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Bad Königer Stadtnachrichten und Badeblatt
Ausgabe 6/2026
Aus der Kreisverwaltung
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Aus der Kreisverwaltung

Ob der deutsche Bundeskanzler Konrad Adenauer und der französische Präsident Charles de Gaulle sich vor mehr als 60 Jahren vorstellen konnten, dass einmal im kleinen Odenwaldstädtchen Bad König französische Chansons zum Vortrag kommen und die deutschen Zuhörer eifrig einstimmen würden? Immerhin, den beiden Politikern ging es mit dem am 22. Januar 1963 abgeschlossen Élysée-Vertrag darum, ein Fundament für die Versöhnung der Deutschen und Franzosen zu legen und auf eine enge Partnerschaft auch der Bürgerinnen und Bürger beider Länder hinzuarbeiten. Ellen Nisch, die Vorsitzende des Partnerschaftskomitees Bad König / Argentat-sur-Dordogne erinnerte an die Ziele dieser Vereinbarung, der die Bad Königer schon seit mehreren Jahren im Rahmen einer Feierstunde zum Deutsch-Französischen Tag gedenken. In diesem Jahr konnte sie rund sechzig Gäste, darunter einige aus den Nachbarstädten Erbach und Michelstadt, begrüßen, die bei dieser Gelegenheit auch erfuhren, dass fast zur selben Zeit in Bad Königs Partnerstadt eine ähnliche Veranstaltung stattfand, bei der in diesem Jahr die wechselhafte deutsch-französischen Geschichte im Mittelpunkt stand.

In Bad König konnten sich die Besucher der Rentmeisterei, bevor sie ihre Stimmbänder zum Klingen brachten, erst einmal bei Kaffee, Kuchen und Wein stärken, bevor Iris Thierolf aus Beerfelden-Etzean ihr sorgfältig zusammengestelltes Repertoire französischer Chansons erklingen ließ. Aber dann legte sie los, und offensichtlich hatte sie mit der Auswahl der Lieder beim Publikum einen Nerv getroffen. „Plaisir d´amour“ – das Lied über die -ach so kurzen- Freuden der Liebe, dessen Text schon in einer im Jahr 1784 erschienenen Novelle gedruckt wurde und später nicht nur von der Chansonnière Edith Piaf, sondern auch von Sängerinnen und Sängern wie Joan Baez, Marianne Faithful, Nana Mouskouri und Charles Aznavour als Lied um die Welt getragen wurde, ließ manche Zuhörer melancholisch werden. Auch Edith Piafs „Je ne regrette rien“ aus dem Jahr 1960 gelangte zum Vortrag, genauso das Chanson „Comme d´habitude“ – „Wie gewöhnlich“- das später in der von Frank Sinatra gesungenen englischen Version als „My way“ ein Welthit wurde, bekamen die Besucher der Rentmeisterei zu hören. Der Platz reicht hier nicht aus, alle Lieder zu erwähnen, zu denen Iris Thierolf vor ihrem mit großem Beifall aufgenommenen gesanglichen Vortrag jeweils kurze Einführungen gab. Nur eins: „Le temps des gabariers“, das Lied über die Schiffer auf der Dordogne, das schon in den letzten Jahren bei Besuchen der Partner aus Argentat in Bad König zu hören war, hatte Iris Thierolf arrangiert, und da das Partnerschaftskomitee auch von diesem Song Blätter mit dem Text verteilt hatte, konnten auch die weniger textsicheren Gäste einstimmen.

Nach zwei anregenden und vergnüglichen Stunden dankte Ellen Nisch der Interpretin aus der Oberzent. Sichtlich geschah das auch im Namen der Gäste, die zwar keinen Eintritt hatten entrichten müssen, nun aber reichlich die Spendenbüchse des Komitees füllten, das mit diesen Einnahmen die im März nach Argentat reisende Schülergruppe aus der Carl-Weyprecht-Schule unterstützen wird.

Nebenbei: Diese Schüler bilden gewissermaßen die Vorhut für die vom 3. bis 7. Juni 2026 geplante Fahrt des Partnerschaftskomitees in die Stadt an der Dordogne, auf die erneut hinzuweisen hier nicht versäumt werden soll.