„Allen Schweregraden gemeinsam ist, dass man die betreffenden Patienten in ihrem seelischen Leid nicht alleine lassen darf“, untermauerte Theresa Nußbauer-Tietz. Zur Erläuterung: Schlechte Laune oder eine kurze Verstimmung sind etwas völlig anderes. Bei einer schweren Depression verliert man den Mut, grübelt und verfällt dem hoffnungslosen Zweifeln an sich selbst.
Zurückziehen und Teilnahmslosigkeit können Symptome sein. Depressionen sind belastend und können unter Umständen auch lebensgefährlich werden. „Moderne Medikamente können helfen, die Erkrankten sich wieder spüren zu lassen und ihre Emotionen reaktivieren. Das Krankheitsbild ist oft gut behandelbar“, ergänzte Dr. Stefan Ries, Facharzt für Neurologie mit Erfahrung in der Psychiatrie.
Dabei müsse man wissen, dass diese Mittel nicht abhängig machen und auch die Persönlichkeit nicht verändern.
Kinder und Jugendliche seien häufig betroffen und benötigten Fachpersonal für eine Besserung der Symptome. Dabei plädierten beide für eine zweigleisige Behandlung aus unterstützender Psychotherapie und Medikamenten, um die Biochemie wieder zu richten. „Sollten Selbstmorddrohungen geäußert werden, bedarf es eines Klinikaufenthalts. Auch sollte man sich in einer Akutphase nicht scheuen, die Notrufnummer 112 zu wählen“, sagte die Therapeutin. Bei dem Verdacht auf eine Depression könne man auch gerne zur ersten Einschätzung den Kinderarzt ansprechen.
Jeder könne an einer Depression erkranken. Wichtig sei, dass man darüber spreche und sich nicht in Scham verkrieche. Schließlich sei die Depression ein Leiden, das aus der Verborgenheit an die Öffentlichkeit treten müsse. Dies sei ein Schritt, um die Patienten wieder ins Licht zu führen.
In der neu gegründeten Selbsthilfegruppe für Eltern depressiver und suizidaler Kinder beim Roten Kreuz werden Warnsignale thematisiert und die Teilnehmer erfahren Unterstützung. Schließlich leiden sie mit.
Man trifft sich jeden zweiten Dienstag im Monat von 19 bis 20:30 Uhr im DRK-Selbsthilfezentrum an der Bahnstraße 43 (Eingang Alte Poststraße) in Erbach. Die Teilnahme ist unverbindlich und kostenfrei. Die besprochenen Inhalte werden streng vertraulich behandelt. Infos unter Tel. 0162 2578112 oder der E-Mail: selbsthilfe@drk-odenwaldkreis.de. Im Internet: www.selbsthilfe.drk-odenwaldkreis.de