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Bad Königer Stadtnachrichten und Badeblatt
Ausgabe 17/2026
Kirchliche Nachrichten
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Kurseelsorge

Leben wir innerhalb kurzer Zeit in einem „neuen“ Land? Man muss kein Wirtschaftswissenschaftler sein, um die gravierenden Folgen der derzeitigen internationalen Krisen und der Kriege zu erfassen. Spätestens seit dem Krieg in der Golf-Region in den letzten Wochen werden uns die internationalen Verwicklungen und Verwerfungen schmerzhaft deutlich. Ein Krieg, bei dem es auch um Öl und Gas geht, trifft den Nerv der ganzen Weltwirtschaft und damit auch uns.

Ich fahre noch einen „Diesel“ und bin entsprechend irritiert, wenn ich in diesen Tagen tanken muss: So viel habe ich für den Liter Diesel noch nie ausgeben müssen. Im Herbst 1973 war ich mal in Andorra, da kostete er 12 Pfennig, so etwas bleibt in Erinnerung. Mit einem Preis von mehr als €2,30 sind wir in einer völlig anderen Welt gelandet.

Wahrscheinlich fragen Sie sich ebenso wie ich, was da eigentlich gerade in der Welt, nah und fern, passiert. Sicher, schwerwiegende Umbrüche haben wir wohl alle schon erlebt, ganz besonders im 20. Jahrhundert mit seinen Weltkriegen, mit neuen Staatsformen und deren Zusammenbrüchen. Solche Umbrüche haben ja Auswirkungen auf das private Leben, auf Familien und Generationen. Jeder Umbruch bedeutet auch einen Neuanfang. Mir hilft da immer ein Blick in die Bibel. Da wird oft vom Aufbruch in ein „Neuland“ gesprochen, oft tatsächlich in ein ganz neues Land. Zum Beispiel beim berühmten Stammvater Abraham. Es waren sicher weniger die wirtschaftlichen Lebensbedingungen, die ihn in ein neues Land aufbrechen ließen. Vielmehr ging es bei ihm um Freiheit und um die Verheißung einer besseren Zukunft, und zwar nicht für ihn alleine, sondern für alle, für die er Verantwortung trug. Der Aufbruch, für den sich Abraham für sich und die Seinen entscheidet, steht symbolisch für menschliches Leben allgemein. Auch wir bekommen immer wieder die Chance, uns nicht in unserer Vergangenheit festnageln zu lassen, in Traditionen und Gewohnheiten verhaftet zu bleiben, sondern unsere Freiheit zu nehmen und uns weiter zu entwickeln. Das ist kein einfaches „weiter so“, sondern wir betreten unser persönliches Neuland.

Was kann uns dabei Sicherheit geben? In der Geschichte über Abraham ist das einfach Vertrauen. Bei Moses, einer anderen biblischen Männergestalt, war es die Hoffnung auf ein Leben in Freiheit. Im 137. Psalm wird die Erfahrung des Volkes Israel nach der Rückkehr aus dem Exil in diesem Vers zusammengefasst: „An den Strömen von Babel, da saßen wir und weinten, wenn wir an Sion dachten...“, denn man hatte nicht nur das Heimatland, sondern auch die religiöse Beheimatung bei Gott, bei Jahwe verloren. Die Menschen spürten, dass sie einen neuen Aufbruch brauchten, dass sie in ein Neuland gehen mussten. Im Psalm 126 wir die Freude über dieses Neuland so ausgedrückt „... da waren wir alle wie Träumende. Da war unsere Zunge voll Jubel.“

Steckt im Aufbruch in „Neuland“ nicht immer neben Angst auch die Hoffnung auf Befreiung?

Jan. Mäurer, kath. Kirche Bad König