Mit zwei Jahren Verspätung findet das diesjährige Sieben-Vereine-Sportfest wieder bei uns in Nesselwang statt. Eigentlich wäre der Turnverein Nesselwang schon 2022 mit der Durchführung an der Reihe gewesen, doch die Pandemie verhinderte den Wettbewerb.
Die traditionsreiche Leichtathletik-Veranstaltung, bei der schon mehrere Generationen von Nesselwangern ihren sportlichen Ehrgeiz unter Beweis stellten, ist für den Turnverein Nesselwang jedes Mal eine enorme organisatorische Herausforderung.
Jedes Jahr treffen sich die Sportvereine aus Wertach, Kranzegg, Untermaiselstein, Oy, Mittelberg, Petersthal und Nesselwang an einem Samstag im Juli und richten für ihre Kinder und Jugendlichen Leichtathletikwettkämpfe aus. Heuer fällt das Ereignis auf den 06. Juli.
Doch zuerst ein Blick zurück zu den Anfängen......
Den Grundstein für das Sportfest legte 1927 der Erste Vorstand des TV Mittelberg, Hermann Schall, mit der Absicht, die nachbarlichen Beziehungen der Vereine enger aneinander zu schmieden und junge Mitglieder für den Sport zu werben.
Am 09. September 1928 war es dann soweit. Das erste Vereinsabturnen, wie es damals noch hieß, fand in Oy auf der Festwiese bei der Bahnhofsrestauration statt. Die teilnehmenden Vereine Oy, Mittelberg, Petersthal, Wertach und Nesselwang trafen sich zur Aufstellung am Gasthaus Stach und marschierten im Festzug unter Begleitung der Harmoniemusik Oy zur Wettkampfstätte.
In den Jahren 1929 bis 1938 wiederholten sich die Veranstaltungen an den verschiedenen Austragungsorten.
In Nesselwang fanden die Wettbewerbe anfangs auf dem Sportplatz „auf der Egg“ statt. Das auch als Fußballplatz genutzte Feld befand sich rechts oberhalb der Straße „An der Riese“, Richtung Bayerstetten.
Ein schmaler Fußweg führte in steilen Serpentinen nach oben.
Die Disziplinen Turnen am Reck, Barren und Seitpferd standen damals noch im Vordergrund, die leichtathletischen Wettbewerbe spielten dabei keine große Rolle. Hin und wieder wurden Einzelwettbewerbe wie ein 3-km-Lauf, Stabhochsprung, Weitsprung und Kugelstoßen durchgeführt.
Die Geräte mussten umständlich mit dem Fuhrwerk zum Austragungsort transportiert und dort aufgebaut werden. Ein ausgegrabenes Loch, gefüllt mit Sand und Sägemehl, diente als Weitsprunganlage. Die Hochspringer mussten sich auf Säcke mit Hobelspänen und Rosshaaren fallen lassen.
Bei einem Schauturnen, welches nachmittags nach den Wettkämpfen abgehalten wurde, konnten die Turner ihre Leistungen den interessierten Nesselwangern vorführen.
Am 3. September 1939 sollte das Abturnen wieder in Mittelberg stattfinden. Doch dazu kam es nicht mehr. Bis 1945 konnten keine Wettbewerbe mehr abgehalten werden.
Doch schon 1946 trafen sich in Mittelberg wieder die Vereine. Dort beschloss man, das Sportereignis wieder jährlich durchzuführen.
1950 beteiligte sich der TSV Kranzegg erstmals am Vereinsabturnen, 1969 schloss sich der TSV Untermaiselstein als Siebter und letzter den sechs Vereinen an.
Anfang der Sechziger Jahre konnte der TVN als neue Sportstätte den Bereich hinter der Schule, zwischen heutigem Spielplatz und der Alpspitzhalle für seine Trainingsstunden gewinnen. Eine Weitsprunggrube wurde ausgehoben und auch die Einfassung für eine Aschebahn, wie sie damals üblich war, wurde gelegt. Diese konnte jedoch nicht fertig gestellt werden, die Gemeinde hatte andere Pläne für das Areal. Somit musste man wieder auf den Sportplatz auf der Egg zurück.
In diesem Zeitraum fingen auch immer mehr Kinder und Jugendliche an, sich für das Turnen und die Leichtathletik zu begeistern und beim Vereinsabturnen teilzunehmen.
Ab Mitte der Siebziger Jahre wurden die Turner immer weniger und so entschloss man sich, das Sportfest nur noch als Leichtathletik-Veranstaltung durchzuführen.
