Es wird Herbst in einem Jahr, das viele Wetterextreme mit sich brachte. Diese Extreme hatten auch Auswirkungen auf die Insekten. Die Völker der Deutschen- und der Gewöhnlichen Wespe kamen gut mit dem Wetter zurecht, die Hornissen leider weniger. Aus diesem Grund gibt es aktuell besonders viele Wespen, die uns lästig werden. Immer wieder werde ich gefragt: Wozu sind diese nervigen Tiere denn überhaupt gut?
Wie alle anderen Insekten sind Wespen erst einmal Nahrung. Ein starkes Hornissen Volk benötigt täglich etwa 500g Insekten – ein Großteil davon sind Wespen. Ist die Anzahl der Wespen und Hornissenvölker ausgewogen, haben wir deutlich weniger Probleme mit den Wespen. Das lässt sich dort beobachten, wo Hornissenvölker im Siedlungsbereich leben. Hier werden selten Probleme mit großen Völkern von Deutscher – oder Gewöhnlicher Wespe gemeldet. Umgekehrt gibt es vor allem dieses Jahr Ortsteile mit massiven Wespenproblemen – aber dafür gibt es dort kaum Hornissen!
Nahrung sind Wespen aber auch für viele Vögel. Die erwachsenen Tiere sind nur bei wenigen Arten beliebt, anders verhält es sich bei den im Sommer und Herbst absterbenden Nestern. Die Wespenbrut, die am Ende der Saison noch in den Nestern ist, bildet eine wichtige Eiweißquelle für unsere Zugvögel. Beim Ausräubern der verlassenen Wespennester werden Energiereserven für den Flug in den Süden aufgebaut.
Nach aktuellen Zahlen vom Ministerium für Ernährung und Landwirtschaft benötigen unsere heimischen Vögel allein in unseren Wäldern 450 000 Tonnen Insekten pro Jahr. Eine unvorstellbar große Anzahl an Tieren ist dafür nötig!
Aber Wespen werden natürlich nicht nur gefressen. Sie benötigen selbst eine große Menge Eiweiß zur Aufzucht der Brut. Und dabei sammeln sie so manche Tiere ein, die wir nicht gerne sehen wie z.B. Blattläuse, Maden, Larven von Mücken und Fliegen, Stechmücken und ähnliches. Dadurch sind Wespen hervorragende Schädlingsbekämpfer.
Da bei den meisten Wespenarten die erwachsenen Tiere vegetarisch leben, bestäuben sie auch eine Vielzahl von Pflanzen. Im Herbst reduzieren sie die Menge an verfaulendem Fallobst und das ganze Jahr über sorgen Wespen mit dafür, dass kein Aas in unserer Natur liegen bleibt.
Sie sind wichtig, keine Frage. Aber wir möchten den Spätsommer und Herbst trotzdem in Ruhe genießen können. Die beste Hilfe gegen neugierige und hungrige Wespen ist eine Sprühflasche mit Wasser. Immer dann, wenn sie angeflogen kommen mit dem Wasser in Richtung der Wespe sprühen. Sie mögen keinen Regen und somit auch keine Orte, an denen es für sie immer regnet.
(Text und Foto: Renate Röding)