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Bad Königer Stadtnachrichten und Badeblatt
Ausgabe 35/2026
Kirchliche Nachrichten
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Kurseelsorge

… am Küchentisch. In diesen heißen Sommertagen ist er mein Lieblingsplatz. Licht und hell am Morgen und kühl mit einem kleinen Lüftchen am Mittag. Da sitze ich auf einer Eckbank aus dicken Eichenbohlen, habe ein bequemes Sitzkissen unter mir und die helle Fichtenplatte des Tisches vor mir. Keine Stilmöbel für modernes Wohnen, aber für mich ein Stück „Zuhause“. Mein Küchentisch ist ein Ort der Sammlung und Stärkung und ein Ort für kräftige Diskussionen. Der Platz für Frühstück, Mittagessen und den Happen am Abend. Der Platz für die Zeitungslektüre, sobald der Tisch abgeräumt ist. Ich lese nämlich gerne am Tisch sitzend, die Zeitung vor mir offen ausgebreitet. Der gleiche Tisch wird aber auch zum Arbeitsplatz, auf dem das Notebook Platz hat und wo Briefe, Artikel und Predigten geschrieben werden. Wenn ich dort dann so dasitze, an dem stabilen Mobiliar, an dem hellen ruhigen Ort, dann wird der Küchentisch für mich zum Kraftort. Wie Wasser einer Quelle plätschern da die Gedanken, Verknüpfungen von alten und neuen Gedanken werden dort zum Leben erweckt und aus dem Ort am Küchentisch wird ein Universum. Das weite Lebensspektrum von Freude und Trauer, Ruhe und Durcheinander, Spaß und Ernst, Nachdenklichkeit und Ausgelassenheit findet an dem Oval des Küchentischs seinen Platz. Das gilt ganz besonders, wenn Gäste dort „Platz nehmen“. Ich bin sehr dankbar für diesen Ort der Geborgenheit. Ganz entsetzt war ich daher, als ich einmal hörte, dass manche Menschen in ihrer Wohnung gar keinen Tisch mehr haben. Das ist eine für mich völlig fremde Lebensweise. Unser Tisch hat schon so Manches aushalten müssen, von einem Schrank der auf dem Tisch gelandet und auseinandergebrochen mitsamt dem „guten“ Geschirr über die unterschiedlichsten Speisen und Getränke. Und manchmal wurde und wird auch mit der Faust kräftig auf den Tisch geschlagen. Er erlebt halt alles mit.

Umso schöner, wenn alles wieder im Reinen ist, wenn Ärger und Missverständnisse bei Tisch ebenso verräumt sind wie die Reste der Mahlzeit oder die Arbeitsunterlagen. Wenn da wieder „tabula rasa“ ist und der Küchentisch vor mir steht wie ein unbeschriebenes Blatt, bereit für jeden Neuanfang.

Es ist so schön, einen solch inspirierenden und stabilen, verlässlichen Freund im Haus zu haben.

Grüßen Sie doch bitte mal Ihren Küchentisch von mir

Jan. Mäurer, kath. Kirche, Bad König