Nach einer kurzen Begrüßung am Feuerwehrhaus durch Franz Oppel übernahm Anton Müller die Leitung der Wanderung mit dem Motto „Sulzdorf mit Wald und Flur“. Die erste Station für die ca. 55 Personen war die 400-jährige Eiche am Narrenweg. Was hat wohl dieser Baum schon alles gesehen? Angefangen von den schwedischen Truppen des 30-jährigen Krieges bis in die heutige Zeit. Nicht weit entfernt, in einer Talsenke Richtung Westen waren bis zur Flurbereinigung die Schwedenäcker, was auf ein ehemaliges Feldlager hinweist. Dechant Lochbrunner aus Mündling berichtete, dass er am 17.07.1632 mit den Pfarrern von Sulzdorf und Flotzheim „zusammengekoppelt und gebunden gewesen, nach völliger Spolation und Traktation ledig gemacht, auf einen 400 fl. Lösegeld geschlagen“.
In der Waldabteilung Zanner erfuhren die Wanderer, dass bereits 1706 vom Koster Kaisheim begonnen wurde, die Klosterwälder mit Grenzsteinen zu versehen. Das „K“ für Kaisersheim zeigte bei den gehauenen Marksteinen immer in Richtung des Klosterwaldes. Bereits damals wurden unter die Grenzsteine sogenannte Zeugen gelegt, die immer die Richtung zum vorhergehenden und zum nächsten Markstein anzeigten. Der Abstand zwischen den einzelnen Steinen war in Schritten angegeben. In den Vermarkungsprotokollen ab ca. 1780 erfolgte die Angabe der Abstände in Ruten und Schuh Nürnberger Maß (1 Rute ist 16 Schuh = 4,86 m). Alles was früher Klosterwald war ist heute der Staatswald. Für den bisherigen Mischwald erfolgte ab 1846 die Umwandlung in einen Nadelwald.
Interessant waren auch die Ausführungen zum Weide-, Laub- und Geäckerichrecht, das im Jahre 1539 die damaligen Pfalzgrafen in Neuburg für alle Waldungen erteilten, jedoch nicht für ihren eigenen ca. 86 Tagwerk großen Waldbereich Herrenberg. Diese Rechteerteilung war nicht umsonst, im Gegenzug musste der sogenannte Eichelhaber an das Kastenamt in Graisbach abgeliefert werden. Auch für die Wahrnehmung der einzelnen Rechte gab es genaue Vorschriften bzw. Zeiträume.
Über gut ausgebaute Waldwege führte die Wanderung über den Wald Herrenberg zum Gemeindewald an der Gunzenheimer Straße. Bereits in einem Salbuch des Klosters Kaisheim Anfang des 15. Jahrhunderts findet sich der Eintrag „Die von Sulzdorf haben ein Holzmark gemein“. Die Inhaber der Holzmark waren berechtigt zu „brennen“ und zu „zimmern“. Nach dem revidierten Gemeindeedikt von 1834 musste sich die Benutzung der Gemeindewaldungen auf Kuratel amtlich genehmigte Betriebs- und Wirtschaftspläne stützen, was der Gemeinde gar nicht gefiel und dies in Schreiben an das Landgericht Donauwörth kundgab.
Den Abschluss der ca. 2 ½-stündigen Wanderung bildete ein kurzer Besuch der vom Kloster Kaisheim erbauten Sulzdorfer Pfarrkirche. Franz Oppel bedankte sich hier bei Anton Müller für die sehr informative Zeitreise vom 16. bis ins 20.-Jahrhundert in der Sulzdorfer Gemarkung.
(Text: Anton Müller / Fotos: Manfred Volkert)