Wie funktioniert offenes Lernen an unserer Schule?
Das Gebäude der Mittelschule Pfronten ist frisch saniert und hat beim Tag der offenen Tür viele interessierte Besucherinnen und Besucher angezogen. Dabei wurde mir immer wieder eine Frage gestellt: Wie funktioniert das offene Lernen an der MSP?
Diese Gelegenheit möchte ich nutzen, um unser Unterrichtskonzept kurz und verständlich vorzustellen.
Unser Schulkonzept basiert auf drei Säulen, die sich sinnvoll ergänzen:
1. Klassenleitersystem – Gemeinschaft und Orientierung
Der Unterricht im Klassenleitersystem ist seit vielen Jahren ein bewährter Bestandteil der Mittelschule und bleibt auch an unserer Schule ein wichtiger Grundpfeiler.
Die Klasse mit ihrer Klassenleitung ist für die Schülerinnen und Schüler eine feste soziale Einheit. Hier werden Entscheidungen besprochen, Geburtstage gefeiert und Ausflüge geplant. Diese verlässliche Gemeinschaft vermittelt Halt, Orientierung und Zugehörigkeit.
2. Selbstorientiertes Lernen (SOL) – Verantwortung für den eigenen Lernweg
Ein zentraler Baustein unseres Konzepts ist das selbstorientierte Lernen, kurz SOL. Dafür gibt es feste Lernzeiten im Stundenplan. Je nach Alter der Schülerinnen und Schüler umfasst dieses Lernen zwischen vier Stunden pro Woche und bis zu vier Unterrichtsstunden täglich.
In diesen Lernphasen planen die Schülerinnen und Schüler eigenständig,
Dabei sind sie selbstverständlich nicht auf sich allein gestellt: Mindestens eine Lehrkraft steht immer als Ansprechpartnerin oder Ansprechpartner zur Verfügung.
Ein wichtiger Bestandteil dieser Lernzeit ist auch das Coaching. Jede Schülerin und jeder Schüler besprechen wöchentlich in einem persönlichen Gespräch mit dem Coach die nächsten Ziele.
Die Arbeitsaufträge erhalten die Kinder und Jugendlichen häufig digital über das iPad, teils sehr individuell angepasst. So können sie je nach Lernstand gezielt gefördert werden.
Die Schülerinnen und Schüler lernen dadurch, ihre eigenen Stärken und ihren Unterstützungsbedarf realistisch einzuschätzen. Sie überlegen zum Beispiel:
Wer sich gut vorbereitet fühlt, kann Leistungsnachweise in manchen Fällen sogar schon vor dem eigentlichen Termin während der SOL-Phasen schreiben.
3. Lernen durch Erleben – Wissen praktisch anwenden
Die dritte Säule unseres Konzepts heißt „Lernen durch Erleben". Dazu gehören Projekte, bei denen Lernen ganz praktisch und lebensnah wird. Gerade in den höheren Klassen arbeiten die Schülerinnen und Schüler auch während der SOL-Stunden an solchen Vorhaben.
Beispiele dafür sind:
Hier erleben die Kinder und Jugendlichen, dass Schule mehr ist als Unterricht im Klassenzimmer: Sie lernen Verantwortung, Teamarbeit und den Blick über den eigenen Alltag hinaus.
Ein besonderes „lernen durch Erleben" bieten die Starterstunden für die Klassen 5 bis 7:
Am Montag und Dienstag können die Schülerinnen und Schüler von 8 Uhr bis 8.45 Uhr einen Wahlunterricht nach persönlichem Interesse besuchen.
Zur Auswahl stehen zum Beispiel:
Gesundes Frühstück, Mädchenfußball, Tennis, Mountainbike, Klettern, Fischertechnik, Programmieren, Blasorchester, Meditation und viele mehr.
So können Interessen entdeckt, Talente gestärkt und neue Erfahrungen gesammelt werden.
Digitale Schule mit Augenmaß
Wir sind eine digitale Schule: Jede Schülerin und jeder Schüler arbeitet mit einem iPad. Je nach Alter ist der Schulaccount passend eingerichtet. So haben jüngere Kinder zum Beispiel keine Möglichkeit, miteinander zu chatten.
Über das iPad erhalten die Schülerinnen und Schüler differenzierte Aufgaben, und auch Eltern können über den Lern- und Leistungsstand informiert werden.
Trotzdem achten wir bewusst darauf, die Bildschirmzeit sinnvoll zu begrenzen. Gerechnet und geschrieben wird weiterhin ganz klassisch im Heft.
Unser Ziel
Unser Ziel ist es, jungen Menschen Wissen, Selbstständigkeit, Verantwortungsbewusstsein und praktische Erfahrungen mit auf den Weg zu geben.
Dass dieser Weg erfolgreich ist, zeigen auch die Ergebnisse: Unsere Schülerinnen und Schüler schneiden bei Vergleichsarbeiten im Ostallgäu und in Bayern regelmäßig sehr gut ab. Nach dem Schulabschluss beginnen viele eine berufliche Ausbildung, seit einigen Jahren entscheiden sich auch zunehmend mehr Jugendliche für den Weg in Richtung Abitur.
Unser Konzept auf einen Blick
UNTERRICHT AN DER MITTELSCHULE PFRONTEN
| 1. Gemeinschaft | 2. Eigenverantwortung | 3. Praxisbezug |
| Klassenleitersystem | Selbstorientiertes Lernen (SOL) | Lernen durch Erleben |
| • Halt • Zugehörigkeit • feste Klasse | • eigene Lernplanung • Coaching •individuelle Förderung | • Projekte • Kooperationen • lebensnahes Lernen |
Text: A. Böhling, G. Briechle
Flyer: Radmila Vuchkova, Klasse 8M