel verwundet.

-Im Juni 1944 wurden Brandbomben in die Wälder abgeworfen. Die Brände konnten rasch bekämpft werden.

-Trotz Kriegsumstände wurde die Schule regelmäßig gehalten.

-Für die Heuernte 1944 wurde den Kindern nachmittags frei gegeben (Ernte gut).

-Ab den Sommerferien 1944 musste Lehrer Wenzel auch Hüttenthal vertreten.

-Im Herbst 1944 wurde Lehrer Wenzel zu Westwallarbeiten einberufen.

(Vertretung)

Ungenannte 19-jährige Schulhelferin

*um 1925 Erbach? +?

-Vertretungszeit in Güttersbach: Herbst 1944 bis Ende März 1945.

Vorkommnisse:

-Durch Selbsthilfe wurde der Projektionsapparat instandgesetzt.

-Für den Sportunterricht wurden zwei Bälle in Ordnung gebracht und Turnstäbe angefertigt.

-Ende 1944 bis Kriegsende 1945 war an einen geregelten Schulunterricht nicht mehr zu denken. Dauernde Luftgefahr! Trotzdem wurde der Unterricht bis zum Beginn der Osterferien 1945 fortgeführt.

-Ortsgruppenleiter Adam Holschuh schloss sich dem Volkssturm an. Versprengte Wehrmachtsangehörige und Leute der SS zogen durch Güttersbach. Ein serbischer Zwangsarbeiter wurde in Güttersbach ermordet.

-Am 31. März 1945 rückten US-Amerikaner in Güttersbach ein. Es wurde ab nun keine Schule mehr gehalten.

-US-Besatzungstruppen waren auch in der Lehrerdienstwohnung einquartiert.

Von Ende März 1945 bis Mai 1946 wurde kein Schulunterricht gehalten!

-Mitte (Juni/Juli?) 1945 rückten die Amerikaner wieder aus Güttersbach ab.

-Der Zusammenbruch des Dritten Reiches im Mai 1945 bedeutete auch den völligen Niedergang des deutschen Schulwesens.

-Aufgrund des Entnazifizierungsplans wurden viele Lehrer aus ihren Ämtern entfernt. Viele Schulen waren daher vorerst verwaist.

-Am 28. Mai 1945 kam ein Schüler, während eines Besuchs in Nordheim beim Spielen mit Sprengkörpern ums Leben.

Hermann Müller

*16. Mai 1918 Marly bei Metz +?

-Amtszeit in Güttersbach: 02. Mai 1946 bis 08. November 1946

Werdegang:

-Gewerbelehrer an der Berufsschule Bensheim.

-Eigentlich ausgebildeter Gewerbelehrer. Güttersbach war seine erste Stelle als Volksschullehrer.

-Ausbildung am staatlichen berufspädagogischen Institut in Berlin.

-Seine Ausbildung musste Müller aber aufgrund der katastrophalen Kriegslage im Februar 1945 unterbrechen.

-Im Dezember 1945 besuchte Müller das neueröffnete Pädagogische Institut in Jugenheim a.d. Bergstraße.

-Dort legte Müller im April 1946 die 1. Lehrerprüfung ab.

-Gewerbelehrer an der Berufsschule Bensheim bis 1952.

-Mai 1946: 45 Schulkinder.

-Im Laufe des Jahres 1946 erhöhte sich die Schülerzahl auf 63! (32 Mädchen/31 Knaben, darunter 15 Neubürgerkinder).

-Während der ersten drei Monate war nur an 3 Werktagen Schule in Güttersbach, da Müller auch in Olfen Schule halten musste.

-19. September 1946: Ausflug zum Katzenbuckel durch die Wolfsschlucht nach Zwingenberg am Neckar.

-Ein Völkerballspiel konnten die Güttersbacher mit 3:0 für sich entscheiden (gegen Olfen).

-Dem neuen Zeitgeist folgend wurde ein Schülervertrauensrat gewählt.

-Am 08. November 1946 wurde Müller beurlaubt, damit er sein Staatsexamen als Gewerbelehrer an der Pädagogischen Akademie in Hannover absolvieren konnte.

