Not lehrt beten. Wird behauptet. Ich bin nicht sicher, ob das stimmt. Meine Erfahrung besagt vielmehr: Wer in guten Zeiten nicht Beten gelernt und eingeübt hat, weiß auch in Notzeiten nicht, wie’s geht. In der Not wird vielleicht deutlich, dass es gut wäre jetzt beten zu können … Die Not lehrt die Notwendigkeit des Gebetes. Aber ob sie beten lehrt?
Ein Todesfall in der Familie. Eine schlimme ärztliche Diagnose, die das eigene Leben und das der Liebsten radikal verändern wird. Eine zerbrochene Beziehung. Die Kündigung … Wenn ich mit Menschen in solchen Situationen ins Gespräch komme und ihnen anbiete zu beten, höre ich eigentlich nie ein Nein. Im Gegenteil. Da ist meist viel Dankbarkeit da, manchmal wird mir das auch nach Wochen oder Monaten noch gesagt. Oder ich denke an das Gespräch zweier Frauen, das ich ziemlich am Anfang der Coronazeit einmal gehört habe. Die haben über die schwierige Situation mit Kontaktsperre und HomeSchooling und all der Angst geredet. Beiden ging’s sehr ähnlich. Und dann sagte die eine zur andern: „Ich beneide dich, weil Du beten kannst!“
Wohl den Menschen, die in guten Zeiten lernen zu beten. Die das einüben, mit Gott einfach über all das zu sprechen, was sie beschäftigt. Die vielleicht dazu sogar einmal die Bibel aufschlagen, um mit dem lebendigen Gott ins Gespräch zu kommen. Die regelmäßige Gebetszeiten einüben. Und bitte: Das ist nicht nur die Vorbereitung für den Notfall. Sondern das ist Lebenshilfe und Wohltat in dem Moment, in dem es geschieht. Aber das kann dann eben auch in der Not zum Anker und zur Hilfe werden.
Bitte suchen Sie doch das Gespräch mit Gott. Ihre Kirchengemeinde hilft Ihnen gerne dabei. Jesus hat uns erlaubt, Vater zu sagen. Papa. Ganz vertrauensvoll. Ganz kindlich. Ganz persönlich. Wie mit einem liebenden Papa dürfen Sie mit dem Schöpfer der Welt reden. Nicht erst in Zeiten der Not. Schon heute.