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Mitteilungsblatt Markt Erlbach
Ausgabe 18/2026
Fair in Markt Erlbach
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Fair in Markt Erlbach

Kürzlich sind wir mit dem Fahrrad durch ein kleines mittelfränkisches Dorf gefahren und entdeckten an einer Hausfassade die gerade noch lesbare Aufschrift „Kolonialwarenladen“. Im ersten Moment breitete sich in uns ein nostalgisches Gefühl aus. Unsere Jugend mit ihren „Tante-Emma-Läden“ und eben mit den inzwischen verschwundenen „Kolonialwarenläden“ erschien vor unserem inneren Auge und erwärmte das Herz. Damals, als der Kunde noch persönlich bekannt war, als man im eigenen Dorf „alles“ bekommen hat.

Doch dann überlegten wir, was denn die Bedeutung dieser „Kolonialwarenläden“ war. Und es ernüchterte uns sehr rasch.

Kolonialwarenläden waren besondere Läden, die in Deutschland im 19. Jahrhundert (in anderen europäischen Ländern früher) entstanden. Dort konnte man die Lebensmittel kaufen, die es nicht auf dem Markt oder bei den Bauern gab: Kaffee, Tee, Rohrzucker, bestimmte Gewürze und noch eine ganze Menge mehr. Diese Waren wurden in Kolonien auf der südlichen Erdhälfte angebaut und mit dem Schiff in die großen Häfen wie Hamburg und Bremen transportiert.

Menschen in den Kolonien wurden oft gezwungen, auf großen Plantagen die Anbau- und Erntearbeiten zu verrichten. Da sie bei den Europäern damals als minderwertig und ungebildet galten, wurden sie nur unzureichend bezahlt und arbeiteten unter unmenschlichen Bedingungen, unter denen kein Europäer gearbeitet hätte. Die Weiterverarbeitung der Rohprodukte, zum Beispiel das Rösten des Kaffees, geschah (in diesem Beispiel) in deutschen Kaffeeröstereien. Durch die „Veredelung“ der billigen Rohwaren betrieben sie „Wertschöpfung“, das heißt, sie verdienten richtig gut dabei. Danach verkauften sie die veredelten Produkte an die Kolonialwarenläden weiter.

So entstanden damals ungerechte Strukturen – Menschen in den Kolonien wurden zwangsweise ausgebeutet, deutsche Fabrikbesitzer gewannen Reichtum und Einfluss, der deutsche Arbeitsmarkt wurde belebt und der deutsche Konsument konnte relativ günstig Luxusprodukte aus Übersee erwerben.

Übrigens weisen nicht nur alte Beschriftungen an Häusern auf diese Zusammenhänge hin. Die ursprüngliche Bedeutung beispielsweise von „EDEKA“ lautet „Einkaufsgenossenschaft der Kolonialwarenhändler im Halleschen Torbezirk zu Berlin“, abgekürzt E. d. K. oder eben „E-de-Ka“.

Was hat das mit uns zu tun?

Wie so Vieles in der deutschen Geschichte verdient auch unsere Kolonialgeschichte ein „kreatives, handelndes Erinnern“.

Ein Erinnern, das nicht in erster Linie das Misslungene anprangern und uns ein dauerhaftes schlechtes Gewissen machen soll. Sondern ein genaues Hinsehen auf Fehlentwicklungen und Versagen, um es heute besser zu machen.

Das kann zum Beispiel der bewusste Einkauf von fair gehandelten Waren aus ehemaligen Kolonialgebieten Europas sein, in denen immer noch die verfestigten Strukturen der Kolonialzeit nachwirken. Es ist vielfach immer noch üblich, den Bauern in diesen Gebieten unzureichende Löhne zu bezahlen, Kinder arbeiten zu lassen, an Arbeitsschutzmaßnahmen zu sparen, damit die Waren für die Menschen in den Ländern ehemaliger Kolonien günstig zu bekommen sind.

Fairtrade versucht, diese alten Strukturen zu verändern. Fairtrade versucht, Menschen in Übersee partnerschaftlich zu begegnen anstelle herrschaftlich. Fairtrade versucht auf diese Weise dafür zu sorgen, dass der 1. Artikel in unserem Grundgesetz – „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ – weltweit gelebt wird.

Unsere Geschichte kann sich verändern. Und dazu kann Jeder und Jede von uns beitragen!

PS: Übrigens gibt es auch bei EDEKA heutzutage viele fair gehandelte Produkte zu kaufen.