-Bis ein neuer Lehrer folgte wurde die Schule in Güttersbach von Lehrer Karl Gersema aus Olfen vertreten.

Hans Hubert Gelbhaar

*28. April 1922 Berlin-Steglitz +15. April 2007 Güttersbach.

-Amtszeit in Güttersbach: vom 01. Dezember 1946 bis zum 12. Juli 1948.

Werdegang:

-Von 1928 bis 1931 Volksschule besucht.

-1932 bis 1940 im Gymnasium zu St. Thomas in Leipzig.

-1941 bis 1945 Kriegsdienst u.a. in Russland, Frankreich, Ungarn, Dänemark und Italien.

-Von Januar bis September 1946 besuchte Gelbhaar das Pädagogische Institut in Weilburg/Lahn und fand danach in Güttersbach die erste Schulstelle.

-Nach seiner Verwendung in Güttersbach wurde er in die Raubach versetzt.

-Später 4 Jahre Auslandsdienst in Chile.

-1965 in Beerfelden / stellvertretender Leiter der Sonderschule.

-Eheschließung 1950 in Güttersbach.

Vorkommnisse:

-Lehrer Gelbhaar führte die Lehrerchronik gewissenhaft fort. Zugleich ging er auch ausführlich auf die schwierige politische Nachkriegslage ein.

-Erste Dezemberwoche 1946 wurde der Schulsaal geweißt und ausgebessert.

-Am 23. Dezember 1946 wurde eine kleine Weihnachtsfeier für die Flüchtlingskinder veranstaltet (guter Kuchen wurde gebacken und Milch-Kakao gab es zu trinken. Der Pfarrer verteilte Schuhe, Kleidungsstücke und Lebensmittel).

-Der Unterricht im Jahr 1947 begann am 21. Januar. Der Winter war streng mit anhaltender Kälte und starkem Schneefall, starkes Tauwetter im Frühjahr.

-Schuljahr ganz im Zeichen der Notlage der Nachkriegsjahre (starke Beeinträchtigungen).

-Im Winter 1946/1947 wurden neue Rechenbücher angeschafft. Generell waren Bücher nicht ausreichend vorhanden. Man behalf sich mit älteren und eigenen Büchern. Schreibhefte waren in sehr beschränktem Maße vorhanden. Schiefertafeln, Schiefergriffel waren kaum zu erhalten. Viele Kinder schrieben auf Backpapier und schrieben mit Aluminium-Griffeln auf Tafeln, was üble Kratzer auf den Tafeln hinterließ.

-Es herrschte Mangel an Schuhen und Sportkleidung für den Turnunterricht.

-Gemeinschaftskunde wurde eingeführt. Sittliche Grundlagen durch Religionsunterricht Pfarrer Simons. Der frühere Lehrer Dr. Wenzel erteilte Gemeindeunterricht.

-Ernährungslage der hierher geflüchteten Kinder war zum Teil sehr schwierig (Wiegungen und Messungen zur Überwachung der körperlichen Zustände der Kinder wurden durchgeführt). Es fehlte an Fett, Zucker, Eiern und Milch.

-Die Kleidung der Kinder zeigte die Not. Oft konnten die Kinder wegen fehlender Schuhe bei schlechtem Wetter nicht in die Schule kommen. Die Schuhe wurden im Sommer geschont. Schuhriemen wurden durch Kordeln aus Draht ersetzt.

-Auch Wohnverhältnisse im Schulhaus ließen zu wünschen übrig. Siebenköpfige Familien wohnten in zwei Räumen zusammengedrängt.

-Die Schule sammelte Heilkräuter für Fabriken, aufgrund fehlender Rohstoffe aus dem Ausland.

-Trotz Mangel an Seife war Sauberkeit der Kinder einwandfrei.

-Heidelbeerzeit waren Wälder voll mit Heidelbeersuchenden aus den Städten. Diese kamen morgens mit Lastkraftwagen und fuhren abends wieder fort. Manche blieben auch über Nacht im Ort oder im Wald.

-Die Schule sammelte 35 Zehntner Heidelbeeren die an die landwirtschaftliche Absatzgemeinschaft verkauft wurde. Vom Ertrag wurde der Sommerausflug finanziert.

