Die Kirche St. Johannes Baptist lässt sich schriftlich erst sehr spät belegen und wird erstmals als „S. Johans im Voglwalld“ durch die Visitation vom Jahr 1558 überliefert.
Über das Patrozinium lässt sich die Theorie aufstellen, dass an dem Platz der heutigen Kirche bereits im frühen 8. Jahrhundert eine Kapelle errichtet wurde für die der hl. Johannes der Täufer als Pate steht. Somit ist das Erbauungsjahr der ältesten, romanischen Johannes-Täufer-Kirche unbekannt. Die 87cm dicken Langhausmauern stammen aus der Zeit der frühen Romanik und dürften wohl um die 900 Jahre alt sein. 1876 feierte die Filialgemeinde Vogling das 1000-jährige Bestehen der Kirche, obwohl es dafür keinen urkundlichen Beleg aus dem Jahr 876 gibt. Diese Datierung beruht auf der Annahme, dass es sich hier um eine der ältesten Stätten des christlichen Lebens im Chiemgau handelt. Auf Grund von Blitzschlag ist die Kirche im Laufe der Jahrhunderte mehrfach schwer beschädigt worden und auch ausgebrannt. Der heute vorhandene neugotische Hochaltar wurde zum Jubiläum 1876 errichtet und ist eingerahmt von Votivkerzen der umliegenden Gemeinden, die zum Fest gestiftet wurden. Die 1100 Jahrfeier fand im September 1976 unter der Beteiligung vieler Mitglieder der örtlichen Vereine im Rahmen eines festlichen Pontifikalamts statt. Laut der Chronik machten im Anschluss viele Kirchgänger vom alten „Ausschank- und Brotverkaufsrecht“ des Mesnerwirts Gebrauch.
Die Wolfsberger Böllerschützen wurden im Jahr 1986 gegründet - aus dem Wunsch heraus, gelebtes Brauchtum, Gemeinschaft und die Freude am traditionellen Böllerschießen zu bewahren und weiterzugeben. Was mit einer kleinen, engagierten Gruppe von sieben Wolfsbergern begann, hat sich über die Jahre zu einem festen Bestandteil des Vereinslebens in Siegsdorf entwickelt.
In den ersten Vereinsjahren stand vor allem der Aufbau im Vordergrund: Organisation, sichere Abläufe und das gemeinsame Hineinwachsen in die Verantwortung als Böllerschützen. Schnell zeigte sich, dass der Verein weit mehr ist als eine Schützengemeinschaft - nämlich ein Ort der Freundschaft, des Miteinanders und der Verlässlichkeit. Besonders die zentralen Christkindl- und Silvesterschießen am Wolfsberg prägten von Beginn an das Vereinsleben nachhaltig. Die Verbindung aus Schüssen, Musik und geselligem Beisammensein wurde rasch zum festen Bestandteil des Jahres und zum Treffpunkt für Schützen und Bevölkerung.
In den folgenden Jahren wuchs der Verein stetig weiter und mit der Zeit kamen zu den traditionellen Schießen in der Weihnachtszeit weitere feste Veranstaltungen hinzu. Der Jahrtag in St. Johann gemeinsam mit der Gebirgsschützenkompanie Traunstein sowie die Eröffnung des Christkindlmarkts in Siegsdorf mit den Eisenärzter Böllerschützen sind dabei ebenso zu nennen wie zahlreiche weitere kirchliche und weltliche Anlässe, bei denen die Wolfsberger um ihr Mitwirken gebeten wurden.
Über viele Jahre hinweg sorgte eine stabile Vorstandschaft für Kontinuität und Verlässlichkeit im Vereinsleben. Erfahrung, Zusammenhalt und ein eingespieltes Team gaben dem Verein Sicherheit und prägten seine Entwicklung entscheidend. Im Jahr 2024 konnten die Gründungsmitglieder nach vielen Jahrzehnten ihre Ämter in neue Hände geben und leiteten damit einen bewusst gestalteten Generationswechsel ein. Die langjährigen Vorstände wurden für ihre großen Verdienste zu Ehrenmitgliedern ernannt - ein sichtbares Zeichen der Anerkennung und Dankbarkeit für ihr jahrzehntelanges Engagement und ihre prägende Arbeit für den Verein.
So zeigt die Geschichte der Wolfsberger Böllerschützen eindrucksvoll eine Entwicklung, die von Kameradschaft, Verlässlichkeit und gelebter Tradition geprägt ist - und die mit einem gelungenen Generationswechsel den Verein gut aufgestellt und zuversichtlich in die Zukunft blicken lässt. Aktuell besteht der Verein aus 69 Mitgliedern, davon 31 aktive Böllerschützen. Nikolas Bauer