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Nesselwanger Leben - Informationsblatt
Ausgabe 4/2019
Aktuelle Vorlauftexte
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Der Reiterverein Nesselwang und die alljährlichen Reiterspiele

Die 43. Nesselwanger Reiterspiele stehen vor der Türe und diese Veranstaltung ist für alle Vereinsmitglieder die mit Abstand aufwändigste und wichtigste Veranstaltung des Reitervereins Nesselwang. So erinnert Karl Meyer, der selbst 24 Jahre erster und 12 Jahre zweiter Vorstand des Vereins war, immer wieder daran, dass die Reithalle hauptsächlich mit den Reiterspielen finanziert werden konnte. Vor etwa 45 Jahren startete die Geschichte dieses mittlerweile zur lieben Tradition gewordenen Festes.

Was zunächst mit einer eher kleinen Veranstaltung begann, entwickelte sich dank ausgesprochen rühriger Mitglieder der damaligen Vorstandschaft schnell zu einem großen Fest, das in den vergangenen Jahrzehnten nur zweimal aufgrund widriger Wetterverhältnisse ausgefallen ist. Und so lautet das Motto im Reiterverein bis heute: „Nach den Reiterspielen ist vor den Reiterspielen.“ Bereits am Abend nach der Veranstaltung wird meist in feuchtfröhlicher Runde ein erstes Resümee gezogen.

In den darauf folgenden Tagen wird die Manöverkritik schriftlich fixiert, ordentlich abgeheftet um dann hoffentlich während der intensiven Vorbereitungszeit ab Mitte Januar des kommenden Jahres auch wiedergefunden zu werden. Und natürlich gibt es jedes Jahr Pannen, die Gott sei Dank nicht alle offenkundig werden. Letztes Jahr zum Beispiel fand auf häufig geäußerten Wunsch zahlreicher Nesselwanger und auch vieler Gäste wieder ein Festumzug statt. Dieser wurde dank der Mithilfe der Nesselwanger Vereine zu einer wunderschönen Sache. Dass das sich im Umzug befindende Kamel die Pferde ziemlich durcheinander gebracht hat, ist eine Sache. Dass der Festzug mit zünftiger Blasmusik an der Pfarrkirche St. Andreas vorbeigezogen ist, während in der Kirche noch das Hochamt anlässlich des Feiertages Maria Himmelfahrt gefeiert wurde, erinnert schon eher an eine bayerische Heimatkomödie. Im Nachhinein kann man darüber schmunzeln, vor allem da Herr Pfarrer Werner Haas dem Verein nicht böse war und sich spontan bereit erklärt hat, den Festgottesdienst in Sankt Andreas dieses Jahr bereits um neun Uhr beginnen zu lassen, so dass der Festumzug um 10 Uhr gestartet werden kann und die Kirchenbesucher den Umzug sehen können. Hierfür ein herzliches Dankeschön. Und so kann die Vorsitzende des Reitervereins Bianca Meyer auch erleichtert spaßen: „Welcher Verein schafft es schon, mit seinen Geschichten vom berühmten Geist des Windgassenfaschings erwähnt zu werden?“

Allen Reitern und Kutschfahrern kann versichert werden, dass dieses Jahr kein Kamel für Aufregung sorgen wird und der Verein sich über jeden Reiter, jede Kutsche, überhaupt jeden Mitwirkenden sehr freut, egal ob Mitglied des Reitervereins oder nicht. Nach dem Festzug findet vor der Kulisse der Reithalle in Gschwend ein Wortgottesdienst statt, der auf großen Wunsch der Vorstandschaft des Reitervereins von den Alphornbläsern des Trachtenvereins Nesselwang mitgestaltet wird. Besonderen Wert legen die Reiter auf die anschließend von Herrn Pfarrer Josef Hutzmann mit viel Herz durchgeführte Tiersegnung. Wer ein Haustier hat, weiß, wie groß die Sorgen um diese Familienmitglieder sein können. Und so würde sich der Verein wünschen, dass noch viel mehr Tiere – egal ob Hund, Katze, Maus, Hase, Meerschweinchen etc. zur Segnung gebracht werden. Wer sich seinen Segen immer selbst abholt, ist Kater „Tiger“ vom Allgäuer Reiterhof, der sich in der Regel dort aufhält, wo gerade am meisten los ist. In der von der Musikkapelle Maria Rain gestalteten Mittagspause können die Besucher der Reiterspiele zuschauen, wie Ernst Brugger mit seinen Kaltblütern im Wald arbeitet. Um 12.30 Uhr geht es dann los mit dem Nachmittagsprogramm, das vom Ehrenmitglied des Reitervereins Nesselwang, Martin Miller auf gewohnt lockere Weise moderiert wird und wieder jede Menge Spaß und Spannung verspricht.

Mit Grasskijöring, Spring- und Dressurvorführungen, Line Dance, Vogelflugschau, kleinen Marktständen und vielem mehr ist für jeden etwas geboten. Musikalisch untermalt wird das Nachmittagsprogramm durch die Jagdhornbläser-Gruppe des Reitervereins Nesselwang. Für die Kinder ist mit Pony-Reiten, Kinderschminken u.a. gesorgt. Groß ist die Begeisterung im Verein darüber, dass die Freunde vom Mittelalter und der Kavallerie wieder mit von der Partie sind. Vereinsmitglied Hartwig Lieb stellte den Kontakt zu dieser Truppe vor einigen Jahren her. Inzwischen ist daraus eine echte Freundschaft geworden. Und so reisen die Mittelalter- bzw. Kavallerie-Leute bereits einige Tage vor den Reiterspielen an, schlagen in Gschwend ihr Lager auf und machen auf ihren Ausritten den Markt Nesselwang unsicher. Hier wird das Mittelalter wirklich von A bis Z gelebt. Interessierte sind jederzeit eingeladen, beim Lagerleben vorbeizuschauen. Ja, der Countdown läuft, die letzten Wochen vor dem Ereignis sind da. Viel Arbeit steht an. Zwei große Zelte werden aufgebaut, damit die Reiterspiele auch bei jedem Wetter stattfinden können. Der Festplatz wird hergerichtet, Pavillons werden aufgestellt, für Wasser – und Stromanschlüsse muss gesorgt werden. Das alles wäre ohne die zahlreichen Helfer, denen an dieser Stelle schon einmal großer Dank ausgesprochen wird, völlig unmöglich. Manche von ihnen opfern seit Jahrzehnten den 15. August komplett dem Reiterverein. Vorstandsmitglieder wie Günther Fröhlich, der 12 Jahre als erster Vorstand den Verein geführt hat, verbringen jedes Jahr im August eine Woche mehr oder weniger durchgehend auf dem Festgelände in Gschwend. Und es wird natürlich eifrig trainiert, damit am „großen Tag“ möglichst alles glatt läuft. Die Aufregung steigt. Und ist von dieser Aufregung am 15. August auf dem Festplatz auch nicht viel zu spüren, hinter den Kulissen tobt das Lampenfieber. Und so ahnen auch die Pferde: „Es sind wieder Reiterspiele“.

In diesem möchte der Reiterverein Nesselwang seinem Publikum am 15. August einen wunderschönen, hoffentlich unfallfreien Tag bereiten, der allen Beteiligten Freude machen und lange in Erinnerung bleiben soll.

Text und Bilder: Sandra Straubinger