Titel Logo
Bad Königer Stadtnachrichten und Badeblatt
Ausgabe 11/2026
Kirchliche Nachrichten
Zurück zur vorigen Seite
Zurück zur ersten Seite der aktuellen Ausgabe

Kirchliche Nachrichten

Kann denn solch ein Alltagsgegenstand Gegenstand einer tieferen Betrachtung sein? Versuchen wir es. Wenn ich morgens ins Bad komme, das Licht eingeschaltet habe und in Richtung Spiegel schaue, fällt mein Blick auf sie, auf die Badezimmeruhr. Ganz leise ruft sie: Nutze die Zeit! - Mir fällt die Stelle in den Paulus-Briefen ein: „Die Stunde ist da vom Schlafe aufzustehen. Denn das Heil ist uns näher als damals!“ - In den Wochen vor Ostern hat das noch einen ganz besonderen Unterton. Das tägliche Tun ist nicht einfach nur geschenkte Zeit, sondern in jedem Augenblick liegt eine Chance für mich und für andere Menschen. Wer wird mir heute über den Weg laufen? Mit wem will oder muss ich heute telefonieren?

Die Ungewissheit, wenn man nicht mehr fest im Beruf steht, aber als Rentner doch noch eine Menge um die Ohren hat; Aufgaben, zu denen man sich verpflichtet hat, und Aufgaben, die gut vorzubereiten sind. Gut Ding will Weile haben, heißt es. Vielleicht sind es auch nur ein paar gute Worte zu jemandem oder ein hilfreicher Dienst, für die ich heute gebraucht werde. Ein guter Freund von mir drückte das so aus“ „Lieber Gott, schick mir die Leute, die mich brauchen und die ich brauche.“

Mit ihrem leisen, aber unerbittlichen Tick-Tack des Sekundenzeigers sagt mir meine Badezimmeruhr, dass ich nicht hetzen soll, aber vorankommen. Es liegt ein unerforschliches Geheimnis in diesem Rhythmus. Mit jedem Augenblick nehmen wir an der Vergänglichkeit teil. Dieses Rätsel der Zeit bestimmt unser Dasein.

Bei solchen Überlegungen schon am frühen Morgen empfinde ich große Dankbarkeit für meinen nicht immer leichten Beruf, für meine bisher verlässliche Gesundheit und mein mit viel Humor gesegnetes Wesen. Vielleicht finden Sie, dass ein solcher Blick auf die Badezimmeruhr völliger Unsinn ist, aber mir macht er besonders deutlich, dass wir nichts festhalten können. In der inneren Hoffnung, das mein bruchstückhaftes Leben in Gottes Hand liegt, bleibe ich gelassen. Ich verspüre immer noch eine gewisse Neugier, mit der ich in den Tag gehe. Auch wenn es nichts Außergewöhnliches zu erleben gibt, will ich es doch jeden Tag aufs Neue wissen.

Schöne Grüße, gerne morgen früh auch an Ihre Badezimmeruhr.

Jan. Mäurer, kath. Kirche, Bad König