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Wipfelder Amtsblatt
Ausgabe 8/2026
Nichtamtlicher Teil
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Antonia-Werr-Zentrum GmbH

Ausbildungscafé schließt nach neun Jahren - Erfolgreicher Lernort für junge Frauen

St. Ludwig. Mit Bedauern verabschiedet sich das Ausbildungscafé des Antonia-Werr-Zentrums von seinen Gästen. Das Café Luise in Schwarzach, direkt neben der Abtei, bleibt geschlossen. Nach neun Jahren wird der Betrieb nicht wieder aufgenommen. Der Grund liegt in den strukturellen Voraussetzungen: Für einen satzungsgemäßen Betrieb benötigt das Café eine ausreichende Zahl an Auszubildenden, die im Rahmen ihrer stationären

Jugendhilfemaßnahme dort eine Ausbildung absolvieren.

Diese Voraussetzung ist derzeit nicht mehr gegeben.

Die Entscheidung Fällt den Verantwortlichen nicht leicht. Denn das Café war weit mehr als ein gastronomisches Angebot, es war ein geschützter Lern- und Arbeitsort für junge Frauen, die im Rahmen der Jugendhilfe auf dem Weg in ein eigenständiges Leben begleitet wurden. In den vergangenen Jahren konnten viele Mädchen hier erste berufliche Erfahrungen sammeln, Verantwortung übernehmen und Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten entwickeln. Für zahlreiche von ihnen war das Ausbildungscafé ein wichtiger Schritt in Richtung berufliche Zukunft, Arbeit und selbstständiger Lebensführung.

„Gerade für junge Menschen mit belastenden und teils auch traumatisierten

Lebensgeschichten ist ein geschützter Ausbildungsplatz von unschätzbarem Wert", betont Geschäftsführerin Anja Sauerer. Die Möglichkeit, in einem unterstützenden Umfeld praktische Fähigkeiten zu erlernen, hat vielen jungen Frauen Stabilität und Perspektive gegeben.

In öffentlichen Debatten wird häufig auf die steigenden Kosten der Jugendhilfe hingewiesen. Maßnahmen, wie ein zusätzlicher behüteter Ausbildungsplatz zur stationären Unterbringung erscheinen auf den ersten Blick kostenintensiv. Geschäftsführerin Anja Sauerer weist jedoch darauf hin, dass Investitionen in Bildung, Begleitung und berufliche Integration langfristig eine hohe gesellschaftliche Rendite erzielen. In der Sozialwirtschaft wird in diesem

Zusammenhang vom sogenannten Social Return on Investment (SROI) gesprochen, also dem sozialen und wirtschaftlichen Nutzen, der entsteht, wenn junge Menschen erfolgreich in Ausbildung und Arbeit integriert werden und dauerhaft ein selbstbestimmtes Leben führen können. Ja, Jugendhilfe ist teuer UND sie lohnt sich!

Zugleich beobachten die Verantwortlichen der Einrichtung seit Jahren, dass die

Jugendberufshilfe als wichtiger Baustein der Jugendhilfe zunehmend an Bedeutung verliert und immer seltener nachgefragt beziehungsweise bewilligt wird. Trotz vorhandener fachlicher und räumlicher Ressourcen bleibt ihnen deshalb nichts anderes übrig, als sich nun mit dem Ausbildungscafé zurückzuziehen. Bereits zuvor mussten sie die Schneiderei schließen; auch die Gärtnerei wird im Sommer 2027 ihren Betrieb einstellen. Umso wichtiger ist es uns, zumindest die Ausbildung und den Betrieb der Hauswirtschaft in der AWZ-GmbH vor Ort in St. Ludwig weiterhin mit aller Kraft aufrechtzuerhalten.

Vor diesem Hintergrund blicken Frau Buchner (Ausbildungsleiterin) und Frau Sauerer trotz des Abschieds mit Dankbarkeit zurück. Besonders gewürdigt wird die Unterstützung der Gäste des Cafés. „Unsere Kundinnen und Kunden haben mit ihrer Geduld, Wertschätzung und Offenheit maßgeblich dazu beigetragen, dass unsere jungen Frauen Zuversicht und Anerkennung erfahren konnten", heißt es aus dem Antonia-Werr-Zentrum.

Künftig konzentriert sich die Einrichtung wieder stärker auf ihre Kernaufgaben in den stationären Hilfen im Antonia-Werr-Zentrum in St. Ludwig. Für Veranstaltungen oder Familienfeiern können Interessierte weiterhin Räumlichkeiten nur wenige Kilometer entfernt vor Ort in St. Ludwig nutzen.

Auch Gutscheine des Cafés behalten ihre Gültigkeit und können in der Gärtnerei oder Weberei in St. Ludwig eingelöst werden; alternativ ist eine Auszahlung bis zum 31. Oktober 2026 möglich.

Der Abschied vom Ausbildungscafé markiert das Ende eines besonderen Projekts und erinnert zugleich daran, wie wertvoll Orte sind, an denen junge Menschen in schwierigen Lebenslagen die Chance erhalten, ihren Weg in die Zukunft zu finden.

Und vielleicht finden sich ja kreative Nachfolgerinnen oder Nachfolger, die den Ort mit neuen Ideen beleben und unseren Auszubildenden von Zeit zu Zeit einen Praktikumsplatz anbieten.