Literatur macht das Leben reich. Das spürten die vielen Gäste im Literaturhaus Wipfeld. Hier unter dem lauschigen Nussbaum lasen die Autoren der Schweinfurter Autorengruppe SAG aus ihren neuesten Werken.
Vielstimmig, beseelt und gewandt können sie schreiben, was an diesem Abend erlebbar wurde. Hanns Peter Zwißler hatte seinen neuesten Roman dabei: „Das Bildnis des Joh. Leonhard Löw“. Zwißler las eine Passage, die zeigt, wie vergnüglich und ironisch er eine weitverzweigte Familiengeschichte in den Fokus nimmt, die einen Bogen schlägt zu einer gegenwärtigen Familientragödie. Während Zwißler sarkastische Seitenhiebe auf Putin verteilt, knallt Renate Eckert in ihrem Monolog Putin, der das „personifizierte Böse“ verkörpert, Emotionslosigkeit und Brutalität in scharfer Sprache entgegen.
Dagegen stehen bei Peter Hub fast immer einsame Alltagsmenschen im Mittelpunkt. Die Kurzgeschichte „Der Spender“ erzählt ruhig und in einem fließenden Rhythmus von einem Mann, dessen Lebensinhalt das Blutspenden ist. Linde Unrein schafft in ihrem neuen Roman „Arabeskenwerk. Späte Bekenntnisse“ eine überzeugende Auseinandersetzung mit persönlicher Vergangenheit und der Situation nach der „Zeitenwende“. Unrein erzählt in vielen Episoden atmosphärisch dicht das Leben der Ich-Figur.
Joachim Engel hatte seinen neuesten „Sebber“ mitgebracht: „Der Franke in Rente. Der Sebber lacht trotzdem“. Aus dieser Anthologie gab Engel zwei Geschichten zum Besten, die Inhalt und Schreibweise seiner Texte offenlegen: Unterfränkischer Dialekt in den Dialogen, Alltagssprache ohne viel Drumherum in den erzählenden Passagen. Menschliches, Allzumenschliches, Tragisches, Toxisches, das Ende ist meist beruhigend: „Ach, des Lehm is so schö.“ Mit dieser Aussage kann sich sicher auch Almut Heusinger-Zuber anfreunden, die mit ihren feinen Gedichten begeisterte. Die lyrischen Preziosen wie „Augustnacht“, „Morgen“ oder „Die Zeiten sind vorbei“ passen in ihrer luftigen, bildhaften Sprache und ihrer offenen Form zur poetischen Stimmung unterm Nussbaum. Gudrun Wagner bereicherte mit ihrer Gitarre die Sprachmelodie von Vers und Prosa. Ein runder Abend voller Poesie und Leichtigkeit.
Bericht: Johanna Bonengel für die Schweinfurter Autorengruppe SAG