-Schule wurde zur Bekämpfung des Kartoffelkäfers herangezogen (Kartoffel ist Hauptnahrungsmittel). Insgesamt sammelten die Kinder 117 000 Larven!

-Das Schwimmbad war leider vorläufig nicht zu benutzen, es fehlte an Dichtmasse und an Wasser.

-15. Juli 1947 Wandertag: Ziel Hirschhorn am Neckar, um 7 Uhr morgens dorthin aufgebrochen. Nähe von Schönmattenwag war die erste Pause. Kräftiger Wind sorgte für Kühlung. Leider hatte man sich verlaufen. Schließlich über Finkenbachtal doch nach Hirschhorn gekommen. Die Burg wurde von innen und außen besichtigt. Ein Wagen von Herrn Helm brachte alle zurück über Eberbach-Beerfelden. 21 Uhr abends wieder in Güttersbach. Nach einem gemeinsamen Liede trennte man sich. Insgesamt schwache Beteiligung der Schulkinder (11 Jungen und 10 Mädchen), der auf Mangel an gutem Schuhwerk zurückzuführen war.

-Vom 20 bis 27. Juli 1947 fand erstmals nach Kriegsende wieder der Wiesenmarkt statt (Eulbacher Markt). Am 21. Juli 1947 besuchte man den Markt per Wagen.

-Am 01. August 1947 wurden die zwei großen Kirchenglocken heimgeholt. Die Gemeinde hielt Abendandacht unter Pfarrer Simon. „Die Schulkinder hatten vorher schon Girlanden und Kränze gewunden, mit denen die beiden Heimkehrer am Schulhaus von Hüttenthal geschmückt und dann in feierlich langsamer Fahrt ins Dorf heimgeholt wurden.“

-Am 15. August 1947 waren Junglehrer der Oberzent in Güttersbach, man konnte Lesebücher aus der französischen Zone erhalten. Arbeit an einheitlichem Stoff war nun besser möglich.

-Am 21. September 1947 fand die 100-Jahr-Feier der Güttersbacher Schule statt. Am eigentlichen Festtag dem 19. September unternahm man einen Wandertag nach Wahlen. Das Schulfest am 21. September begann mit sportlichem Teil (Hoch und Weitsprung, 60-m Lauf, Ballweitwurf). Ein Training konnte vorher aufgrund fehlender Sportkleidung nicht stattfinden. Leistungen waren nicht nennenswert. Ein Völkerballspiel gegen Hüttenthal schloss sich an. Alle 3 Spiele konnten die Güttersbacher gewinnen. Danach lustige Wettspiele und Volkstanz der Mädchen. Zahlreiche Zuschauer spendeten Beifall. Die Abendfeier begann um 20 Uhr, wo als Gäste Herr Lehrer Röth und Lehrer Schüllermann erschienen. Lehrer Röth hielt Vortrag über die Geschichte des Schulhauses. Danach sprach Pfarrer Simon noch über Zusammenhang von Kirche und Schule in Güttersbach. Die Feier klang aus mit dem Liede „Freiheit die ich meine“.

-Schuljahr schloss am 26. September 1947 mit der Schülerzahl von 56 (26 Knaben, 30 Mädchen)

-Herbst 1947: Meist gutes Wetter, seit Mai hatte es kaum geregnet.

-Am 09. Oktober 1947 entstand ein Bodenbrand in der Nähe der Fuchseiche, der schnell gelöscht werden konnte.

-Schuljahr 1947/1948 begann am 14. Oktober 1947: Schülerzahl 60 (28 Knaben/ 32 Mädchen)

-25. Dezember 1947: Feierstunde von Kultur- und Sportgemeinde in Helms Saal veranstaltet. Lieder und Gesang von Kindern. Dr. Haller stellte aus eigenen Mitteln kleine, aber wertvolle Geschenke zur Verfügung. Schulspeisung: Kekse, Zuckerzeug, Schokolade an Kinder wurde ausgegeben.

-Das Jahr 1947 ging mit Sturm und Tauwetter zu Ende.

-Die Schule begann im neuen Jahr am 15. Januar 1948. Wiegungen der Kinder nur noch alle 2 Monate.

