Am Samstag, dem 15. August, feiert die katholische Kirche das Fest „Aufnahme Mariens in den Himmel“. Zu diesem Fest hat es schon viele Diskussionen gegeben und das wird wohl auch weiter so sein. Gut so. Papst Pius XII. hatte 1950 es als „Dogma“ verkündet: Die Gottesmutter wurde mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen. Wie geht es Ihnen mit einer solchen Formulierung, die, wie mir scheint, völlig aus der Zeit gefallen ist? Zumal die Formulierung das Geschehen und seine Bedeutung nicht erklärt.
Seit Jesu Lebzeiten hat jede Zeit Bilder gefunden, um das auszurücken, was sie im Hinblick auf Maria und ihre Rolle für wichtig hält. Als Mutter des irdischen, menschlichen Jesus hatte Maria zu ihrem Sohn sicher eine ganz besondere Nähe. Sie ist ja mit ihm schwanger gewesen, hat ihn zur Welt gebracht, gestillt und sich entwickeln sehen, ja einen ganz wesentlichen Teil zu dieser Entwicklung, zu seiner Sozialisation beigetragen. Dass Menschen daher auch zu ihr eine besondere Nähe suchen, ist also gut nachvollziehbar. Auch oder gerade, weil Frauen – und damit eben auch Maria - in den damaligen Gesellschaften und ihren Religionen sonst eher im Hintergrund gedrängt wurden.
Dennoch hat man Maria mit vielen machtvollen Bildern beschrieben. „Königin“ wird sie genannt. Sie gilt als wirkungsvolle Anwältin der Menschen in all ihren Nöten. Eines der wohl ältesten Bilder, die sogenannte „Schutzmantel-Madonna“, zeigt, wie sich Menschen unter ihrem Mantel bergen. Dieser Mantel war in der Antike das Symbol für „Asyl“.
Der Feiertag „Aufnahme Mariens in den Himmel“ hat neben der Rückbesinnung auf Maria noch einen anderen Aspekt. Der Jahreszeit entsprechend ist es eine Art Erntedank. Das zeigen auch die besonders geschmückten bunten und duftenden Kräuterbuschen, die vor allen in den ländlich geprägten Gemeinden auch heute traditionell zum 15. August in Prozessionen getragen werden. Diese stammt aus der Zeit, in der man in der Natur Heilkräuter als Grundlage für medizinische Heilmittel sammelte, lange das Geheimnis weiser Frauen. Die Kräuterbuschen symbolisieren ebenfalls Hilfe in alltäglichen Dingen, um die man Maria bittet.
Dazu kommt noch ihre Treue und ihr Mitgehen als Mutter auf dem Leidensweg ihres Sohnes. Dadurch gewinnt der Feiertag eine weitere Bedeutung. Der ganze Mensch, mit Leib und Seele, findet bei Gott seine Vollendung, das verbirgt sich hinter dem Feiertag „Aufnahme Mariens in den Himmel“. Und so kann das Fest auch noch heute für uns ein Zeichen der Hoffnung sein.