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Bad Königer Stadtnachrichten und Badeblatt
Ausgabe 25/2026
Kirchliche Nachrichten
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Kurseelsorge

„Natürlich nicht!“ - so werden einige Leserinnen und Leser wahrscheinlich sofort einwenden. Manche fromme Seele wird bei der Vorstellung von einem eigenen „Fußballgott“ in ihren Grundüberzeugungen erschüttert und verweist vielleicht auf die Stelle in der Bibel, wo Moses am Berg Sinai von Gott gesagt bekommt „Ich bin der Herr, dein Gott. Du sollst keine fremden Götter neben mir haben.“ - Das stimmt schon, was da in der Bibel steht. Aber gilt das auch für die vielen Menschen heute, für die Fußball zumindest in ihrer Freizeit die wichtigste Beschäftigung ist? Wir merken ja an den Vorberichten im Fernsehen, welche große Bedeutung dem Fußball und insbesondere dem deutschen Team bei einer Fußballweltmeisterschaft beigemessen wird. Nun, ich persönlich bin immun gegen alle Formen von Fußballfieber und kann gelassen bleiben.

Ich kenne auch die große Bedeutung des Heiligen Paulus für den Sport. Im ersten Korintherbrief weist er auf die Leistungswilligkeit der Sportler hin und sagt „Lauft so, dass ihr den Siegpreis erlangt!“ Er meint damit allerdings den unermüdlichen Einsatz für Menschen und für Gott und in diesem Zusammenhang hat er Anerkennung für jede Art von Engagement. Ist es nicht faszinierend, dass sich da regelmäßig mehrere Tausend Menschen auf den Weg in die Stadien machen und ihre Teams anfeuern? Ausgestattet mit Fanartikeln, Fahnen und Tröten versuchen sie Stimmung zu machen, um ihre Mannschaft auch noch in ausweglos erscheinender Lage anzufeuern.

Im Fußballspiel kommt die Dramatik des Alltags voll zum Tragen. Auch da geht es um Kampf, um gewinnen oder verlieren. Die Helden auf dem Fußballplatz sind die Projektionsfläche für eigene Erfahrungen. Wichtig ist auch das Erleben von Gemeinschaft: Unter zehntausenden anderer Fans ist man nicht alleine. Diese Erfahrungen sind zutiefst religiös, rufen und singen in Gemeinschaft mobilisiert die eigenen Kräfte. Die Faszination des Miteinander für die gleiche Sache und die spürbare Solidarität erfassen einen ganz. Mit Abstrichen kommt es dann gar nicht so sehr auf Sieg oder Niederlage an, was zählt ist das Dazugehören.

Fußballstadien sind nicht nur Arenen des Spiels, sie sind auch Spiegel gesellschaftlicher Tiefenstrukturen mit vielen Parallelen zu religiösen Strukturen, auch wenn diese unbemerkt wirken. In den Gesängen, Choreografien, Ritualen, sogar in der Konfrontation lebt ein säkulares Echo religiöser Mentalitäten fort. Im Fußball geht es nicht nur um Spiel; Fußball ist eine weitergeführte Liturgie in einer profanen Alltagswelt.

Jan. Mäurer, kath. Kirche, Bad König