Man begegnet ihr überall, jeder Mensch kann etwas über Schönheit sagen. Kaum ein Begriff ist so schillernd und vielschichtig. Schönheit ist wohl eher eine sehr individuelle Empfindung als ein objektives Gut. „Schön ist, was gefällt“, heißt es.
In unserer von Medien gestalteten Welt werden wir überflutet mit Bildern, so werden wir auch unmerklich darin beeinflusst, was wir als „schön“ empfinden sollen. Schönheit wird so mehr und mehr zum gestaltbaren Objekt und selbst zu einem Produkt. Natürlich gehen damit auch oft Kaufempfehlungen einher. Nicht jeder kann sich die Produkte leisten, die zu den propagierten Merkmalen von Schönheit führen. Im Bemühen um vermeintliche Schönheit vergleichen wir uns mit anderen, die auf Grund der als schön geltenden Merkmale vielleicht Vorteile im Beruf oder im Freundeskreis haben und so geraten wir ein weiteres Mal in einen unguten Konkurrenzkampf. Zudem ändern sich die Vorstellungen von Schönheit – man denke an die Frisuren und die Kleidung der 70er und 80er Jahre. Wer nicht aufpasst, wird schnell zum Lifestyle-Objekt. Schönheit ist dann allerdings nur noch oberflächlich, ihr Kern ist zerflossen.
Von der französischen Philosophin und Sozialrevolutionärin Simone Weil (1909 – 1943) ist der Satz überliefert „Das Schöne: das, was man nicht verändern will... deshalb ist das Schöne das wahrnehmbare Abbild des Guten.“ - Besser ist es doch, wenn Schönheit uns nicht als Eigenschaft eines Gegenstandes oder Menschen, sondern als Erfahrung von Tiefe und etwas ganz Besonderem und unbedingt Bewahrenswertem begegnet. Wer sich Lifestyle-Trends oberflächlicher Schönheitsmerkmale widersetzt, irritiert zwar das gängige System, kann aber viele Entwicklungen als grotesk entlarven. Natur und Kunst, alles wirklich Schöpferische, wird weiterhin mit einem unverfügbaren Verständnis von Schönheit verbunden sein. Gott sei Dank. Doch auch hier drohen Konsum und Markt, Quantität statt Qualität als Gefahren. Nötig ist daher die Aufmerksamkeit für wirkliche Tiefe, für das Wahre und Gute im Schönen.
In der Dornbusch-Szene im biblischen Buch Mose, Kapitel 3, finden wir eine hilfreiche Aussage: „Komm nicht näher“, sagt der Herr. „Zieh deine Schuhe aus, denn du stehst auf heiligem Boden.“ - Das Schöne ereignet sich, bevor der Mensch darüber verfügen kann. Das Wesentliche können wir nicht konsumieren, es wird uns durch Aufmerksamkeit geschenkt. Die Welt ist immer das, was wir aus ihr machen.