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Bad Königer Stadtnachrichten und Badeblatt
Ausgabe 1/2026
Partnerschaft Bad König Argentat
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Partnerschaft Bad König Argentat

Zwar stehen wir erst am Anfang des neuen Jahres, aber es kann nicht schaden, sich schon einmal auf die wichtigeren Ereignisse der kommenden Monate vorzubereiten. Zu denen gehört die Fahrt des Bad Königer Partnerschaftskomitees nach Frankreich, also in unsere Partnerstadt Argentat-sur-Dordogne. Die findet vom 3. zum 7. Juni 2026 statt, recht früh also, weshalb das Komitee schon jetzt auf diesen Termin hinweisen und zur Mitfahrt einladen möchte. Die genauen Einzelheiten – Abfahrtszeiten, Fahrpreis usw. – werden noch rechtzeitig mitgeteilt. Aber man kann sich ja jetzt schon den Termin in den Kalender eintragen und sich auf die Reise einstimmen. Und dieser mentalen Vorbereitung soll der folgende Beitrag dienen, der in mehreren Fortsetzungen erscheinen und einen Blick auf touristische Ziele in der weiteren Umgebung unserer Partnerstadt in der Corrèze wirft.

Von dem früheren Präsidenten der Republik Frankreich, Charles de Gaulle, soll der Satz stammen: „Wie wollen Sie ein Volk regieren, das 246 Käsesorten besitzt?“ Ob es tatsächlich nur 246 Sorten sind, lassen wir mal dahingestellt, aber wir greifen das präsidentielle Dictum gerne auf und verbinden die Vorstellung von Nachbarregionen Argentats mit einem Blick auf die in diesen Gegenden heimischen Käsesorten. Um dabei Langeweile nicht aufkommen zu lassen, beschränken wir uns auf einige wenige. Wir verknüpfen so Touristisches mit Kulinarischem. Reiselust und die Freude an gutem Essen verführen so hoffentlich manchen Leser und manche Leserin dazu, sich in diesem Jahr, vielleicht zum ersten Mal, zusammen mit dem Partnerschaftskomitee auf den Weg nach Argentat und in Frankreichs Süden zu machen. Auf dem großen Wochenmarkt von Argentat kann man dann auch gleich an einem der gut sortierten Käsestände die Probe aufs Exempel machen, sprich: Käsesorten probieren – und natürlich kaufen. Die Rückfahrt nach Bad König übersteht ein Päckchen Käse allemal!

Wir beginnen unsere dreiteilige Käseserie heute mit dem Cantal und dem Dörfchen Salers.

Argentat-sur-Dordogne, selbst reich an Sehenswürdigkeiten, bietet sich auch als Ausgangspunkt für Ausflüge in die nähere oder fernere Umgebung an. Folgt man dem bei Argentat in die Dordogne mündenden Flüsschen Maronne nach Osten, erreicht man nach einer Fahrt von etwa fünfzig Kilometern das kleine Dorf Salers, das über dem Tal der Maronne in einer Höhe von etwa 950 Metern thront. Hier befinden wir uns im Département Cantal, das zur Region Auvergne-Rhone-Alpes gehört. Der Ort ist von hohen Bergen umgeben, von denen der in der Nähe gelegene Puy Violent, also der „gewaltige Berg“, die Höhe von 1592 Metern erreicht. Bis zum Pas de Peyrol, häufig einer der Schauplätze von Bergfahrten der Tour de France, sind es von Salers aus noch weitere 30 Kilometer; der nach Osten führende Pass liegt in 1588 Metern Höhe. Mancher Besucher aus Bad König mag sich noch an den Besuch des Puy Mary erinnern, den einige von uns, darunter auch der Berichterstatter, anlässlich eines Partnerschaftstreffens im Jahr 2014 mutig erklommen haben, um die beeindruckende Bergwelt des Cantal zu bewundern.

Salers selbst hat nur etwa 300 Einwohner, dafür aber viele Sehenswürdigkeiten, die jedes Jahr rund 400.000 Besucher in den Ort führen. Viele gut erhaltene Häuser, die ältesten aus dem 15. Jahrhundert, bieten einen pittoresken Anblick, darunter zwei alte mit Türmen bewehrte Stadttore und die Kirche Saint-Mathieu. Im Zentrum stößt der Besucher auf das Denkmal eines gewissen Ernest Tyssandier d´Escons (1813-1889), bei dem es sich, wie man erfährt, um den Mann handelte, der als Züchter des Salers-Rinds gilt. Und aus der Milch dieser Kühe wird der Salers-Käse gewonnen, womit wir bei den leiblichen Genüssen angekommen sind.

Cantal ist nicht nur der Name eines Départements und zugleich der gebirgigen Landschaft. Cantal ist auch der Name einer Käsesorte, zu der der Cantal Salers gehört. Letzterer wurde sogar als Teil des immateriellen französischen Kulturerbes anerkannt. Dem Verkauf und Verzehr von diesem Käse geht ein aufwändiges Produktionsverfahren voraus. Der in Kesseln zusammengewachsene Bruch wird mehrmals gepresst und in dieser Phase der Herstellung auch gesalzen, bevor er nach etwa 36 Stunden in Form gebracht werden kann. Der einzelne Käselaib ist 30 bis 40 cm hoch und bringt ein Gewicht von 30 bis 45 Kilogramm auf die Waage. Während des Reifungsprozesses wechselt die Rinde ihre Farbe von Goldgelb zu Rot und geht schließlich in ein Grauweiß über. Das dauert zwischen drei und sechs Monate.

Besonders strenge Auflagen müssen die Hersteller des Cantal Salers erfüllen. Die Kühe, die die Milch für den Salers liefern, müssen mindestens 75 % Weidegras gefressen haben, ein Grund, weshalb der Salers nur zwischen Mitte April und Mitte November hergestellt werden darf. In Zeiten der Klimakrise ist das für die etwa 80 Bauern, die den Käse auf ihren burons genannten Berghütten herstellen, nicht einfach. In langen Hitzeperioden wächst das Gras nicht, dann kann die Quote von 75 % Grasfütterung nicht erfüllt werden. Den Bauern bleibt dann nichts anderes übrig als den Käse als „einfachen“ Cantal auf den Markt zu bringen, was sich natürlich auch im niedrigeren Preis niederschlägt.

Der Salers-Käse ist ein fester Schnittkäse mit etwa 45 % i. Tr., dessen Aroma den Duft der Weidegräser – Veilchen, Ginster, Enzian - in die Nase steigen lässt.

(Fortsetzung folgt)
Thomas Seifert