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Bad Königer Stadtnachrichten und Badeblatt
Ausgabe 4/2026
Partnerschaft Bad König Argentat
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Partnerschaft Bad König Argentat

Rund um Argentat – Eine kleine kulinarische Reise rund ums Massif central (Teil 3)

Als die Bad Königer im Jahr 2024 der Partnerstadt Argentat-sur-Dordogne wieder einmal einen Besuch abstatteten, war eines der touristischen Ziele die ebenfalls an der Dordogne gelegene Stadt Beaulieu-sur-Dordogne, das von Argentat flussabwärts in einer halben Stunde zu erreichen ist. Von Beaulieu aus fließt die Dordogne noch für kurze Zeit nach Süden, um sich dann nach Westen zum Atlantik zu wenden. Überquert man bei Beaulieu die Dordogne und wendet sich nach Süden, gelangt man bald ins Département Lot in der Region Okzitanien. Dreißig Kilometer südlich von Beaulieu erreicht der Reisende den Wallfahrtsort Rocamadour, im Tal der Ouisse, einem Nebenfluss der Dordogne, gelegen. Die Bad Königer Frankreichfahrer hatten im Jahr 2004 Gelegenheit, sich hier umzusehen, und der eine oder andere Mitreisende wird sich vielleicht noch an das gemeinsame Mahl mit den Gastgebern erinnern, das außerhalb von Rocamadour gereicht wurde und zu dessen Abschluss, wer wollte, eine Käseplatte mit Rocamadour erhalten konnte. Bevor wir auf diese kleine Köstlichkeit eingehen, wollen wir aber zunächst einen Blick auf den Ort gleichen Namens werfen.

Rocamadour liegt auf einem schroff abfallenden Felsen und zieht nicht nur seiner malerischen Lage wegen Jahr für Jahr eine Million Touristen und Pilger an. Seit mehr als eintausend Jahren ist der Ort das Ziel von Wallfahrten. Hier soll im Jahr 1166 der unverweste Leichnam des legendären Einsiedlers Amadour entdeckt worden sein. Nach diesem Fund soll es zu manchen Wundern gekommen sein, die den Ruhm des Ortes begründeten. Es heißt, der Eremit habe zu Lebzeiten aus einem Baumstamm eine Marienfigur geschnitzt. Ob nun das Gnadenbild der Schwarzen Madonna tatsächlich schon von dem in der Zeit der frühen Christenheit verorteten Einsiedler geschaffen wurde oder erst in späterer Zeit entstanden ist, die Skulptur der Schwarzen Madonna mit dem Jesuskind auf dem linken Knie kann heute noch in der Marienkapelle Notre Dame de Rocamadour besichtigt oder verehrt werden; die Kapelle ist Teil der Basilika Saint-Saveur, in der sich unmittelbar unter der Madonna auch die Krypta des Eremiten Amadour befindet. Die Pilger, die zur Madonna wollen, müssen als Buße für ihre Sünden zunächst eine steile Treppe überwinden, was ein mühsames Unterfangen ist, das aber immerhin mit der Vergebung der Sünden und einem bleiernen Pilgerabzeichen belohnt wird.

Wer diese Mühen auf sich genommen hat, bedarf der Stärkung, und da empfiehlt sich eine Mahlzeit, zu der auch der berühmte und in der Europäischen Union mit einer AOP- Ursprungsbezeichnung geschützte Rocamadour-Käse gehören sollte. Dieser Käse wird aus Ziegenmilch hergestellt, hat eine bläuliche Rinde und bei einer Dicke von 1,5 Zentimetern einen Durchmesser von etwa 5 Zentimetern. Schon seit dem 15. Jahrhundert werden diese Käsetaler geschätzt; sie fanden zeitweise sogar als Zahlungsmittel Verwendung. Der Käse schmeckt süß und nussig, und wie sehr die Franzosen ihre regionalen Produkte schätzen, wird auch daran deutlich, dass der Rocamadour auch schon mal bei Banketten zu Ehren hochgestellter Persönlichkeiten aufgetischt wird.

Auch für die Herstellung von diesem Käse gelten strenge Regeln. So dürfen die Ziegen nicht mit fermentiertem Futter gefüttert werden. Er reift zunächst in einer der Trocknung dienenden Phase von etwa 24 Stunden; anschließend wird er in Kellern bei etwa 10 Grad und hoher Luftfeuchtigkeit über mindestens weitere sechs Tage vollendet.

Und da zum Käsegenuss auch ein passender Wein gehört, hier noch ein paar Tipps. Zum jungen und hoch cremigen Rocamadour passt etwa ein Chardonnay oder ein Sauvignon Blanc. Der länger gereifte Rocamadour verträgt auch einen Rotwein, etwa einen Marcillac aus dem Südwesten Frankreichs oder einen Syrah aus dem Département Lot.

Mit dieser kleinen Serie über Argentat-sur-Dordogne, seine Umgebung und dort produzierte Käsesorten haben wir hoffentlich ihr Interesse an unserer Partnerstadt und für die Partnerschaft zwischen Bad König und Argentat wecken können. Unmittelbare Eindrücke, auch solche kulinarischer Art, gewinnt man natürlich vor Ort. Zur Reise nach Argentat, die vom 3. bis 7. Juni 2026 stattfinden soll, sind Sie herzlich eingeladen. Einzelheiten werden noch rechtzeitig bekannt gegeben.

Thomas Seifert