In der Tradition der katholischen Kirche ist der Monat Mai besonders Maria gewidmet. Im Laufe der Geschichte wurden sie in vielen Gemälden dargestellt. Eine relativ einmalige Darstellung finden wir in der Wallfahrtskirche St. Peter am Perlach in Augsburg, das Bild stammt aus dem Jahr 1700. Es zeigt Maria, die auf der Mondsichel steht und mit ihren Füßen auf den Kopf einer Schlange tritt, die den Teufel symbolisiert. Maria ist von zwölf kleinen und zwei großen Engeln umgeben. Einer der großen Engel, der auf ihrer linken Seite, schaut Maria an und reicht ihr ein verwirrtes und verknotetes Band aus einem Knäuel in seiner Hand. Es sieht so aus, als würde Maria ganz vorsichtig die Knoten lösen und das entwirrte und geglättete Band loslassen, das vom Engel auf ihrer rechten Seite aufgefangen wird, der uns Betrachter dabei ansieht. Ein ungewöhnliches Motiv, vielsagend.
Es gibt die alte Sage aus der griechischen Mythologie vom König Gordios aus Phrygien. Er hatte an einem dem Göttervater Zeus geweihten Wagen einen Knoten geflochten. In der Sage heißt es, wer diesen Knoten lösen könne, der solle Herr über ganz Asien werden. Im Jahr 333 v. Chr. hat Alexander der Große diesen Knoten mit seinem Schwert durchschlagen. Damit hat er zwar ein großes Weltreich gegründet, von langer Dauer war es jedoch nicht. Gewalt ist keine Lösung für Probleme, egal wo auf der Welt, das wird uns gerade in diesen Jahren wieder bewusst. Wir müssen nach anderen Wegen suchen.
Das Bild von Maria als Knotenlöserin ist einzigartig. Sie gibt uns ein Beispiel, wie wir geduldig und vorsichtig die Knoten unseres Lebens lösen können. Aufrecht und mit Feingefühl schafft es diese Maria, die Verwicklungen zu entwirren und allzu Festes zu lockern, anstatt es mit Gewalt unlösbar zu verhärten oder zu zerstören. In der kleinen Kirche in Augsburg lassen sich viele Frauen und Männer von diesem Bild inspirieren.
Eine gewisse Berühmtheit hat das Bild durch den früheren Papst Franziskus bekommen. Eine Ordensfrau hatte ihm eine Postkarte mit diesem Bild aus Augsburg gesendet. Er war davon so beeindruckt, dass er von dem Gemälde eine Kopie anfertigen und es in seinem Gästehaus im Vatikan anbringen ließ.
Seit über 300 Jahren hilft das Gemälde der Knotenlöserin nun schon Menschen. Auch wir befinden uns immer mal wieder in unlösbar scheinenden Verstrickungen und Knoten, die uns das Leben schwermachen. Da ist es doch besser, dass wir uns von dieser Maria inspirieren lassen als von einem Schwert schwingenden Machthaber.
Einige Kopien des Bildes habe ich für Sie zum Mitnehmen in der katholischen Kirche ausgelegt.