-Die politische Lage des Gebiets (sog. Westzonen) war sehr ernst. Im Ruhrgebiet droht eine schwere Ernährungskrise sowie auch in Darmstadt. Friedensvertrag für Deutschland schien unerreichbar. Spaltung Ost-West schien nicht behoben zu sein.

-Lehrer Gelbhaar war vom 11. bis 18. Februar 1948 krank (Mumps). Unterricht fiel aus.

-April 1948: Aufgrund der Baufälligkeit der Mauer gegenüber dem Schulhaus, wurde es den Kindern untersagt, den Schulhof während der Pausen zu verlassen.

-Politische Lage der Zeit war sehr ernst. Neue Zwischenfälle zwischen den Besatzungsmächten in Berlin. Gefahr eines Dritten Weltkrieges!

-Am 06. April 1948 begann USA mit Wiederaufbauprogramm für Europa (Westdeutschland miteinbezogen). Die Bildung zweier Blöcke (Ost/West) wurde immer deutlicher (sog. Kalter Krieg) und Krieg in Palästina, Gandhi ermordet…

-Am 13. April 1948 besuchte Schulrat Schwamb erneut die Schule mit einem Herrn vom Ernährungsamt, der Einblick in die Schulspeisung nahm.

-Am 26. Mai 1948 wurde das 9. Schuljahr mit sofortiger Wirkung aufgehoben. Schülerzahl dadurch auf 47 Kinder (18 Jungen, 29 Mädchen) reduziert.

-23. April 1948: Fahrt nach Amorbach und der Wildenburg. Um 8 Uhr morgens ging es bei trübem Wetter mit einem Lastkraftwagen von Herrn Helm los. Über Eulbach erreichte man nach 1 Stunde das Ziel; Stadt Amorbach besichtigt. Dann hinüber zur Wildenburg gefahren „guter Eindruck ritterlichen Lebens in der Stauferzeit“. Blick vom Turm - schöne Sicht auf hinteren Odenwald. Dann setzte Regen ein und man verließ die Burg mit einem Lied. Über Krähbergstraße in den Heimatort gefahren.

-Am 22. Mai 1948 nahm Gelbhaar an einem Kurzlehrgang für Hilfsschullehrer in der Uni Nerven-Klinik Frankfurt teil.

-Im Mai 1948 wurde die Dienstwohnung des Lehrers neu geweißt, die seit Ostern 1948 mit dem Wegzug Lehrer Dr. Wenzels frei stand. Das Schlafzimmer wurde zur Zeit von einer Evakuierten bewohnt. Gelbhaar selbst bewohnte noch immer das Zimmer neben dem Schulsaal. Er hatte keine Mittel und keine Erlaubnis die Dienstwohnung zu beziehen. Schulgarten und Schulacker wurden aufgeteilt verpachtet. Mehrere Familien hatten die Fläche des Gartens ausgemäht. Erträge der Bäume und Sträucher verblieben aber beim Lehrer.

-18. Juni 1948: Währungsreform bekanntgegeben (DM-Einführung). Der Osten führte eigene Währungsreform durch, dadurch war die Aufteilung des Deutschen Reiches wohl endgültig besiegelt. In alter Reichshauptstadt Berlin standen sich Alliierte und Sowjets in Spannung gegenüber. Zwischen Westberlin und Westzonen bestand nur eine Luftverbindung.

-Alle waren Bettel arm, furchtbares Elend! Währungs- und Steuerreformen wurden von Lehrer Gelbhaar scharf kritisiert (den Familien werde nun alles genommen). Das Geld wurde in den USA gedruckt. „Soll man glauben, dass sei eine Rache für Auschwitz?“, so Gelbhaar. Jeder hatte nur noch 40 DM. Eine Zeit, in der alle gleich viel hatten. Altgeld sollte abgegeben werden.

-Berlin wurde nun von Luftbrücke der Amerikaner ernährt. Zwei Millionen Menschen wurden dadurch versorgt; Triumph der Technik? Lage war bitterernst.

-Am 12. Juli 1948 wurde Schulverwalter bzw. Lehramtsanwärter Gelbhaar in die Raubach versetzt.

Teil IX. in der nächsten Ausgabe.