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Bad Königer Stadtnachrichten und Badeblatt
Ausgabe 29/2026
Kirchliche Nachrichten
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Kurseelsorge

Manche Plätze und Orte haben eine ganz besondere Ausstrahlung. Besonders an heißen Tagen spüren wir: Hier tut es uns gut, einen Augenblick zu verweilen. Solche Orte haben eine besondere Aura, eine Wirkung, die uns Entlastung verschafft und aufatmen lässt. Es kann eine Parkbank sein, an der wir schon zigfach vorbeigegangen sind, wenn wir uns aber dann einmal daraufsetzen und von dort den Blick schweifen lassen, sehen wir die Welt ganz anders. Es kann auch bei einer Rast am Waldrand sein, mit einem weiten Blick über die Höhen. Oder wir erleben es an einer Quelle am Weg: das Glitzern des Wassers in Verbindung mit dem sanften Geräusch. Es kann aber auch geschehen, wenn wir eine Kapelle oder Kirche betreten, die Wahrnehmung, dass dies ein guter Ort ist und wir uns auf seine Ausstrahlung einlassen können.

In früheren Zeiten hat man an solchen Orten magische Kräfte vermutet und versucht, sie sich in gewisser Weise nutzbar zu machen. Heute sehen wir das nüchterner. Zu einem solchen Kraftort lade ich Sie heute ein und biete Ihnen meine Gedanken dazu an. Es handelt sich um eine bewaldete Höhe mit dem Namen „Disibodenberg“, den meisten Menschen wahrscheinlich unbekannt. Er liegt in der Pfalz, unweit von Odernheim am Glan, südwestlich von Bad Kreuznach. Dort finden wir eine Klosterruine aus dem 12. Jahrhundert. Die Ausmaße der gut freigelegten Fundamente und die noch erhaltenen Gebäudeteile zeigen, dass es sich hier früher um eine stattliche und bedeutende Anlage gehandelt haben muss. Die Reste von Klostergebäude und Kirche sind noch gut zu erkennen. Zahlreiche Hinweisschilder machen das Leben der früheren Zeiten dort anschaulich und für uns heute nachvollziehbar. Kriegshandlungen früherer Jahrhunderte und die Natur haben die ursprüngliche Anlage stark verändert, aber die Mauerreste und die Bäume prägen eine besondere Stimmung.

Viele Jahre lebte dort die Heilige Hildegard von Bingen, die noch heute berühmte Heilerin und Visionärin, die in der katholischen Kirche mittlerweile als Kirchenlehrerin verehrt wird. Bevor sie Äbtissin des Klosters Ruppertsberg (bei Bingen) wurde und von dort ihre Botschaften in die Welt übermittelte, prägte sie die Klosteranlage Disibodenberg. In ihren uns heute noch zu großen Teilen erhaltenen Schriften - einer Verbindung von damaliger Wissenschaft und mystischen Visionen – fasste sie das Wissen ihrer Zeit in außerordentlicher Weise zusammen. Die Bildwerke ihrer Visionen zeigen auch ihr hohes technisches Können.

Auf dem stillen Hügel des Disibodenberg begegnen wir Natur und Kultur. Wir spüren die Vergänglichkeit und es stellen sich Fragen nach dem Sinn des Lebens. Im Werk der Heiligen Hildegard ist die tiefe Harmonie von Glauben und Wissen zu erkennen, die Mensch und Schöpfung zu einem heilvollen Miteinander führt. Ganz ohne magische Vorstellungen ist dieser einladende stille Hügel ein Ort, der uns innere Kraft gibt.

Jan. Mäurer, kath. Kirche, Bad König