Als dann 1979 die Sport- und Freizeitanlage am Badeseeweg eröffnet wurde, erhielten die Sportler optimale Bedingungen zur Ausübung ihres Trainings und natürlich zur Ausrichtung des Vereinsabturnens, welches 1980 umbenannt wurde in Sieben-Vereine-Sportfest. Die Teilnehmerzahlen lagen in dieser Zeit bei 300 bis 400 (Rekord) Sportlern.
Ein weiterer Meilenstein wurde sicherlich durch die Einführung der elektrischen Zeitmessung 1988 durch Kurt Zocher und Manfred Albrecht gelegt, die die sieben Vereine die kommenden 10 Jahre auf professionelle Weise mit der Zeitnahme unterstützen sollten. Mit der 1993 erstmalig durchgeführten Wettkampfauswertung per EDV bekam das Sieben-Vereine-Sportfest weitere technische Erleichterung.
Einige Nesselwanger Nachwuchstalente brachte diese Zeit hervor. Herauszuheben unter den Athleten ist Gerhard Gruber, der den Titel „Deutscher Schüler Meister“ im Blockwettkampf Sprint/Sprung mit nach Nesselwang brachte und sogar die Aufnahme in den C-Nachwuchskader des Deutschen Leichtathletikverbandes schaffte.
74 Jahre konnten die jährlichen Wettkämpfe ohne Unterbrechung stattfinden, bis 2020 erneut wieder eine Pause eingelegt werden musste. Die Corona-Pandemie machte den Vereinen einen Strich durch die Rechnung. Erst 2022 konnte in Oy wieder ein Wettbewerb durchgeführt werden.
Für das diesjährige Fest in Nesselwang laufen die Vorbereitungen schon auf vollen Touren, sowohl organisatorisch, als auch mit dem Training der Kinder und Jugendlichen. Im Winter wurde in der Alpspitzhalle geübt und nach den Osterferien, so oft es das Wetter zuließ, auf dem Sportplatz am Badeseeweg.
Angeleitet von engagierten Übungsleiterinnen trainieren
ca. 100 Kinder in acht Gruppen. Mit rund 50 jungen Sportlern ist der TVN beim Sieben-Vereine-Sportfest vertreten.
Der Wettkampftag beginnt vormittags um 9 Uhr mit dem Dreikampf.
Hier messen sich die Mädchen und Buben im Laufen, Weitsprung und Weitwurf (die Größeren im Kugelstoßen). Nachmittags folgt dann der Hochsprung, der Staffellauf und das Tauziehen, bei dem die einzelnen Sportvereine mit altersgemischten Mannschaften gegeneinander antreten. Dies gilt als Höhepunkt der Wettkämpfe, die Teilnehmer werden mit ohrenbetäubendem „Zieh an“ angefeuert. Anschließend findet die große Siegerehrung statt, bei der jeder Teilnehmer eine Medaille erhält und die jeweils besten Drei in den Einzeldisziplinen eine Urkunde. Die drei Besten in den Staffeln bekommen Pokale überreicht. Unter Berücksichtigung des Alters aller Sportler wird ebenfalls ein Vereinsmeister ermittelt. Dieser konnte letztes Jahr in Petersthal sogar vom TV Nesselwang mit Daniel Seiwerth gestellt werden.
Dieses Jahr werden ca. 350 Kinder und Jugendliche und ca. 200 Zuschauer erwartet. Dazu kommen noch ca. 100 Helfer. Übungsleiter, Betreuer, Kuchenbäckerinnen, Kampfrichter, Riegenführer, Auf- und Abbauer und viele andere tragen alle dazu bei, dass der Tag ein gelungenes Fest für die Sportler wird. Maßgebliche Unterstützung erhält der TVN bei der Bewirtung durch den Skiklub und den Fußballclub. Denn das leibliche Wohl darf natürlich nicht zu kurz kommen. Der Tag ist lang und in den Pausen zwischen den einzelnen Disziplinen finden die Kinder und Jugendlichen immer Gelegenheit, mit ihren Freunden vom Verein oder mit der Familie zusammen zu essen und dabei die bereits bestrittenen Wettkämpfe zu resümieren.
Die Absicht, mit der das Abturnen damals ins Leben gerufen wurde, die Gemeinschaft und Geselligkeit der Sportler untereinander zu fördern, ist in jedem Fall aufgegangen.
Nach fast 100 Jahren mit nur zwei Unterbrechungen ist das Sieben-Vereine-Sportfest ein fester Bestandteil im Sportjahr für die jungen Leichtathleten aus Wertach, Kranzegg, Untermaiselstein, Oy, Mittelberg, Petersthal und Nesselwang.
Kleine Anekdote am Rande:
In Kranzegg war die Sprunggrube zu kurz geraten, ein Sportler sprang über den hinteren Rand hinaus, so musste sie kurzerhand während der Veranstaltung verlängert werden.
Text: Stefanie Boerboom
Bilder: Turnverein Nesselwang