Unter dem Motto „Hab Mut, steh auf“ hat Mitte Mai in Würzburg der 104. Katholikentag stattgefunden. Diese Veranstaltungen sind das Forum zur Begegnung von Kirche und Welt, dort wird wird die große Weite der menschlichen Lebenswelten zusammengebracht. In vielfältigen Gottesdiensten, Gesprächsforen, Ausstellungen, Konzerten, Führungen und persönlichen Begegnungen bekommt man als Besucher ein beeindruckendes Bild der Wirklichkeit, in der sich Kirche mit den Themen des Alltags in Deutschland und weltweit befasst. Das gesamte Spektrum war kaum zu erfassen, aber die Offenheit, mit der die Menschen sich dort begegneten, bereitete Freude, selbst wenn man wegen Überfüllung in einzelne Veranstaltungen nicht reinkam. Solche Tage der Begegnung vermitteln ein wohltuendes Klima, denn sie zeigen das große persönliche Engagement und die Einsatzbereitschaft so vieler Menschen für ein gutes Miteinander, egal ob in der Sorge für Essen und Trinken oder im Ehrenamt für Sicherheit und Ordnung oder aber als Expertin bei großen Podiumsdiskussionen zu eher wissenschaftlichen Themen oder zur internationalen Politik.
Die in den Medien oft betonten Auseinandersetzungen in unserer Gesellschaft sind zwar durchaus Thema auf dem Katholikentag, doch der Umgang miteinander ist ein anderer: Man sucht eher das Verbindende als das Trennende. In einem Gespräch zwischen Fachleuten über die Freiheit der Kunst, in dem insbesondere im religiösen Kontext auch die Spannungen zur Sprache kamen, ist mir ein Satz ganz besonders in Erinnerung geblieben, der diese wohltuende Offenheit zeigt: sich überraschen lassen! Mir scheint dieser Gedanke das aufzugreifen, was nahe an dem biblischen Motto des Katholikentages im Markusevangelium (10, 46-52) ist: „Hab Mut, steh auf, ...!“ - Jesus kann den Blinden wieder sehend werden lassen, weil der sich „überraschen lassen“ konnte.
In den Gottesdiensten und auf den öffentlichen Plätzen mischte sich Alt und Jung, viele Familien mit Kindern waren dort, Ordensleute, einheitlich gekleidete Mitglieder aus Chören und Jugendgruppen fanden ihren Platz. Auch wenn beim Katholikentag oft dichtes Gedränge herrschte, gab es trotzdem auch viele Momente und Orte der Stille, Einladungen zur Besinnung. Die vielen Besucher aus der ganzen Welt gaben auch den Gottesdiensten die erfrischende Farbigkeit unserer Weltkirche.
Solche Tage der Begegnung sind eine große Bereicherung, auch wenn man am Abend die Kilometer in den Füßen spürt. Ich wünschen uns in den Gemeinden solche Erlebnisse der Lebendigkeit, der Ermutigung und Hoffnung.