Einweihungsfeier Hochbehälter Ebersberg im Jahr 1906
Als im Jahr 1906 in der damals noch selbstständigen Gemeinde Ebersberg eine zentrale Wasserversorgung aufgebaut wurde, ahnten sicherlich noch keiner der Planer und Arbeiter, dass fast 120 Jahre später das „Reservoir“ auf der Sommerhelle einen völlig anderen Zweck erfüllen sollte.
Anfang des 20. Jahrhunderts hatte die Gemeinde eine Quelle in der Gemarkung von Schönnen erworben und das gefasste Wasser über eine 1,9 km lange Rohrleitung zum „Reservoir“ (Hochbehälter/Wasserwerk) geleitet. Ab den 70er Jahren wurde die Wasserversorgung von der Südhessischen Gas & Wasser-AG betrieben. Nach der Stilllegung der Anlage ging das Areal in den Besitz der Stadt Erbach über.
Der Eigenbetrieb Wasserversorgung Stadt Erbach hat nun 2023 mit der Übergabe des Grundstücks und Hochbehälters an den Vogelschutzverein Ebersberg e.V. eine neue und interessante Nutzung ermöglicht. Denn für viele nachtaktive Kleinsäuger steht jetzt ein sogenanntes „Fledermaus-Hotel“ zur Verfügung. Bis es soweit war, bedurfte es allerdings auch einer gewissen Vorplanung und vieler Stunden Umbauarbeit. Der Vorsitzende Andreas Olt und einige engagierte Vogel- und Naturschützer haben den Innenraum des Hochbehälters „entkernt“. Alte Leitungen und die Geräte für die Technik mussten entfernt werden. Die massive Außentür wurde mit einem Einflugloch versehen und in der ehemaligen Wasserkammer konnten zahlreiche Hohlblocksteine als „Hangplatz“ angebracht werden. Den Fledermäusen steht damit ein perfektes Winterquartier zur Verfügung. Hier können die „kleinen Vampire“, wie sie oft im Volksmund genannt werden, in der insektenarmen Zeit überleben. Bei zugluftfreien Temperaturen zwischen 2° und 12° Celsius und hoher Luftfeuchte reduzieren die Tiere ihren Stoffwechsel. Der Herzschlag geht von 600 Schlägen auf etwa 10 Schläge pro Minute zurück. Die Fledermäuse fallen zwar in eine Art Winterschlaf, der auch „Winterlethargie“ genannt wird, wachen aber von Zeit zu Zeit auf und „prüfen“ die klimatischen Verhältnisse in ihrem Quartier. Das kann im ungünstigsten Fall einen Umzug erforderlich machen, was allerdings für die Tierchen mit Stress und extremem Energieverlust verbunden ist. Im zeitigen Frühjahr erwachen sie langsam an ihrem „Hangplatz“ und machen sich auf die Reise zu den angestammten Sommer-Lebensräumen, die oft mehrere hundert Kilometer weit weg liegen können. Schutz finden die die kleinen „Nachtschwärmer“ in der warmen Jahreszeit auf Dachböden, in Scheunen, verfallenen Gebäuden und alten Bäumen. Dort ziehen sie ihren Nachwuchs in sogenannten „Wochenstuben“ auf. Sommer-Quartiere können aber auch künstliche Bauten aus Holz oder Holzbeton sein, die an Hauswänden, im Garten oder an Waldrändern angebracht werden.
Neben dem Fledermaus-Schutz kümmern sich die Vogel- und Naturschützer auch um andere Lebewesen auf dem erworbenen Grundstück. Ein Insektenhotel wurde angeschafft und für Eidechsen, Schlangen und Kleinsäuger legte der Verein eine „Reptilienburg“an. Zudem ergänzen eine Ruhebank und ein hölzerner Brunnentrog das gesamte Ensemble auf der Sommerhelle. Mit diesem Biotop leistet der Vogelschutzverein einen wertvollen Beitrag zum Naturschutz – und sichert auch ein historisches Bauwerk vor dem Verfall./VSV